Filmplakat Der Astronaut – Project Hail Mary

10/10

"Fist my bump!" — Der Astronaut – Project Hail Mary, 2026

Der Astronaut – Project Hail Mary

Besprechung

Irgendwo im Weltall wacht der Lehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) auf einem Raumschiff auf. Er hat keine Ahnung, wie er dorthin gekommen ist. Er muss schnell feststellen, dass er alleine an Bord ist. Da sind zwar noch zwei Verstorbene mit ihm auf dem riesigen Raumschiff namens Hail Mary, aber er ist alleine.

Langsam kommen seine Erinnerungen wieder. Der Mikrobiologe hatte einst eine gewagte Theorie aufgestellt, wonach es auch Leben geben könne, das nicht auf Wasser basiere. Weil seine Dissertation ein Flop war, wurde er Lehrer. Doch irgendwann stand die frühere Chefin der European Space Agency (ESA), Eva Stratt (Sandra Hüller) vor seiner Tür.

Die Sonne wurde immer kühler. Wissenschaftler fanden einen „Strang“ von Partikeln der von der Sonne zur Venus führte. Graces Aufgabe war es, herauszufinden, was diese Partikel sind und wie man sie aufhalten kann. Grace konnte die sogenannten Astrophagen als Einzeller identifizieren, die die Energie einer Sonne aufnehmen. Nun befindet sich Grace auf dem Schiff, das in Richtung Tau Ceti fliegt, um zu erkunden, warum die Astrophagen, die auch in der Nähe dieses Sterns geortet wurden, dort keinen Schaden anrichten. Liegt hier die Lösung für die Rettung der Erde?

Einsam fliegt Grace diese Einweg-Reise, um die Menschheit zu retten. Plötzlich fliegt ein riesiges Raumschiff parallel zur Hail Mary …

Meinung von

Hätte ich das gewusst, hätte ich das Buch Der Astronaut – Project Hail Mary von Andy Weir vorher gelesen. Das mache ich hin und wieder. Vor einer Buchverfilmung das Original lesen, um dann zu schauen, wie nah man am Buch geblieben ist. Das habe ich auch bei Andy Weirs erstem Roman, Der Marsianer, gemacht. Das Buch mochte ich und den Film ebenso. Schade.

Nun also "nur" den Film gesehen. Den Streifen gaben wir uns im Savoy. Ich war im Kino mit zwei absoluten SciFi-Hassern. Im Vorfeld musste ich mir sowas anhören wie Ich mag keine Astronautenfilme oder Wir wollen den gar nicht schauen, Du willst den sehen. Eines Vorweg: Mir damit ein schlechtes Gewissen machen zu wollen ... Fehlanzeige.

Die beiden Damen, die mich begleitet haben, waren am Ende sehr froh, den Film gesehen zu haben. Das war nicht das, was sie sich vorgestellt hatten. Was immer das auch gewesen sein mag. Ich war so gefesselt von dem Streifen, dass ich es nur aus dem Augenwinkel mitbekommen habe. Entweder hatte J. eine allergische Reaktion oder das ein und andere Tränchen im Auge. Der Film ist aber auch in weiten Teilen rührend schön.

Beim Anschauen des Films dachte ich noch Verdammt. Eine so gute, simple Geschichte. Sowas hätte mir mal einfallen sollen. Der Astronaut hat im Deutschen den Beititel Project Hail Mary — ein Begriff aus dem American Football, der eine verzweifelte, letzte Tat beschreibt. Wenn alle Hoffnung dahin ist, dann wird so ein ebenfalls hoffnungsloser Versuch gestartet. Die Reise von Grace ist eine "Ein Ticket, bitte"-Reise. Den Astronauten war es klar, dass sie nie wieder zur Erde zurückkehren würden. Ob sie Erfolg haben würden, war sehr ungewiss. Es hängt ja auch nur das Überleben der gesamten Menschheit davon ab ...

Der Streifen zeigt zum einen sehr eindrucksvoll, was es heißen muss, so weit von der Erde, mitten im dunklen Weltall zu fliegen. Welche psychische Belastung das sein muss. Grace ist deshalb um so froher, als ihm "Rocky" über den Weltraumweg fliegt. Da ist noch ein Astronaut, wie Grace auch, der die gleiche Mission hat und in der gleichen Klemme sitzt. Die "Stein-Spinne" stammt vom Planeten 40 Eridani, wo die Astrophagen ebenfalls die Sonne erkalten lassen. Rocky (James Ortiz) ist auch auf der Suche nach einer Rettung für seinen Planeten – und alleine.

Der Film hat sehr viel Humor, ist warmherzig und erzeugt einfach eine gute Stimmung. Das liegt unter anderem an der Musik von Daniel Pemberton. Die ist wunderbar gewählt und unterstreicht jede Szene hervorragend.

Ich musste beim Anschauen auch an den Optimismus von Steven Spielberg denken. Während in den 1950ern und folgend Außerirdische als Monster und Aggressoren dargestellt wurden, hat Spielberg u.a. mit Unheimliche Begegnung der Dritten Art und E.T. ein positives Bild von den Besuchern aus dem All gezeichnet. Neben den oben genannten Filmen erinnerte mich Der Astronaut auch an Arrival, wo es ebenfalls um den Erstkontakt und die Herausforderung der Kommunikation geht.

Der Astronaut - Project Hail Mary ist ein wahrer Wohlfühlfilm. Ich saß im Kinosaal, habe wie wild Zitate aufgeschrieben und irgendwann saß ich nur noch da und habe glücklich vor mich hingegrinst. Nicht umsonst hat der Film den "Truly Moving Picture Award" der Non-Profit-Organisation Heartland Film gewonnen. Filme, die bewegen und mehr sind als nur einfaches Popcorn-Kino, werden seit 2010 mit diesem Preis ausgezeichnet.

Das Regie-Duo Phil Lord und Christoph Miller haben aus der Buchvorlage eine schöne SciFi-Komödie gemacht. Die Jungs haben Erfahrung auf dem Metier (u.a. 21Jump Street, The Lego Movie und 22 Jump Street). Außerdem haben sie u.a. für Spider-Man: Across the Spider-Verse das Drehbuch geschrieben. Aufgrund des Erfolges, den Der Astronaut hat, dürfen die beiden Jungs nun auch Andy Weirs zweiten Roman, Artemis, verfilmen. Wir sind gespannt. Das Buch werden ich aber vorher lesen.

Tau Ceti, das Ziel von Grace, liegt 11,9 Lichtjahre von uns entfernt. Also haben die Menschen in Andy Weirs Buch die Reise mit Lichtgeschwindigkeit gemeistert. Ansonsten wäre Grace bei 18.000 km/h (Maximalgeschwindigkeit des Orion-Raumschiffs Artemis II) 713.506.050 Jahre nach Tau Ceti unterwegs. Dann hätte sein Bart viel länger sein müssen ... Die Geschichte ist eben Science-Fiction.

Ich las, dass Lord und Miller vor allem beim Ende den Turbogang eingelegt haben. Das Ende soll im Buch noch um einiges länger und um einige Facetten reicher sein. Eine weitere Änderung zur Buchvorlage soll wohl die Nationalität der ehemaligen ESA-Abgeordneten sein. Eva Stratt soll im Buch aus den Niederlande stammen, im Film ist sie Deutsche. Sandra Hüller sahen wir zuletzt in The Zone of Interest. Lustigerweise waren wir alle der Meinung, Sandra Hüller habe einen dänischen und keinen deutschen Akzent. Erst als Eva Stratt erwähnt, dass sie in einem ostdeutschen Gesangsverein war, dämmerte es uns.

Grace und sein Weltraumkumpel Rocky schauen in einer Szene u.a. Rocky. Als Grace es seinem Freund überlässt, eine Sonne zu benennen, schlägt der Adrien vor. Oh, wie oft ich im Büro Adriiieeeeennnn rufe ... Jetzt wissen die Kollegen, woher das kommt.