Filmplakat Die Bestimmung – Divergent
8/10

„Kommt das nur mir so vor, oder wollen die uns töten?“ (Die Bestimmung – Divergent, 2014)


Die Bestimmung – Divergent

Besprechung

Nach dem letzten großen Krieg haben sich die Menschen in Chicago hinter einer großen Mauer verschanzt. Die Gesellschaft ist aufgeteilt in fünf Fraktionen: Die Ken sind die Wissenschaftler und Schlauen, die Amite sind die stets freundlichen Bauern, die Candor sind ehrlich und stehen auf Ordnung, die Ferox sind die furchtlosen Beschützer der Menschen und die Altruan sind die Selbstlosen, die die Regierung bilden.

Tris (Shailene Woodley) und ihr Bruder Caleb (Ansel Elgort) stehen demnächst vor der Entscheidung, zu welcher Fraktion sie gehören wollen. Es wird ein Test durchgeführt, der jedem jungen Menschen zeigen soll, zu welcher Fraktion er oder sie gehört. Am Ende haben die Jungerwachsenen jedoch selber die Wahl, wohin sie gehen wollen. Einmal einer Fraktion zugewiesen, gibt es kein Zurück. Es sei denn, man fliegt aus dieser heraus, dann ist man fraktionslos, ein Geist, ein Niemand, der Bodensatz der Gesellschaft, der sich in den Gassen versteckt.

Der Test bei Tris, die selber nicht genau weiß, wohin sie gehört, fällt unglücklicherweise völlig unklar aus. Sie könnte Ken, Ferox oder Altruan sein – damit ist sie eine Unbestimmte. Tori (Maggie Q), die den Test bei Tris durchgeführt hat, warnt die junge Frau davor, ihr Geheimnis preiszugeben. Unbestimmte sind gefürchtet und so gut wie tot.

Bei der feierlichen Zeremonie entscheidet sich Tris dafür, zu den Ferox zu gehen. Keine leichte Entscheidung, kein leichter Weg. Bei der Ausbildung zum Beschützer nimmt Eric (Jai Courtney) alle neuen Rekruten hart ran, aber ganz besonders die, die von einer anderen Fraktion gewechselt sind. Tris macht sich nicht gut, ihr Ausschluss aus der Fraktion droht – und damit der Abstieg ins Ungewisse. Zum Glück hat der Ausbilder Four (Theo James) ein Auge auf Tris geworfen und hilft ihr die Testphase zu überstehen.

Derweil braut sich etwas an in Chicago. Eine Gruppe Menschen sorgt dafür, dass sich die Machtverhältnisse ändern sollen.

Meinung von

Die Divergent-Filme sind ziemlich an mir vorbeigegangen. Ich habe zwar mitbekommen, dass sie liefen, aber der Hype war recht gering. Die Menschen hatten alle Die Tribute von Panem gesehen, wieso jetzt schon wieder eine Geschichte einer jungen Frau, die in einer dystopischen Gesellschaft lebt und gegen das Regime kämpft? Laaangweilig.

Zu Unrecht. Die Bestimmung – Divergent ist doch um einiges anders als die Tribute von Panem. Die Tribute sind eher ein Abklatsch des römischen Reiches: Klassensystem, Dekadenz, Brot und Spiele. Die Bestimmung – Divergent hingegen hat nicht wirklich Klassen, sondern eben Fraktionen, die gut organisiert und friedlich nebeneinander leben. Bis das Machtverhältnis gekippt werden soll. Die Ken, so schlau sie auch sein mögen, sind schon lange der Meinung, sie sollten die Regierung innehaben, nicht die aufopferungswilligen Altruan. Die Bestimmung – Divergent ist politischer und aktueller als die Tribute.

Shailene Woodley wirkt eher unscheinbar, schüchtern, zweifelnd. Wohingegen Jennifer Lawrence als Katniss einem tierisch auf den Keks geht mit ihrer Emo-Nummer. Von daher gewinnt Divergent schon mal.

Wenn wir eine 16-Jährige als Hauptfigur haben, dann darf natürlich der Herzschmerz nicht fehlen. Mit Four hat Tris ihren Gegenpart gefunden. Die Beiden verbindet einiges, was sich erst im Laufe des Film herausstellt. Zum Glück ist das nur ein Zwei-Personen-Stück und nicht, wie bei den Tributen, dieses jammernde Dreiecks-Dings.

Divergent greift das Thema auf, dass junge Menschen nicht wissen, wohin sie gehören, dass sie eine Entscheidung treffen müssen, wohin ihre Reise gehen soll. Doch das ist nur der Anfang. Danach geht es um bedingungslosen Gehorsam oder nicht. Um eine Intrige, die das bestehende soziale System kippen soll, weil einige Menschen Machthunger entwickelt haben. Dafür wird kollaboriert und ein gefährlicher, tödlicher Plan ausgeheckt. Da passen "Unbestimmte" nicht ins Raster. Denn, so heißt es im Film Wenn du in keine Kategorie passt, können sie dich nicht kontrollieren. — die große Angst von jedem Politiker. Im realen Leben sind die gefährlich, die über den Tellerrand hinwegschauen, die kritisch hinterfragen. Bei uns wird Kontrolle durch Angst und gezielte Nicht-Bildung ausgeübt.

Bei Divergent hat vor allem Ken-Anführerin Jeanine (Kate Winslet) Angst vor den nicht kontrollierbaren Unbestimmbaren. Die stehen ihrem Plan im Weg und müssen beseitigt werden. Die bleibt etwas blass, aber das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass Jeanine auch eher im Hintergrund agiert.

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