Filmplakat Deadpool 2
10/10

„Dubstep is for pussies!“ (Deadpool 2, 2018)


Deadpool 2

Besprechung

Nach dem großen Erfolg des ersten Teils dreht Deadpool (Ryan Reynolds) richtig auf. Er wird “international” und mordet böse Buben überall auf der Welt. Seine große Liebe Vanessa (Moreno Baccarin) will sogar ein Baby mit der ollen Avocado-Fresse machen. Alles scheint super-duper zu sein – da wird Vanessa ermordet. Für Wade Deadpool Wilson bricht eine Welt zusammen.

Colossus (Stefan Kapicic) holt ihn in die Schule von Charles Xavier – wo verdammt noch mal nie jemand außer der Blechbüchse und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) zu sein scheint. Es braucht etwas Zeit, um Deadpool wieder auf Vordermann zu bringen. Bei einem Einsatz als X-Men-Praktikant lernt unser Plappermaul den feurigen Russel (Julian Dennison), aka Firefist, kennen, der kurz davor ist das Waisenhaus, in dem er untergebracht ist, abzufackeln. Wade und Russell landen schließlich in einem Mutantengefängnis, sauber mit Superkräfte unterbindendem Halsband. Das führt bei Wade dazu, dass sein Krebs wieder aufblüht.

Wer sagt, das Leben im Gefängnis sei langweilig? Ein wild um sich schießender Typ mit Schutzschild, leuchtendem Auge und Kabellage steht plötzlich im Knast. Cable (Josh Brolin) will Russell umbringen. Das kann Deadpool nicht zulassen. Aber das mit dem nicht zulassen kommt erst nach der Tracht Prügel. Danach macht der rote Clown mit den Samurai-Schwertern seine eigene Superhelden-Truppe auf, um Russell zu retten.

Meinung von

Ach, wat ham wa jelacht bei Deadpool. Frech, obszön, blutig, gewalttätig – alles, was man braucht, um sich zu amüsieren. Bei so viel Chaos und Zerstörung musste ein zweiter Teil her. Der wurde sogar schnell nach dem ersten Teil angekündigt. Von den knapp zwei Stunden, die der Streifen läuft, sind vielleicht die ersten 15 Minuten zwar auch lustig, aber irgendwie noch fahrig und ohne Linie. Die muss erst gefunden werden. Als sich die Geschichte um Russell anbahnt, nimmt der Film dann aber richtig Fahrt auf.

Man braucht immer erst ein traumatisches Erlebnis oder einen drastischen Moment. Für Wade ist der erreicht als Vanessa ums Leben kommt. Er gibt sich die Schuld. Wie schön wäre es, sich das Leben nehmen zu können, aber Deadpool ist ja bekanntlich unkaputtbar. Colossus will Deadpool helfen. Was man in Deadpools Situation benötigt, das ist eine Familie, ein Rückhalt. Das kennt der aber nicht. Verdammt, er wollte mit Vanessa eine Familie gründen, seinem Kind ein besserer Vater sein als er einen hatte. Alles dahin …

Bis er den Arsch hochbekommt und Russell retten will. Wer ist denn auch bitte dieser Typ aus der Zukunft, der den kleinen Fettklops umbringen will? Der Fettklops ist übrigens Julian Dennison, den wir aus Wo die wilden Menschen jagen kennen. Da wollte er auch ein Gangster sein … Russell verkündet dann schließlich Damn, it’s good to be a gangster! (Was ich wiederum aus Office Space kenne … – aber das ist eine ganz andere Geschichte. Schon cool, wie ich hier aus SEO-Gründen Querlinks streue, gell?)

Deadpool 2 ist wie sein Vorgänger rotzig, ordinär, durchgeknallt und blutig. Weil, da werden Körperteile abgeschnitten und Menschen in zwei Hälften gerissen – fast wie zu Weihnachten bei den Nachbarn. Eine wahre Freude! Also für die, die es mögen. Um mich herum waren davon einige, wenn man das nach dem Ausmaß des Lachens deuten mag. Ich habe mich auch an einigen Stellen nicht mehr einbekommen und mein Lachen ging in ein Husten über, so herrlich verrückt ist der Streifen.

Wie gesagt, er braucht ein wenig um in die Puschen zu kommen, hält dann aber ein gutes Tempo. Dabei schnattert Deadpool in einer Tour, beleidigt sein Gegenüber, zieht den verfeindeten DC-Verlag in den Schmutz, macht sich aber auch über das eigene Haus Marvel lustig. Natürlich dürfen die Seitenhiebe in Richtung Wolverine nicht fehlen. Und … äähh … Frozen? Echt jetzt? (Mir ist es übrigens noch nie aufgefallen, dass zwischen Do you want to build a snowman und Papa, can you hear me? aus Yentl eine musikalische Verwandtschaft besteht.)

War Deadpool eine Liebesgeschichte – nicht meine Worte, sondern die von Wade Wilson –, ist Deadpool 2 ein Familienfilm. Wieder nicht meine Worte. Aber Recht soll er behalten unser "Merc with a mouth". Wade will eine Familie und da er sie nicht mit Vanessa haben kann, findet er eine neue. Am Ende bleiben sein treuer Taxifahrer Dopinder (Karan Soni), Cable, Colossus, Russell und Domino (Zazie Beetz) übrig. Domino? Was ist Deine Superkraft? Glück? Das ist keine Superkraft! – Ich darf höflich widersprechen.

Wer den ersten Teil mochte, wird den zweiten auch mögen. Da wette ich meine Bleimünze drauf! Was man im zweiten Teil etwas vermissen wird, ist das Durchbrechen der vierten Wand. Gibt es – ist aber viel verhaltender als im ersten Teil. Ich finde es nicht so schlimm. Es wäre ein zu billiger Abklatsch des Erfolgsrezepts aus Teil 1.

Regisseur David Leitch wird übrigens als einer der Typen angepriesen, die den Hund von John Wick gekillt haben. Der Vorspann ist wie schon beim Vorgänger sehr originell.

Und natürlich gilt: Die Midcredit-Szenen anschauen! Da wird noch einmal herrlich aufgeräumt! Die Verlinkungen zu Green Lantern und X-Men Origins: Wolverine spare ich mir an dieser Stelle mal. Upps ... Zu spät.

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