Filmplakat Deadpool
10/10

„I only have twelve bullets, so you'll have to share.“ (Deadpool, 2016)


Deadpool

Besprechung

Der ewig plappernde Wade Wilson (Ryan Reynolds) ist ein Schläger zum Mieten. Er hat eine schöne Freundin (Morena Baccarin) und ist glücklich – bis man bei ihm Krebs diagnostiziert. Irgendwie überall. Da taucht ein Mann im schwarzen Anzug auf (Jed Rees) und bietet ihm an, nicht nur Wade zu heilen, sondern ihn auch zum Helden zu machen. Nach einigem hin und her willigt Wade ein.

In der Werkstatt von Ajax (Ed Skrein) wird er so behandelt, dass sich Wades Mutations-Gene äußern und er zum Mutanten wird. Seine Kraft: Er kann nicht mehr das Maul halten. Oh. Ne. Wartet. Das konnte er schon vor seiner Verwandlung nicht. Wades Kraft ist Unsterblichkeit. Der Typ wird absolut unverwüstbar – und mächtig hässlich.

Nachdem er seinen Arsch in einen engen, roten Spandex-Anzug gezwängt hat, geht er als Deadpool los, um Ajax zu finden. Nicht nur ist Deadpool mächtig von dem Briten angepisst, der verrückte Wissenschaftler – der nebenbei nichts fühlen kann und von seiner enorm starken Gehilfin Angel Dust (Gina Carano) beschützt wird – hat ihm auch gesagt, er könne Wade wieder gut aussehen lassen. Und da Wade seine Freundin Vanessa wiedersehen möchte, ist der Wunsch das Arschloch von Ajax zu finden ziemlich groß.

Die Jagd könnte so schön sein, wenn nur nicht immer das X-Men-Mitglied Colossus (Stefan Kapicic) und die Auszubildende Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) ihm auf den Fersen wären, um ihn zum X-Men zu machen. Fuck, wer will denn schon bei den Guten mitspielen?!

Meinung von

Ah, der erste R-Rated Marvel-Film. Das ist eine heikle Angelegenheit, macht der Disney-Knecht doch am meisten Kohle mit den Pubertierenden. Die Altersbeschränkung schneidet somit einige gute Geldesel ab. Allerdings kann man Deadpool nicht weichwaschen. Der ist dreckig, schandmäulig, vulgär, blutig, gewalttätig, sexgeschwängert und alles weitere, was Mütter ihren kleinen Kindern nicht angedeihen lassen wollen (die aber heimlich unter der Decke eh lesen). Wir sehen Blut spritzen, Köpfe durch die Luft fliegen, nackte Haut und noch ein paar eklige Dinge. Es wird verdammt oft Fuck in all seiner Farbenfrohheit gesagt und ein dreckiger Spruch folgt auf den nächsten. Kurz: ein Heidenspaß.

Deadpool ist ein besonderer Held. Zum einen ist er kein Held. Zum anderen durchbricht er immerzu die vierte Wand, spricht also zum Publikum. Manchmal durchbricht er auch die 16-te Wand ...

Die Geschichte wird irgendwo in der Mitte gestartet, springt dann immer wieder in die Vergangenheit, zeigt wie Wade Wilson vor seiner Verwandlung in einen Mutanten war und wie er zu Deadpool wurde. Im Grunde müssen wir dem Söldner (Merc with a mouth) Deadpool glauben, wenn er sagt, dass sein Film eigentlich nur eine Liebesgeschichte ist. Da hat er tatsächlich nicht Unrecht. Kommt nicht ganz an Casablanca ran – aber schon so ein bisschen. *hust*

Nicht nur ist Deadpool irrsinnig lustig und gewalttätig, er ist auch ein Kunstwerk – in der Form, dass er gerne andere Filme zitiert. Nicht Quentin Tarantino-mäßig, der alles nur klaut, sondern liebevoll und im besten Sinne. Da wird z.B. das größte Zeile aus Der Pate zitiert. Und wartet erst den Abspann ab! Ich sage nur Schicka-Schickaaa .... Oh, was für eine schöne Referenz an einen der größten Jugendfilme der 1980er!

Außerdem ist Deadpool ein besonderer Film, da er sich über so unglaublich viele Dinge lustig macht. Der Streifen hat wohl den besten Vorspann, den ich seit Jahren gesehen habe! Wer spielt da alles mit!? Absolut sehenswert dieser Vorspann. Aber es wird auch über Wolverine – der im Vergleich zu Deadpool ein Ritter in silberner Rüstung ist – hergezogen. Oder über Charles Xaviers Schule. Herrlich ist natürlich auch die gemeine Anspielung an den verbockten Green Lantern-Streifen aus dem Konkurrenz-Haus DC-Comics — in dem Ryan Reynolds lustigerweise die Hauptfigur spielte.

Alle kleinen Jungs, die sich in den erwachsenen Männern befinden, sind dankbar für diesen Film. Er ist so herrlich dreckig und komisch. Zum Glück haben sie den Fehler aus X-Men Origins: Wolverine wieder rückgängig gemacht, besser: nicht geschehen gemacht. In dem Spin-Off haben sie Ryan Reynolds erstmals als Wade Wilson vorgestellt gehabt, den später auftauchenden "Deadpool" (Oder auch "Waffe XI" genannt.) dann aber völlig verhunzt. Ich meine, wie konnten die nur dem "Merc with a mouth" den Mund zunähen?? – Egal. Alles vergessen. Wir haben den Deadpool, den wir immer haben wollten.

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