Filmplakat Baby Driver
7/10

„I was in love once ...“ (Baby Driver, 2017)


Baby Driver

Besprechung

Baby (Ansel Elgort) ist ein außergewöhnlich guter Fluchtfahrer. Er fährt für Doc (Kevin Spacey), dem er unglücklicherweise etwas schuldet. Baby arbeitet also seine Schulden bei ihm ab. Bei jedem Raubüberfall kann er durch seine extremen Fahrkünste jedem Polizeiwagen entkommen. Der junge Mann ist von seinem Fahrtalent abgesehen noch auf andere Art besonders, weil er ständig Musik hört. Als kleiner Junge hatte er einen Unfall, seit dem hat er einen Tinnitus und die Musik soll das Klingeln überspielen. Musik ist ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.

Eines Tages bekommt er eine neue Crew zugewiesen. Darunter ist u.a. der durchgeknallte und skrupellose Bats (Jamie Foxx), der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Baby will raus aus diesem Sumpf der Gewalt. In der Diner-Bediensteten Debora (Lily James) hat er eine verwandte Seele gefunden, die ebenso sehr Musik mag wie er. Zusammen mit ihr will er fliehen.

Doc lässt ihn aber nicht. So muss er noch eine Fahrt machen. Diesmal wieder dabei: Bats sowie das Gangster-Pärchen Buddy (Jon Hamm) und Darling (Eiza González). Das mit dem Abhauen wird immer schwieriger, mit diesen Kriminellen an der Hacke.

Meinung von

Ich mag Edgar Wright-Filme. Die Cornetto-Trilogie (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The World's End) sowie Scott Pilgrim kann ich mir immer wieder anschauen. Um so größer war die Freude einen neuen Streifen des Briten zu sehen. Der Trailer versprach gute Unterhaltung: rasante Fahrten, coole Sprüche, coole Sonnenbrillen, einen guten Bösewicht. Wright hat sich anscheinend von Guardians of the Galaxy anstecken lassen und hat das Erfolgsmodell Soundtrack auch für sich wiederentdeckt (was nicht ganz stimmt, Wright hat in der Cornetto-Trilogie auch schon auf gute Musik gesetzt, in Baby Driver ist sie nur Hauptbestandteil der Geschichte). Baby hört immerzu Musik. Das bunt gemischt. Da sind die Commodores dabei, Queen oder auch Dave Brubeck. Die Musik gibt seinen Takt an – beim Fahren und in seinem Leben.

Leider ist im Trailer – wie so oft heutzutage – das meiste Pulver bereits verschossen. Auch suggeriert der Trailer, dass man beinahe zwei Stunden lang eine coole Verfolgungsjagd nach der anderes sehen würde. Dem ist nicht so. Wright, der Baby Driver auch geschrieben hat, erzählt eine Geschichte und die besteht nun mal nicht aus Autos, Autos, Crash, Boom. Baby wird, obwohl er wenig sagt, gut gezeichnet. Wir verstehen ihn und seinen Antrieb, wir sehen, dass er im Grunde ein guter Mann ist. Nicht nur, dass er Debora liebt, er kümmert sich auch aufopfernd um seinen Ziehvater, den tauben Joseph (CJ Jones). Musik ist extrem wichtig für Baby. Ansel Elgort, der wohl mit Die Bestimmung einem breiten Publikum bekannt wurde, macht seine Sache sehr gut. Seine schwarze Jacke mit den weißen Ärmeln sieht – ob gewollt oder nicht – wie eine Weste aus und der Titelheld damit ein bisschen wie Han Solo. Nicht der schlechteste Vergleich.

Jamie Foxx ist der Bösewicht, der sich selber gerne als verrückt und gefährlich bezeichnet (nicht wie in Kill the Boss). Er ist es auch. Ebenso unberechenbar ist Kevin Spacey als Doc. Der hat Macht, er plant, er sackt Geld ein, er hat überall hin Verbindungen und Informanten. Legt Euch nicht mit dem Kerl an. Wenn er sagt, dass er allen wehtun würde, die Baby etwas bedeuten, dann sollte man das lieber glauben. Am Ende gibt es noch einen kleinen Twist, was die Machtverhältnisse und das Bösewicht-Konto der Anwesenden betrifft.

Baby Driver hat eine solide Geschichte, durchaus gute Charaktere, gute Musik (wer Queen spielt, bekommt schon mal einen Bonus-Moviejunkies-Punkt) und dennoch fehlt dem Film etwas. Vielleicht war es auch wirklich nur die falsche Erwartung, die einem guten Film schadet, aber vielleicht ist der Streifen einfach auch nicht so gut, wie erhofft. Humor hat er, wenn auch einen sehr leisen und zurückhaltenden, also nicht zu vergleichen mit z.B. Shaun of the Dead. Was nicht schlimm ist. Leider kann ich mich (noch) nicht in den Lobeskanon derer einreihen, die Baby Driver hoch loben. Eventuell kommt das noch. Wobei ich noch nicht einmal weiß, ob ich den später in der Heimkino-Kollektion aufnehmen werde ...

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