Filmplakat Der Pate
9,5/10

„Nun mein Freund, bist du bereit mir einen Gefallen zu erweisen?“ (Der Pate, 1972)


Der Pate

Besprechung

Vito Corleone (Marlon Brando) ist der Pate einer italo-amerikanischen Familie in New York. Der Patriarchat herrscht ruhig aber bestimmt über sein Reich. Vito hat drei Söhne: den Frauenheld und ältesten Sohn Santino (James Caan), den tumben Fredo (John Cazale) und den Jüngsten, Michael (Al Pacino). Michael wurde aus den Machenschaften des Vaters rausgehalten, er kämpfte sogar für Amerika im 2. Weltkrieg — auch wenn das nicht gerade für Begeisterungsstürme in der Familie sorgte, als er seinen Schritt angekündigte.

Auf der Hochzeit seiner Schwester Connie (Talia Shire) taucht er mit seiner neuen Freundin Kay Adams (Diane Keaton) auf.

Wir sehen wie die Geschäfte des Vito Corleone laufen. Die Zeiten ändern sich — auch für die Mafia. Der “Türke” Sollozzo (Al Lettieri) will mit Vito einen neuen Markt aufmachen: Drogen sind die Zukunft, nicht mehr Alkohol und Waffen. Doch Vito sträubt sich. Das bekommt ihm nicht gut. Es wird ein Anschlag auf ihn verübt. Wäre Vito vom Fenster, könnte man vielleicht mit dem hitzigen Sonny ins Geschäft kommen.

Michael ist es, der seinen Vater rächt und in Sizilien untertauchen muss. Später kommt er nach Amerika zurück — und muss unfreiwillig die Geschäfte seines Vaters übernehmen.

Meinung von

Das ist Kino der Extraklasse! Ganz, ganz großes und episches Kino. Francis Ford Coppola zeigt eine Familiengeschichte. Mehr ist es nicht, streng genommen. Dabei ist Der Pate gleichzeitig der großartigste Mafia-Film überhaupt. Er ist brutal, aber es geht nicht um die Gewalt. Es geht darum, eine Familie zusammen zuhalten. Es geht auch um Werte und es geht vor allem um das Schicksal eines Sohnes, der entgegen seines Willens in die übergroßen Schuhe seines Vaters schlüpfen muss. Marlon Brando als Vito Corleone ist ideal besetzt. Er ist allein durch seine Körpermasse ein Berg. Doch auch seine Art ist ruhig, überlegen und doch so gefährlich. Grandios. Brandos Mafia-Boss ist eine Ikone und ein Vorbild für alle folgenden Mafiosi.

Vito wollte für seinen jüngsten Sohn immer das Beste. Er sollte auf keinen Fall in das Familiengeschäft einsteigen. Darum sollte sich Sonny kümmern. Doch als der in den Querelen eines Bandenkriegs ums Leben kommt, bleibt es an Michael, seinen Vater zu vertreten.

Der junge Al Pachino spielt hier, so finde ich, in seiner besten Rolle. Copolla hat alles aus dem Schauspieler herausgeholt.

Copolla hat es geschafft, Menschen zu zeigen, die eigentlich Schwerverbrecher sind, doch auch Familienväter, Söhne und Töchter. Ganz normale, liebende Menschen. Er nimmt der Grausamkeit seinen Stachel, doch dieser bleibt immer sichtbar anbei liegen.

Ich liebe diesen Film! Man braucht Sitzfleisch (175 Minuten) und Geduld. 1972 wurden Filme anders aufgebaut als heute. Es gibt keine rasenden Verfolgungsjagden, keine großen Explosionen. Es gibt noch nicht einmal immer Dialoge. Der Pate fließt dahin. Das muss man abkönnen. Ich weiß von Menschen, die die Geduld nicht mehr aufbringen können. Schade für sie. Der Pate ist, wie schon gesagt, ein ganz großer Film! Er strotzt vor wichtigen Filmsprüchen und wurde nicht umsonst unzählige Male in anderen Filmen filmisch zitiert. Die Musik von Nino Rota kennt jeder. Leider wird die Musik zu oft von Akkordeon-Spielern in unseren Straßen gequält. Schade.

Absoluter Anschaubefehl! Ich für meinen Part, schaue die Trilogie bestimmt einmal im Jahr.

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