Filmplakat The Avengers
9,5/10

„Nimm ruhig zwölf Prozent Lob an.“ (The Avengers, 2012)


The Avengers

Besprechung

Eigentlich wollte die Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. den kosmischen Würfel — oder auch Tesseract genannt — zur Gewinnung von Energie nutzen, doch mit einem missglückten Versuch haben sie Loki (Tom Hiddleston) wieder auf die Erde geholt. Der stiehlt den Tesseract und entführt Hawkeye (Jeremy Renner) sowie Dr. Selvig (Stellan Skarsgård).

Nick Fury (Samuel L. Jackson) bleibt nichts anderes übrig als einen Haufen Superhelden zusammenzustellen, damit diese den Tesseract zurückholen. Loki will mit der Energie nämlich die Erde unterjochen. Dazu will er sich Hilfe aus einer anderen Dimension holen. Um ein Portal dahin aufzubauen, benötigt er den Würfel.

Fury schickt Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) los, den brillanten Wissenschaftler Dr. Bruce Banner (Mark Ruffalo) ins Team zu holen. Zunächst erst einmal bitte ohne den Hulk, in den sich Banner verwandelt, wenn er aggressiv wird. Fury selber holt Captain America (Chris Evans) an Bord. Iron Man, aka Tony Stark (Robert Downey Jr.) lädt sich mehr oder weniger selber ins Team ein.

Loki wird seinem Ruf als Gott der Täuschung und der Lügen gerecht, als er nach dem Auftritt seines Bruders Thor (Chris Hemsworth) inhaftiert und auf die geheime Basis von S.H.I.E.L.D. gebracht wird. Loki bringt das Team, das ohnehin zunächst kein Stück als Team agiert, gegeneinander auf. So kann er die Aliens auf die Erde holen und seinen sinistren Plan ausführen. Kein Team, keine Bedrohung für ihn.

Meinung von

Wahnsinn! Jeder, der Superhelden mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Der gesamte Film aus der Feder von Regisseur Joss Whedon ist ein einziges Spektakel! Temporeich, gute Geschichte, witzig ohne Ende. The Avengers ist ein enorm schwieriges Projekt gewesen. Wann gab es schon mal einen Superheldenteam-Film? Marvel hat aber auch gute Vorarbeit geleistet. Man hat weit im Voraus geplant, um diesen wunderbaren Film zu schaffen. Iron Man, Captain America, Thor und Hulk sogar zweimal — alle bekamen zunächst Einzelfilme geschenkt, so dass sich das Publikum an die Figuren gewöhnen konnte. Überall wurde schon mal Nick Fury eingeschleust, quasi als Bindeglied oder Klebstoff, um die einzelnen Helden später in The Avengers zusammenzuführen.

Ganz großes Lob, dass man mit Joss Whedon einen so erfahrenen Regisseur genommen hat, der sich nicht nur mit Marvel-Helden auskennt — hat er doch auch diverse Comics geschrieben —, sondern dabei auch noch seinen typischen Humor einbringen konnte.

Hulk, eine Figur, die ich normalerweise extrem langweilig finde und von der ich schlicht nicht begreife, wieso die Leute die Comics des grünen Wut-Monsters seit so vielen Jahren lesen, Hulk kommt in dieser Version von Whedon extrem gut rüber. Gar sympathisch. Das hängt auch mit der Art von Mark Ruffalo zusammen, der den Hulk/ Bruce Banner gut spielt. Whedon geht mit seinen eigenen Protagonisten sehr "schroff" um. Das Team kloppt sich zunächst untereinander — wobei die Kämpfe wunderbar choreografiert sind. Doch auch später geht der Hulk nicht gerade zimperlich mit den eigen Teamkameraden um. Das wiederum ist ein herrlicher Spaß! Whedon geht sogar so weit, dass er — schon wieder — einen lieb gewonnen Protagonisten einfach killt. Da kennt Whedon ja nichts ...

Ganz große Plus ist Whedons Iron Man. War er in Favreaus erster Verfilmung schon extrem klasse, witzig und mit einem enormen Ego ausgerüstet, ist Iron Man in The Avengers noch überzeugender. Hier ist Tony Stark ein Meister des Wortwitzes.

Man kann The Avengers überhaupt zugute schreiben, dass der Film einen herrlichen Wortwitz besitzt. Das ganze in einer guten Story mit viel, viel Action verpackt. Viel Action kann auch leicht "zu viel" sein, doch Whedon hält das Level einfach nur hoch, ohne dabei zu kippen. So verfliegen die 142 Minuten (leider mit Pause) rasant und man merkt gar nicht, dass man beinahe zweieinhalb Stunden im Kino sitzt. Längen gibt es kaum. Wenn dann nur "Anflüge von Länge", doch die sind schnell wieder beiseite geschoben.

Ich hätte nicht gedacht, dass man einen so guten, unterhaltsamen Superheldenteam-Film hinbekommen könnte. Das größte Problem bei Superhelden-Filmen ist es, wenn zu viele Bösewichte in den Ring geworfen werden. Wie schaut es da aus, wenn man zu viele Helden auf die Leinwand bringt? Gut schaut es in diesem Fall aus! Sehr gut.

Whedon kommt mit tollen Ideen für seine Handlung daher, würzt das alles mit guten Sprüchen und führt seine Helden mit sicherer Hand durch den Streifen. Jeder hat Zeit, sich zu beweisen. Bis auf Hawkeye vielleicht. Der wirkt etwas blass, ist er doch auch die Hälfte des Films auf der bösen Seite.

Tom Hiddleston gab bereits in Thor einen wunderbaren Bösewicht und schafft es auch in The Avengers erneut zu überzeugen. Kollege von mir flüsterte während des Films, Hiddleston könne auch einen guten Joker spielen.

Klarer Liebling ist natürlich Iron Man. Hulk ist überraschenderweise auch auf einmal cool. Mann, der macht alles kaputt! Eine wahre Freude ihm dabei zuzusehen. Als Hingucker dann Black Widow ...

Ich würde mir The Avengers sofort wieder anschauen, wenn er nur nicht so pervers teuer wäre. 14 Euro ist einfach zu viel! Dabei hätten neun Euro gereicht. 3D hätte man — mal wieder — nicht wirklich gebraucht. Es gab nur einige Kampfszenen am Ende, wo die Illusion der Räumlichkeit gut rüberkam, aber unterm Strich hätte ich gerne die fünf Euro gespart. Fünf Euro? Ja, der Typ an der Kasse meinte, bei 3D-Filmen müsse man immer um die fünf Euro drauflegen. Wäre der Film günstiger gewesen, hätte er die volle Punktzahl erhalten.

So bleibt die Erinnerung an einen wunderbaren, spaßigen, rasanten, unterhaltsamen Film.

Jeder, der Superheldenfilme mag oder Action — anschauen! Und gleich noch einmal: Anschauen! An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, an etwas Großem beteiligt zu sein, nur weil ich den Film sah. Whedon kann solche Gefühle hervorrufen.

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