Filmplakat Wag the Dog
8,5/10

„Krieg ist Showbusiness!“ (Wag the Dog, 1997)


Wag the Dog

Besprechung

In elf Tagen ist Wahl in den USA. Der amtierende Präsident hat etwas gemacht, das ihm seine Wiederwahl kosten könnte. Also wird “Mr. Alleskleber” Conrad Break (Robert De Niro) geholt. Der Mann kann alles fixen. Was das Volk braucht, ist eine Ablenkung. Wenn die Menschen nicht an den Ausrutscher ihres Noch-Präsidenten denken, hat er bei der Wahl eine Chance. Wie lenkt man am besten ein Volk ab? Richtig: Mit Krieg!

Conrad wendet sich an den Filmproduzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman), der großen Gefallen daran findet, einen so umfangreichen “Film” zu produzieren. Der holt dann auch den “Knüller-King” Fad King (Denis Leary) und den Jingle-Meister Johnny Dean (Willie Nelson) an Bord. Schnell wird ein Krieg aus dem Hut gezaubert. Warum nicht gegen Albanien? Niemand kennt Albanien. Lasst uns in Albanien einmarschieren. Natürlich nicht echt. Ist ja alles nur Show.

Als der Gegenkandidat John Neal (Craig T. Nelson) den Krieg jedoch für beendet erklärt, kommen Conrad und seine Leute kurz ins Schwanken. Doch können sie das Ruder wieder rumreißen. Kurzerhand wird die Geschichte des hinter den feindlichen Linien zurückgelassenen Soldaten William Schumann (Woody Harrelson) erfunden und das Volk kann wieder gespannt auf die Mattscheibe starren.

Meinung von

Oh, welch ein großartiger Film! Die Thematik ist brillant, die Schauspieler sind es ebenfalls. Eine bitterböse Satire auf das politische Leben, die Dummheit des Wählervolkes und die Medien. Was im Fernsehen läuft muss richtig sein. Stimmt's!? Das, was Conrad und Co. hier veranstalten ist der Oh, guck mal da…!-Trick – und alle schauen in die Richtung, weg vom eigentlichen Geschehen. Aber Conrad und vor allem Motss gehen noch weiter: Wenn schon ein Krieg, warum dann nicht noch alles gut vermarkten und nebenbei ein paar Dollar machen? Das ist alles so grotesk und verrückt. Dennoch nagt es dem Zuschauer im Hintertürchen, dass das alles durchaus wahr sein kann.

Kann es nicht? Wir haben schließlich damals im Golfkrieg auch die Bomben gesehen, die mit tödlicher Präzession in die Schornsteine der Bösewichte gefallen sind und die Häuser in die Luft gejagt haben! Ja, das hat Motss damals gut inszeniert. In einem Studio. So auch dieser Krieg. Das arme albanische Mädchen, das mit ihrem Kätzchen in den Armen aus ihrem verbombten Dorf flieht … das ist die liebe Tracy Lime (Kirsten Dunst), eine junge Schauspielerin, die eigentlich vor einem Bluecreen läuft. Ein Hoch auf die digitale Bildbearbeitung!

Robert De Niro ist ein Gott der Ablenkung, er behält die Ruhe und denkt kühl, streut Gerüchte und alles nur um das gemeine Volk auf ander Gedanken zu bringen. Er ist großartig in dieser Rolle. Dustin Hoffman geht ebenfalls in seiner Rolle auf. Sein Stanley Motts ist quirlig, sprudelt über vor Ideen und will die beste Geschichte erzählen, die er jemals auf Zelluloid gebracht hat. Ihm fällt in jeder Situation noch ein Twist ein. Die Weißes Haus-Mitarbeiterin und Vertrauensperson für Conrad, Winifred Ames (Anne Heche), ist ständig nervös, glaubt, dass niemand so dumm sein kann und den Braten fünf Kilometer gegen den Wind riechen muss. Doch … das passiert nicht.

Wenn man sich mal wieder über die Politik, die Medien oder die Menschen aufgeregt hat, hilft Wag the Dog alles wieder ins rechte Licht zu rücken. Man muss viel lachen und gleichzeitig den Kopf schütteln, so schön ist der Film.

Neben den oben erwähnten Schauspielern haben wir noch William H. Macy – weil der in jedem Film mitspielt. Woody Harrelson ist, obwohl schon bekannt, in einer kleinen Rolle als psychotischer Soldat zu sehen, der gerne Nonnen vergewaltigt. Außerdem sehen wir eine lange Frau als Assistentin von Dustin Hoffman, die Star Trek-Fans irgendwie bekannt vorkommen mag: Suzie Plakson hat in der SciFi-Serie z.B. die Freundin von Worf gespielt, aber auch andere Rollen, darunter z.B. die weibliche Q.

Wag the Dog ist ein wunderbarer Film, der leider viel zu wenig bekannt ist. Habt Ihr Angst vor dem Film?

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