Filmplakat Avengers: Infinity War
8,5/10

„Ich brauch' 'n Hammer und keinen Löffel.“ (Avengers: Infinity War, 2018)


Avengers: Infinity War

Besprechung

Thanos (Josh Brolin) ist da. Der fanatische Halb-Eternal hat ein klares Ziel: Ordnung ins Universum bringen. Dazu bedarf es nur der Ausrottung der Hälfte aller Wesen – denn dann stehen die sich nicht mehr im Weg und können aufblühen. Um sein Ziel zu erreichen, sucht er überall nach den Infinity-Steinen. Den Macht- und den Raum-Stein hat er mittlerweile schon.

Zwei Steine sind auf der Erde, Doctor Stranges (Benedict Cumberbatch) Zeit-Stein ist mit dem Zauberer Supreme in New York. Hier taucht Thanos’ treuer Diener Ebony Maw (Tom Vaughn-Lawlor) und dessen Kameraden des Black Orders auf. Strange bekommt Hilfe von Iron Man (Robert Downey Jr.) und überraschend auch von Spider-Man (Tom Holland).

Im Weltall treffen die Guardians of the Galaxy derweil auf Thor (Chris Hemsworth), der alles verloren hat, was ihm lieb war. Der Donnergott macht sich schließlich mit Rocket (Bradley Cooper) und dem immer noch pubertierenden Groot (Vin Diesel) auf den Weg nach Nidavellir, um eine neue Waffe für Thor zu schmieden. Thanos muss aufgehalten werden.

Die “abtrünnigen” Avengers um Captain America (Chris Evans) machen sich derweil auf den Weg nach Wakanda, um Vision (Paul Bettany) den Gedankenstein zu entfernen. Der Plan ist, den Stein zu zerstören, bevor Thanos an ihn herankommen kann. Hat Thanos erst alle sechs Steine, kann er alles machen, was er will – im wahrsten Sinne!

Meinung von

Ich klatsche Applaus. Marvel hat es drauf. Eigentlich war ich ja schon vor Black Panther auf dem Absprung. Irgendwann ist es mal genug mit den Superhelden-Filmen. Haben sie mich mit dem Film schon gepackt, haben sie es mit Avengers: Infinity War gleich noch einmal geschafft. Nach Sicht des Trailers fand ich lediglich nur eine Sache lustig (Peter Parker und die Sache mit den "Künstlernamen"), aber so richtig überzeugt hatte mich das alles nicht. Wie gesagt: Seit zehn Jahren sehen wir Marvel-Superhelden über die Leinwand flimmern. Das hat schon Soap-Opera-Qualitäten.

Die Russo-Brüder haben bereits bei The Return of the First Avenger bewiesen, dass sie sehr gut Geschichten erzählen können. Das war auch bei The First Avenger: Civil War nicht anders. Sie verstehen die Figuren und zeigen die richtigen Dinge. Das war bei Avengers: Infinity War durchaus ein Riskio. Wir haben nun zehn Jahre lang Superhelden gesehen und alle (bis auf Ant-Man und Hawkeye) sind dabei. So viele Figuren – kann das gut gehen? Wie leicht ist hier, zu viel zu zeigen. Frei nach dem Motto: Jeder muss seine X Minuten Leinwandzeit haben, also pressen wir die in die Geschichte rein. Die andere Gefahr ist, sich nur auf einige Figuren zu konzentrieren und dann den Rest unter den Tisch fallen zu lassen.

Avengers: Infinity War schafft es, die richtige Balance zu finden. Spider-Man bekommt seine Zeit, Iron Man und Captain America auch; selbst Bruce Banner (Mark Ruffalo) bekommt eine eigene Story in der Story. Thor und die Guardians of the Galaxy unter Möchtegern-Anführer Star-Lord (Chris Pratt) ebenso. Der Film gibt jedem genug Zeit, wenn auch nicht jedem gleich viel — was absolut gut so ist.

Die Russo-Brüder konnten es sich aber auch erlauben. Marvel hat es sehr geschickt gemacht. Alle Protagonisten kannten wir. Es musste keine nervige Origin-Story mehr gestrickt werden – das haben wir schon hinter uns.

Avengers: Infinity War ist der erste Teil des Krieges. Das muss man sich immer vor Augen führen, wenn man den Film sieht. Ich sage nur: an einer Stelle dachte ich Wer hat hier Regie geführt? Joss Whedon? Der ist bekannt dafür, wie ein Wilder mit dem Streichstift durch die Reihen seiner Protagonisten zu gehen. In Avengers: Infinity War verlieren wir einige unserer Helden. Aber wie gesagt: da kommt noch ein Teil.

Die vielen, vielen Filme, die wir alle kennen und mögen, fließen in Avengers: Infinity War zu einem Punkt zusammen. In The Avengers haben wir Thanos das erste Mal gesehen. In Guardians of the Galaxy erneut. Avengers: Infinity War fängt kurz nach Thor: Ragnarok an und führt die Geschichte der Asen ... öh ... weiter. Die Geschichte von Avengers: Infinity War ist echt groß. Ich saß da im Dunkeln und bewunderte die Kunst, so viele Fäden an einem Punkt zusammenlaufen zu lassen.

Neben der Geschichte ist es auch die Umsetzung. In Wakanda kommt es zu einer monströsen Schlacht. Herr K., der netterweise ein zweites Mal in den Film gegangen ist, flüsterte noch etwas nach dem Motto, so eine epische Schlacht habe es noch nicht gegeben. Das stimmt nicht ganz. Ich erinnerte mich an die Schlacht um Gondor in Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs. Aber davon abgesehen haben wir eine echt große Schlacht in Avengers: Infinity War vor uns.

Der Film hat vor allem am Anfang einen sehr, sehr schönen Humor. Aber auch großartige Momente, die dem Comic-Fan das Herz höher schlagen lassen. Als Spider-Man in seinem neuen Anzug von Tony Stark seine Spinnen-Beine ausfährt – das hat was! Oder wenn Thor seine neue Waffe bekommt: Wow! Da steht schon ein kleines Tränchen der Freude im Augenwinkel, so cool ist das.

Thanos ist ohne Zweifel ein großartiger Gegner. Seine Moral ist völlig verquer und wie es sich für einen guten Bösewicht gehört, ist er absolut der Meinung, das Richtige zu tun. Dass er die Hälfte des Universums auslöschen will, ist in seinen Augen eine Gnade. Keine Gnade ist die visuelle Darstellung von Thanos. War der CGI-Thanos aus The Avengers schlecht, hat sich die Qualität in den folgenden sechs Jahren zwar verbessert, er sieht aber immer noch scheiße aus. Seine Gehilfin Proxima Midnight (Carrie Coon) sieht für mich an vielen Stellen auch zu sehr nach Computerspiel aus. Schade. Das gibt auch Punkt-Abzug. Weil ich es kann.

Davon abgesehen, ist aber Avengers: Infinity War echt gute Kino-Unterhaltung: eine sorgfältig geschriebene Geschichte, Humor, Action, epische Kämpfe und Heldentum galore. Eine Schande, dass man jetzt so lange warten muss, bis es weiter geht.

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