Filmplakat Alles Routine
8,5/10

„Ich starre auf meinen Schreibtisch, aber es sieht aus, als würde ich arbeiten.“ (Alles Routine, 1999)


Alles Routine

Besprechung

Peter Gibbons (Ron Livingston) arbeitet als Programmierer für Initech. Er hasst seinen Job. Vor allem aber seinen direkten Vorgesetzten, Bill Lumbergh (Gary Cole), die vielen unnützen Regeln, das alltägliche Ein und Aus. Seine beiden Kumpels Michael Bolton (David Herman) und Samir Nagheenanajar (Ajay Naidu) sind ebenfalls nicht diejenigen, die jeden Morgen voller Elan zur Arbeit kommen.

Peters Freundin zwingt den elanlosen Programmierer zu einer Sitzung bei einem Hypnotiseur, um endlich mehr Zufriedenheit zu finden. Blöd, dass der Hypnotiseur tot umkippt, bevor er Peter aus dem Zustand der totalen Entspannung wieder rausholen kann. Von nun an hat Peter eine komplett andere Einstellung zur Arbeit. Wochenendarbeit? Nicht mit Peter. Einengende Cubicles? Wozu gibt es denn den Akkuschraubendreher? Peters Freundin will sich von ihm trennen? Okay. Kein Ding.

In der Mittagspause gehen Peter und seine Arbeitskollegen immer in ein nahes Restaurant. Hier hat er schon vor langer Zeit ein Auge auf die Kellnerin Joanna (Jennifer Aniston) geworfen. Wo er früher noch Angst gehabt hätte, die schöne Frau anzusprechen, ist er nun extrem gelassen. Diese LMAA-Einstellung fällt auch in der Firma auf. Lumbergh ist völlig irritiert, die beiden “Consultants” Bob Slydell (John C. McGinley) und Bob Porter (Paul Willson) sind hingegen sehr angetan von Peters Art. Der junge Mann könnte Führungsmaterial sein …

Derweil plant Peter zusammen mit Michael und Samir Initech um ein bisschen Geld zu erleichtern – was leider total schief geht.

Meinung von

Ich liebe diesen Film. Alles Routine ist der Film, der das Arbeitsleben bestens beschreibt. Zumindest das Arbeitsleben des letzten Jahrtausends. Peter ist eine gehirnlose, austauschbare Drohne. Lumbergh der Inbegriff des ekligen, schleimigen, macht- und statussüchtigen Chefs. Der schikaniert nicht nur Peter mit Arbeit am Wochenende, sondern auch den armen Milton (Stephen Root), wo er nur kann. Milton wird von Tag zu Tag mehr gedemütigt. Also ganz normales Arbeitsleben.

Mike Judge, der auch die TV-Serien Beavis and Butt-Head oder Silicon Valley geschaffen hat, steckt hinter der Geschichte von Alles Routine. Judge soll die Geschichte auf einer Kurzgeschichte basiert haben, die wiederum die "Abenteuer" von Milton beschreiben. Der gute Mann spielt hier im Film eine Nebenrolle, die aber nicht minder wichtig für die Handlung und für die Bearbeitung der Lachmuskel ist. Klar steht Ron Livingstons Peter im Vordergrund. Der spielt den tiefenentspannten Entwickler sehr schön. Man spürt seine Gelassenheit und dass das Leben ihm nichts mehr anhaben kann. Allmählich findet er sein Glück. Nicht nur mit Joanna, sondern vor allem im Beruf.

Geld ist egal, so lange Dich Deine Arbeit erfüllt und glücklich macht! Das ist im Grunde die Hauptaussage des Films. Ja, damals hat man noch Filme mit einer Moral am Ende gehabt. Auch in Komödien. Warum auch nicht?

Alles Routine ist irgendwie billig, das Budget von 10 Millionen Dollar sieht man ihm nicht unbedingt an. An den Kinokassen ist er auch gefloppt. Erst später sollte der Film eine große Fangemeinde aufbauen – ich gehöre dazu. Der Film hat viele kleine, schöne Ideen, die den Streifen rund machen.

Gary Cole als Bill Lumbergh ist großartig und prägend. Er ist unglaublich schleimig und selbstverliebt. Seine TPS-Berichte oder sein Mmh, yeahhh … sind absolut herrlich anzusehen. John C. McGinley, bekannt aus der TV-Serie Scrubs, hat ebenfalls eine nette, kleine Rolle.

Ich rede gerne über Alles Routine. Wenn auch die Darstellung des Arbeitslebens sehr drastisch ist, man erkennt doch so einiges wieder, was einem am Job nervt. Und sei es der Drucker, der nicht funktioniert oder die nervigen Kollegen. Die hat nicht nur Peter, sondern auch Joanna. Nur Peters Nachbar, der Straßenarbeiter Lawrence (Diedrich Bader), scheint mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Was uns wieder zurückbringt zu: Arbeit muss Spaß machen und erfüllen, sonst ist sie eine Qual.

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