Filmplakat John Wick
8,5/10

„Sehe ich etwa zivilisiert aus?“ (John Wick, 2014)


John Wick

Besprechung

Das Letzte, was ihm seine geliebte Frau hinterlassen hatte war ein kleiner Hund. Dieser Hund gab John Wick (Keanu Reeves) etwas Hoffnung. Bis eines nachts Iosef Tarasov (Alfie Allen) mit seinen Schergen bei ihm auftauchen, John den Wagen klauen und den Hund töten.

Damit stirbt das letzte Bisschen Menschlichkeit in John – einem Profikiller im Auftrag der russischen Mafia, der vor vier Jahren ausgestiegen war, um mit seiner Frau ein neues Leben anzufangen. John sinnt auf Rache. Schnell weiß er, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. Wie es der Zufall will, war es der Sohn seines ehemaligen Auftraggebers, Viggo Tarasov (Michael Nyqvist).

Viggo weiß wozu John imstande ist…

Meinung von

Es gibt nicht viele Gründe für eine Tat. Man macht Dinge aus Habsucht und Gier, aus Liebe oder aus Rache. Wobei Liebe und Rache oft dicht beieinander liegen. Johns Motiv um Jagd auf Josef zu machen ist ganz simple, pure Rache. Schön dumm, was sich da der verzogene Möchtegern-Mafia-Sohnemann geleistet hat — ausgerechnet John Wick den Wagen zu klauen und dessen Hund zu töten.

Man könnte sich hinstellen und nun anprangern, dass das, was folgt, eine einzige große Schießerei und John Wick nur eine stumpfe, blinde Killermaschine sei. Doch Regisseur Chad Stahelski (der auch das Stunt-Double von Keanu Reeves in Matrix war), nimmt sich am Anfang seines Regie-Debüts noch Zeit, die Figur des John Wick aufzubauen. Wir verstehen den Schmerz von John. Er wollte raus aus dem Killergeschäft — der Liebe wegen—, doch dann wurde ihm seine Frau Helen (Bridget Moynahan) durch eine Krankheit genommen. Der Hund war ein Geschenk von Helen, das ihm nach der Beerdigung übergeben wurde, da man etwas braucht, das man lieben kann. Der Hund sollte ein Start sein. Dann kommt Iosef ...

John, getrieben von Wut und Rache, macht das, was er am besten kann: Leute umbringen. Mit staubtrockenem Humor geht John auf seinen Feldzug. Bis an die Zähne bewaffnet, aber auch durch pure Schlagkraft und akrobatische Kampftechniken, kämpft sich John seinen Weg an den vielen Lakaien vorbei hin zu Iosef. Erschwert wird das Unterfangen dadurch, dass Viggo 2 Mio Dollar Kopfgeld auf John ausgesetzt hat.

Zum Glück gibt es das Continental — ein Hotel, in dem man als Killer unterkommen kann. Es gilt hier die Regel, dass es keine "Aktionen" unter dem Dach des Hotels geben darf. Wer das macht, wird bestraft. Allerdings hat Viggo sogar auf 4 Mio erhöht, sollte jemand die Hausregel brechen. Ms. Perkins (Adrianna Palicki) ist so eine, die es versucht ...

Vermutlich ist es der langjährigen Erfahrung als Stuntman zu danken, dass Regisseur Stahelski die Kämpfe so gut und ansehnlich in Szene zu setzen wusste. Er verzichtet dankenswerterweise auf Zuckel-Handkamera, schnelleSchnitte und unzählige Nahaufnahmen, wie es ja seit einiger Zeit Mode zu sein scheint. Endlich kann man mal wieder einen Kampf zwischen zwei Kontrahenten betrachten. Das meinte ich mit ansehnlich. Besser wäre: ansehbar. Die Schnitte sind wohlplatziert, manchmal ist die (ruhige) Kamera gar etwas zurückgenommen, so dass man den Kampf in einer Totalen bewundern kann. Reeves hat nach eigenen Angaben 90% seiner Stunts selber gemacht. Somit sehen wir den Darsteller, wie er all diese Kampfbewegungen einstudiert und vor der Kamera zum Besten gibt. Hut ab.

Ja, da wird gekloppt, geschossen — gerne in den Kopf oder ins Gesicht —, aber das hat auch alles seinen "Sinn" in diesem Fall. Scheiße, wer killt denn bitte den Hund eines Mannes!? Das macht man nicht! Schon gar nicht, wenn dieser Mann der gefürchtetste Killer der russischen Mafia ist! Keanu Reeves hat einen sehr eleganten, wenn auch brutal-effizienten, Stil seine Gegner von dieser Daseinsebene in die nächste zu befördern. Da macht es Spaß zuzusehen.

John Wick fängt ruhig an, baut die Figur auf, die von Keanu Reeves gut und wortkarg dargestellt wird und entlässt dann einen Helden, der mit viel Action, wilden Kampfszenen und den bereits oben angesprochenen, staubtrockenen Humor prächtig unterhält. Nichts für Zartbesaitete, aber ganz klar etwas für Action-Freunde.

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