Filmplakat Logan: The Wolverine
9/10

„Ich weiß immer, wer du bist. Manchmal erkenne ich dich nur nicht.“ (Logan: The Wolverine, 2017)


Logan: The Wolverine

Besprechung

2029 – Es gibt keine Mutanten mehr, seit 25 Jahren wurde keiner mehr geboren. Logan (Hugh Jackman) ist alt, verbraucht und hat keinen Lebenswillen mehr. Er verdient sich Geld als Fahrer. Zwischen den Jobs kümmert er sich um Charles Xavier (Patrick Stewart), der mittlerweile Mitte 90 ist und immer wieder unter Anfällen leidet, die seine gesamte Umgebung einer Psycho-Attacke aussetzt. Xavier ist ein gefährlicher, wenn auch alter Mann.

Eines Tages taucht die Mexikanerin Gabriela (Elizabeth Rodriguez) auf und fordert Hilfe von Logan. Allerdings sind die Heldentage von Logan längst vorbei. Er weist die Frau zurück, versagt ihr Hilfe.

Erst nach einem Vorfall erfährt der ehemalige Wolverine wieso die Frau seine Unterstützung benötigt. Er soll Gabriela und die elfjährige Laura (Dafne Keen) nach North Dakota bringen, da böse Menschen hinter der Kleinen her sind, allen voran Donald Pierce (Boyd Holbrook). Logan macht sich mit Charles Xavier und der schweigsamen, jedoch gewalttätigen Laura auf die Reise.

Meinung von

Logan wird hoch gelobt. Er sei zwar sehr gewalttätig und blutig – aber auch sehr gut. Das war alles, was ich im Vorfeld über den Film gehört hatte. Ich sollte nicht enttäuscht werden. Allerdings eine Warnung vorweg: Wer einen action-geladenen Specialeffects-Film sehen will, mit tollen Kämpfen und flotten Sprüchen, der wird ganz herbe enttäuscht.

Logan ist alt. Der macht keine große Action mehr. Er ist müde, unglaublich müde und das sehen wir ihm auch an. Er ist verbittert, hängt an der Flasche und heilt auch nicht mehr so gut wie früher. Der einstige Haudrauf hat alles an den Nagel gehängt. Er hat aber auch alles verloren. Früher gab es viele Mutanten, Charles hatte einst behauptet, die Mutanten seien der nächste Schritt der Evolution – wo sind sie jetzt alle? Nur noch Logan, Charles und der bleiche Caliban (Stephen Merchant), der Logan bei der Pflege von Charles hilft, sind noch da. Sonst hat Logan jeden, der ihm am Herzen lag, verloren. Die Welt ist eine andere geworden.

Da taucht die junge Laura auf. Sie hat Klauen wie Logan. Es soll sich herausstellen, dass Alkalin, die Organisation, die Logan das Adamathium verpasst hat, noch aktiv ist. In Mexiko hat der Ablegen Transingen eine Brutstätte für Mutanten eingerichtet. Laura ist Logans Tochter. Doch anstatt Vaterfreuden zu entwickeln, arbeitet er rein mechanisch. Er kümmert sich weiter um seinen Mentor und seine Vaterfigur, mit diesem Mädchen kann er nichts anfangen – will er auch nicht. Denn wie schon gesagt, verliert er jeden, der ihm etwas bedeutet. Aus diesem Grund ist Logan auch so schroff zu Charles. Ja, er pflegt ihn, aber er ist auch hart zu dem alten, teils verwirrten Mann. Aus Selbstschutz. Charles ist Mitte 90 und kann es einfach nicht mehr lange machen. Dann wäre Logan völlig alleine.

Regisseur James Mangold nimmt sich viel Zeit, den Ist-Zustand von Logan zu zeigen. Keine choreographierte Action, eher viel Kummer und Mühsam. Mit Laura kommt dann auch wildes Kampfgetümmel auf die Leinwand. Und ja, das ist brutal! Jackmann spielt den gealterten und gebrochenen Helden sehr gut. Stewart als seniler Professor X mit amoklaufenden Psychokräften ist unglaublich anzusehen. Es gibt eine Szene, in der Charles im Bett liegt und von "mir geht es gut" zu "ich erinnere mich wieder daran, was ich getan habe" wechselt – das ist sehr beeindruckend zu sehen. Dafne Keen spricht zunächst nicht viel, was aber auch gut ist. Sie kann Wut, Hass, Verachtung und Verletzlichkeit auch ohne Worte darstellen. Alle Achtung.

Während Logan verbittert ist, ist Laura verletzt und Logan haut auch immer wieder in die Kerbe. Er ist es nicht gewohnt jemanden um sich zu haben, eine Familie sein eigen zu nennen, auch wenn Charles immer versucht hat ihm mit den X-Men eine Familie zu geben. Wie soll er da eine Bindung zu Fleisch und Blut aufbauen? Er kann es nicht und er hat Angst davor – daher sein immer ablehnendes Verhalten.

Jeder Film braucht einen guten Bösewicht. Den hat Logan nicht wirklich. Boyd Holbrook als Söldner von Transingen ist relativ lahm. Interessanterweise stört das nicht und schadet dem Streifen auch nicht. Die Geschichte ist so stark, dass sie voll und ganz von Jackmann, Stewart und Keen getragen wird. Da sehen wir auch noch einen Richard E. Grant als Wissenschaftler von Transingen durchs Bild laufen, aber auch der ist nebensächlich und blass.

Eine beeindruckende Geschichte, die lose an den Comic Old Man Logan angelehnt ist und stark gespielt sowie erzählt wird. Eine erwachsene Superhelden-Verfilmung ohne viel Schnörkel und Spielereien. Gen Ende wurde er dann auch emotional. An so manchen Stellen musste ich schon ein wenig tief Luft holen, weil das alles so gut gespielt war. Vergessen sind die schwachen Anfänge von Wolverine, dies ist ein sehr würdiges Ende der Trilogie.

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