Filmplakat Planet der Affen: Survival
8,5/10

„Seine Mauer ist Wahnsinn! Sie wird ihn nicht retten.“ (Planet der Affen: Survival, 2017)


Planet der Affen: Survival

Besprechung

Der Virus, der die Menschen beinahe ausgerottet hat, hat sich vor 15 Jahren ausgebreitet. Zwei Jahre sind vergangen, nachdem die mittlerweile schlauen Affen, unter der Leitung von Caesar (Andy Serkis), mit den letzten Überlebenden aneinander geraten sind. In den Tumulten damals wurde ein Funkspruch an eine Militärbasis im Norden abgesetzt. Seitdem macht die Sondereinheit Alpha-Omega unter der Leitung eines skrupellosen Colonels (Woody Harrelson) Jagd auf die Affen, im besonderen auf Caesar. Eines Tages geraten die beiden Kontrahenten aneinander.

Der Colonel tötet Caesars Familie, woraufhin der auf Rache sinnt. Eigentlich wollte der intelligente Affenanführer nur in Ruhe gelassen werden, doch der Colonel macht unerbittlich Jagd. Caesar macht sich auf den Weg, den Colonel zu finden und zu töten. Das will er alleine machen, doch seine Freunde Rocket (Terry Notary), der Gorilla Luca (Michael Adamthwaite) und der Orang-Utan Maurice (Karin Konoval) beharren darauf, ihn zu begleiten. Der Rest der Affen soll aus dem Wald, in dem sie leben, in ein neues, sicheres Gebiet ziehen.

Auf dem Weg nach Norden finden die vier Affen ein kleines stummes Mädchen (Amiah Miller), das Maurice nicht einfach sterben lassen kann. Also wird die Kleine mitgenommen. Das Quintett findet unterwegs erschossene Soldaten – von Soldaten hingerichtet. Schließlich finden Caesar und Co. einen einsamen, sprechenden Affen (Steve Zahn), der die Gruppe begleitet, obwohl er weiß, dass der Ort, zu dem sie reisen, ein böser Ort ist. Hier herrscht der durchgeknallte Colonel über seine Alpha-Omegas, die sich auf einen großen Kampf vorbereiten.

Meinung von

Was habe ich auf den dritten und finalen (?) Teil der neuen Affen-Saga gewartet – und ich wurde nicht enttäuscht. Im zweiten Teil, Planet der Affen: Revolution, sehen wir, wie sich die Affen kulturell weiterentwickelt haben. Caesar will Frieden mit den Menschen haben, doch Koba (Toby Kebbell) wurde zu sehr von den Menschen gepeinigt, so dass er den Krieg mit ihnen sucht. Das ist der Auslöser für Planet der Affen: Survival. Die Soldaten suchen überall nach den gehassten und gefürchteten Affen. Caesar zeigt – obwohl angegriffen – Gnade und lässt u.a. Preacher (Gabriel Chavarria) wieder frei. Das soll ein Friedensangebot sein, doch der Colonel akzeptiert es nicht.

Woody Harrelson hat neben seinen komischen Rollen auch schon fiese Charaktere gespielt, z.B. in Natural Born Killers, den psychisch gestörten Willi Schumann in Wag the Dog oder auch in 7 Psychos. Planet der Affen: Survival markiert einen weiteren Stein in Harrelsons Galerie der "schwierigen Charaktere". Sein Colonel hat, wie Caesar auch, einen schweren familiären Schlag hinnehmen müssen, nimmt den Kampf gegen die Affen also ziemlich persönlich. Außerdem ist er felsenfest davon überzeugt, dass die Affen der nächste Schritt in der Evolution sind, was er nicht zulassen will. Bei seiner Darstellung des Colonel hat er sich an Marlon Brandos Colonel Kurtz in Apocalypse Noworientiert. Beide sind blind vor Wut, extrem kalt und wahnsinnig. Der gefährliche Virus, der die Affen intelligent gemacht hat und die Menschen sterben ließ, ist 15 Jahre nach Ausbruch der Affenseuche mutiert. Bricht der Virus in seiner neuen Variante aus, verändert er die Menschen: sie verlieren die Gabe zu sprechen und werden "dumm wie Tiere". Der Colonel lässt auch diese Menschen hinrichten. Sehr zum Ärger einer anderen militärischen Fraktion ...

Regisseur Matt Reeves ließ sich übrigens auch von Gesprenkte Ketten inspirieren, was sich in dem Motiv der flüchtenden Affen aus dem Gefangenenlager widerspiegelt.

Caesar kommt schließlich doch ins Lager des Colonels – als Gefangener. Er muss mit ansehen, wie seine Affentruppe, die es nicht "ins gelobte Land" geschafft hat, in diesem Lager unter grausamen Bedingungen Sklavenarbeit verrichten muss. Und Caesar kann nichts dagegen unternehmen. Hier wird noch einmal gezeigt, was Angst aus Menschen und Affen macht. Es gibt nämlich auch Affen, die gegen Caesar an der Seite der Menschen kämpfen – aus Angst. Was, wenn die Menschen doch wieder die Überhand gewinnen? Dann lieber auf der Seite der Gewinner stehen, sagen sich so einige Affen, darunter auch Red Donkey (Ty Olsson). Die übergelaufenen Affen werden ausgebeutet und verächtlich Donkeys genannt. Doch die Angst spült bei diesen Affen auch den letzten Rest Selbstachtung fort.

Caesar wird erneut grandios von Andy Serkis gespielt! Sein Mienenspiel liegt dem CGI-Affen zugrunde. Er spielt Caesar und bringt sehr viel Emotionen herüber. Caesar ist mittlerweile älter geworden. Er möchte nicht kämpfen, wird aber immer wieder in den Krieg hineingezogen. Ein wenig wie Al Pacinos Michael Corleone in Der Pate. Dass Caesar im zweiten Teil gezwungen war Koba zu töten, obwohl sein Mantra doch lautet, dass kein Affe einem anderen Schaden zufügen darf, verfolgt den schlauen Affen noch heute. Der Zwischenfall mit Winter (Aleks Paunovic) tut sein weiteres dazu. Ich hing jedenfalls an der einen oder anderen Stelle schluckend (Bloß nicht laut schluchzen!) im Kino. Der Konflikt in Caeasar zwischen Pazifismus und kriegrischer Verteidigung seiner Familie, seiner Rasse, ist Hauptmotiv Caesars.

Die Tatsache, dass der Virus mutiert ist und nun die verbleibenden Menschen stumm sowie dumm macht, ist eine gute Anbindung an den 1968-Klassiker Planet der Affen mit Waffenfanatiker Charlton Heston in der Hauptrolle. Die jüngste Trilogie kann man also tatsächlich als Prequel ansehen. Allerdings hoffe ich, dass man die Andy Serkis-Filme als Reboot sieht und nicht an die alten Streifen anschließt. Damals waren die Filme deutlich auf die Angst vor dem Atomkrieg ausgelegt, wenn Astronaut Taylor (Heston) am Ende die zerstörte und halb vergrabene Freiheitsstatue sieht, wird klar, dass die Menschen sich selber ausgelöscht und damit den Weg für die Weiterentwicklung der Affen bereitet haben. Das ist in der Serkis-Ära anders. Hier ist es ein misslungenes Hilfsmittel gegen Alzheimer, das mutiert und die Menschen ausrottet. Genetik ist das neue Atom-Kriegs-Szenario. Der Anschluss von den Serkis-Filmen hin zu den alten Streifen wäre jetzt falsch. Von daher: Bitte nicht weitermachen! Planet der Affen: Survival kann und sollte der letzte Teil sein. (Abgesehen davon möchte ich nicht sehen, wie die Affen wieder besiegt werden ...)

Einziger Kritikpunkt – neben den in den Randnotizen erwähnten – ist der Charakter des Bad Apes. Hierbei handelt es sich um einen aus einem Zoo entkommenen Affen, der intelligent ist, sprechen kann, aber lange Zeit isoliert und in Angst vor den Menschen gelebt hat. Bad Ape ist der Comic Relief, was für einen kurzen Moment auch nett ist, unterm Strich aber nicht zum düsteren und ernsten Ton von Planet der Affen: Survival passt. Der hätte weniger in Erscheinung treten müssen.

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