Filmplakat Green Lantern
4,5/10

„Glaubst du, ich erkenne dich nicht, weil deine Wangenknochen abgeklebt sind?“ (Green Lantern, 2011)


Green Lantern

Besprechung

Es gibt ein intergalaktisches Corps, das Green Lantern Corps, das von den blauen Wächtern von Oa geleitet wird. Das Universum ist in 3600 Sektoren unterteilt und die Lanterns sorgen für Recht und Ordnung in den Sektoren.

Testpilot Hal Jordan (Ryan Reynolds) wird zur neuen Green Lantern des Sektors 2814 auserkoren. Er findet einen lilafarbenen Alien namens Abin Sur (Tempera Morrison), der nach einer Auseinandersetzung mit der grausamen Entität Parallax (Clancy Brown) im Sterben liegt.

Parallax ernährt sich von der Angst der Wesen und hat schon diverse Planeten zerstört, unzählige Wesen getötet, ebenso wie einige Green Lanterns. Nun ist Parallax auf dem Weg nach Oa, um die Wächter zu zerstören, dabei kommt er an der Erde vorbei.

Mitten in dieser kosmischen Krise wird also der draufgängerische und verantwortungslose Hal Jordan eine neue Green Lantern. Seine Ausbildung ist kurz und knapp, wobei die Ober-Green Lantern Sinistro (Mark Strong) den Menschen nicht mag und kein Potenzial in ihm sieht.

Auf der Erde gibt es derweil eine geheime Organisation, die Abin Sur untersucht. Als Chef-Untersucher wird der Professor für Xenomorphie, Hector Hammond (Peter Sarsgaard) eingesetzt. Hammod infiziert sich an einer Probe des Parallax, entwickelt psionische Kräfte und wirkt wie ein Magnet auf Parallax.

Während also die Erde in höchster Gefahr ist, hadert Hal mit seinem Schicksal und will den Job der Green Lantern an den Nagel hängen.

Meinung von

Oh, DC ist im Zugzwang. Marvel produziert ohne Ende Superhelden-Comic-Verfilmungen und DC dümpelt im Sumpf des Filmgeschäfts herum. Erst mit Batman haben sie wieder Erfolg gehabt. Davon angespornt musste ein weiterer Held her. Neben Superman — der bekanntlich nach dem Superman Returns-Debakel rebootet wird — nahm man sich eine weitere ikonenhafte, überaus beliebte Figur vor: Hal Jordan als Green Lantern.

DC bleibt im Zugzwang, das vorweg. Green Lantern hätte toll werden können, aber was Regisseur Martin Campbell da abgeliefert hat, konnte leider nicht überzeugen. Zu sehr hält er sich mit der menschlichen Seite Jordans auf. Herrje, wir wollen keine Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Chefin Carol Ferris (Blake Lively) sehen. Doch leider bekommen wir davon einiges geboten, was das Tempo des 114-Minuten-Streifens teilweise drastisch drosselt. Auch die "psychischen Probleme" Jordans mit dem Tod seines Vaters — sind wichtig, hätten aber bestimmt auch kürzer dargestellt werden können.

Was bereits nach dem ersten Satz klar war: Einige Dinge, die im Comic funktionieren, klappen einfach nicht im Film und müssen anders angegangen werden. Da erzählt uns mit pathetischem Tonfall eine Stimme aus dem Off, dass die Wächter von Oa vor Millionen Jahren die "stärkste Kraft im Universum" sich Untertan gemacht haben. Für einen kurzen Schockmoment dachte ich "Liebe"? Nein, es ist die Willenskraft. Da fingen die Jungs hinter uns an zu lachen. Zugegeben, das war schon weit über der Kitschgrenze drüber hinweg. Wie gesagt — nicht alles lässt sich so einfach in Filmform überführen.

Ryan Reynolds spiel souverän, nicht auffällig, aber nett. Seine Figur hat genügend Witz, was dem Film wegen seiner diversen Schwächen sehr gut tut. Besser gefallen hat aber noch Bösewicht Peter Sarsgaard. Sein Hector Hammond ist linkisch, kommt wie ein geschlagener Hund herüber, ist ein Außenseiter, der überraschend an Macht gelangt und nun aus dem Schatten seines Vaters (Tim Robbins) treten kann.

Irgendwann später kam bei mir der Gedanke auf: Mark Strongs Sinistro, das wäre ein toller, ein würdiger Gegner gewesen. Immerhin ist Sinistro in den Comics ein großer Widersacher. Doch konnte man nicht gleich mit Sinistro als Bösewicht anfangen. Tatsächlich war Sinistro anfangs auch die größte, schillerndste Green Lantern. Aber einen Film mit einem Kampf Hal Jordan gegen Sinistro — den würde ich gerne sehen!

Ein ganz großer Fehler von DC war nämlich, dass sie Parallax (ich kenne Parallax noch als die böse, gefallene Form Hal Jordans) als schwarze Dunstwolke dargestellt haben. WTF!? Dass das ein Genickbrecher ist, sahen wir schon in Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer, wo der Planetenverschlinger Galaktus auch kein riesenhaftes Wesen, sondern eine ominöse Rauchwolke war. Wieder ein Fall von: Was im Comic funktioniert, klappt nicht automatisch im Film. (Aber dann hätte Marvel damals einfach nicht so eine Geschichte nehmen sollen.)

Parallax als Rauchwolke war jedenfalls ein Fehler. Auch weil sie viele Ungereimtheiten aufwirft: einige der größten Green Lanterns können nichts gegen Parallax ausrichten, doch der Erdenmensch Hal Jordan kann einen Tanklaster in seine Richtung werfen, diesen explodieren lassen und damit Parallax Schaden zufügen? Nee …

Die Kampfszenen sind gut, das viele CGI war nicht schlimm, im Gegenteil, ich fand die Darstellung der außerirdischen Green Lanterns sehr gelungen. Der Film hat Witz. Ich hoffe nur, dass im zweiten Teil — und ich bin ganz ehrlich, ich möchte einen zweiten Teil sehen — mehr Action, mehr Aliens, mehr Weltraum, mehr Logik (!) zu sehen ist. Weniger Liebelei, weniger Ich-hatten-eine-schwere-Kindheit. Gebt uns Sinistro als Gegner und man kann wirklich etwas Großartiges daraus machen. Der erste Green Lantern ist mehr eine Einführung in die Thematik — die blöderweise in die Hose ging, weil zu viel in einem Film untergebracht wurde. Martin Campbell, das Filmstudio und DC hätten sich mehr Zeit zum Entfalten der Story lassen sollen. Liebelei zwischen Jordan und Ferris? Hätte man auch in den zweiten Teil verfrachten können und sich im ersten mehr auf Action zum "Anreißen" konzentrieren sollen.

Moviejunkie Thorsten gibt 5/10 MJ-Punkte, ich 6.5, wobei da viel Sympathie mitschwingt. Es gab nämlich echt miese Szenen …

Ich mag es eigentlich gar nicht sagen, aber: 3D hätte man übrigens für den Film nicht gebraucht. Wie sagte Iron Man-Regisseur Jon Favreau doch so schön in einem Interview? 3D muss eine Geschichte voranbringen, so wie ein guter Schauspieler oder gute Dialoge. Das war hier (mal wieder) nicht der Fall.

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