Filmplakat Captain America – The First Avenger
7,5/10

„Gott, gebt diesem Jungen doch mal ein Sandwich.“ (Captain America – The First Avenger, 2011)


Captain America – The First Avenger

Besprechung

Mitten im zweiten Weltkrieg will der schmächtige Steve Rogers (Chris Evans) unbedingt zur Armee, um im Kampf gegen Hitler-Deutschland zu helfen. Doch weil er so dünn und kurz geraten ist, wird er immer abgelehnt. Steve gibt nicht auf und versucht es erneut und erneut.

Von diesem verzweifelten Versuch bekommt auch der Wissenschaftler Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) mit. Er ermöglicht Steve die Teilnahme an einem wichtigen, geheimen Militär-Projekt. Es soll mit Hilfe eines Serums und Vita-Strahlung ein Super-Soldat gezüchtet werden. Colonel Chester Phillips (Tommy Lee Jones) ist nicht davon überzeugt, dass der kleine Rogers der geeignete Kandidat für das Projekt ist.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Howard Stark (Dominic Cooper) wird Rogers zum Muskelpaket mit viermal so starkem Stoffwechsel im Vergleich zu einem normalen Menschen.

Captain America, wie er nun genant wird, zieht in den Kampf gegen den weltherrschaftsbesessenen Johann Schmidt (Hugo Weaving). Schmidt hatte das Serum von Erskine an sich selbst getestet — was aber schief lief. Als Entschädigung bekam er von Hitler die Aufgabe neue Waffen zu entwickeln. Diese Abteilung nennt sich Hydra. Schmidt schafft mit Hilfe des Kosmischen Würfels, der unendlich viel Energie beinhaltet, und dem Wissenschaftler Dr. Arnim Zola (Tob Jones) alles zerstörende Waffen.

Meinung von

Eines vorweg: Captain America ist zwar bekannt, aber nicht wirklich populär hierzulande. Das ist wohl eher so ein amerikanische Ding — bei dem Namen eigentlich Programm. Ich kann mir vorstellen, dass der Film in den USA viel besser ankommt.

Dennoch: Als Kinobesucher mit Basisstation Deutschland muss ich sagen, dass der Film gut gemacht ist. Wir werden nach einer kleinen Einführung schnell ins Jahr 1942 versetzt und lernen die Entstehungsgeschichte von Captain America kennen. Ein mutiger Junge, der noch nicht einmal Nazis töten will, er will nur Unrecht aus der Welt schaffen. Dieses "goldene Herz" ist es, was den Wissenschaftler Erskine das Potenzial in Rogers sehen lässt. Die Figur des Hänflings Steve Rogers, also des Jungen, der er vor der Verabreichung des Serums war, ist klasse. Muss man mal festhalten. Chris Evans wurde — so vermute ich einmal — mit Hilfe der Computertechnik zu einem kurzen, dünnen Männchen gezaubert. Er wirkt unglaublich zerbrechlich.

Es gibt in Captain America keine peinlichen Figuren. Tommy Lee Jones spielt den alten Militär-Brummbär mit Herz, Dominic Cooper stellt einen überheblichen und zugleich genialen Howard Stark dar — den Vater von Iron Man Tony Stark. Da weiß man, woher der Sohnemann sein Selbstvertrauen her hat.

Als weibliche Rolle wurde Hayley Atwell für die Rolle der Peggy Carter besetzt. Ja, da ist eine Liebesgeschichte drin, aber die läuft nur nebenbei, ganz zart und unaufdringlich. Im Vordergrund steht die "Entstehung" von Captain America. Nicht nur die körperliche Umstellung, sondern auch die Rolle, die Steve Rogers einnimmt. Zunächst soll er als farbenfroh maskierter Held Kriegsanleihen verkaufen, doch er ist der Meinung, er sei für mehr zu gebrauchen. Das sieht Peggy ebenso, die ihm im Endeffekt zum Heldendasein ermutigt.

Das erste Kostüm ist dann auch das, was man aus den Comics des Golden Ages kennt. Ein Kostüm, dass aus heutiger Sicht lächerlich ist. Doch zum Glück hat Steve Rogers eigene Ideen zur Neugestaltung seiner "Uniform". Was heraus kam ist modern, realistisch, cool. Sehr gut umgesetzt.

Hugo Weaving als Bösewicht Schmidt, resp. "Red Skull", ist natürlich herrlich gefastet. Obwohl die Darbietung etwas an Agent Smith aus Matrix erinnert. Macht nichts. Hier ist er eben ein Ex-Nazi, nun an der Weltherrschaft interessierter Fanatiker im engen Ledermantel. Schön fies. Seine Versuche, seine Figur als Anti-Part des Helden darzustellen — immerhin haben beide das selbe Serum intus —, fiel hingegen etwas mager aus.

An manchen Stellen zieht sich der Film ein wenig, dann ist es wieder eine Aneinanderreihung von schnellen Kampf- und Kriegsszenen, die ebenfalls teilweise lang daherkommen. Anstatt 124 Minuten hätte man den Film bestimmt auch in 110 erzählen können.

Captain America ist schön anzusehen, hat einen dezenten Humor und bleibt immer Comic. Während Iron Man oder auch Spider-Man einen Hauch von Ernsthaftigkeit haben und authentisch wirken (wollen), ist in Captain America vieles überhöht. Man muss sich darauf einlassen, sonst wirkt es lächerlich. Riesige (!) Panzer, schwarze Schutzbrillen bei den (verrückten) Wissenschaftlern, das sind typische Comic-Stilmittel der frühen Jahre. Somit ist Captain America eine Hommage an die alten Comics des Golden Ages.

Eine solide Geschichte, gute Darsteller, ein guter Bösewicht, Retro-Stil mit warmer Optik — alles Gründe für einen entspannten Kinobesuch. US-Patriotismus ist vorhanden und dürfte, wie bereits erwähnt, in Amerika besser ankommen, als anderswo.

Man kann sich Captain America anschauen, wenn man auf Comic-Verfilmungen steht. Unbedingt gesehen haben muss man ihn nicht. Er wirkt auch eher als eine Art Vorgeschichte zum großen Superhelden-Team-Up-Film The Avengers, der 2012 in die Kinos kommen wird. Den Eindruck hatte ich auch schon bei Thor. Warten wir es also ab und vertreiben uns die Zeit dahin mit solchen Verfilmungen wie Captain America.

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