Filmplakat Tanz der Teufel
4/10

„Der ganze Wald lebt!“ (Tanz der Teufel, 1981)


Tanz der Teufel

Besprechung

Fünf Freunde wollen ein bisschen Urlaub machen und fahren gemeinsam zu einer kleinen Hütte, irgendwo im Nirgendwo in einem Wald gelegen. Scott (Richard DeManincor) meint noch, es sei eine günstige Absteige, aber was die Urlaubstruppe da erwartet, ist der Graus.

Ja, ein wenig heruntergekommen ist die Hütte schon, aber das ist nicht das Schlimme. Scott findet zusammen mit Kumpel Ash (Bruce Campbell) im Keller ein unheimliches Buch, das Buch der Toten. Es ist in Menschenhaut gebunden, mit Blut geschrieben und auf Sumerisch. Außerdem finden sie noch ein altes Tonbandgerät. Als sie das am Abend abspielen, sind weder Ashs Freundin Linda (Betsy Baker), noch Scotts Flamme Shelly (Theresa Tilly) davon begeistert. Es ist aber Cheryl (Ellen Sandweiss), die total ausrastet.

Später wird Cheryl von einem Geräusch in den Wald gelockt — und von diesem vergewaltigt. Sie will zurück in die Zivilisation, aber der Wald – oder besser das Böse, das hier haust – lässt die Freunde nicht mehr weg. Das Böse wurde durch eine Beschwörung auf dem Tonbandgerät heraufbeschworen, Dämonen nehmen von den jungen Leuten Besitz. Einer nach dem anderen wird zu einem blutrünstigen Monster. Ash versucht verzweifelt zu überleben.

Meinung von

Der Film kam 1981 heraus, in Deutschland kam er drei Jahre später in die Kinos und wurde gleichzeitig auf VHS veröffentlicht. Nicht lange danach landete der Film aufgrund seiner blutrünstigen Darstellung von Gewalt, den vielen abgetrennten Gliedmaßen etc. auf dem Index. Es war verboten, den Film zu besitzen! Über 30 Jahre hat es gedauert, dass Tanz der Teufel erneut evaluiert wurde. Ende 2016 wurde er dann vom Index genommen.

Sam Raimi ist schon ein kleiner, brillanter Kopf. Neben Tanz der Teufel, dem Folgefilm Tanz der Teufel 2 und dem dritten Teil Armee der Finsternis, hat der gute Mann auch Filme wie Spider-Man oder Darkman gedreht. Fürs Fernsehen hat er Xenia konzipiert, mischte aber auch bei Hercules mit, oder schrieb die Geschichte für Hudsucker. Also schon ein umtriebiger Bursche, der sich gerne im Fantastischen aufhält.

Mit Tanz der Teufel hat er seinen ersten großen Kinofilm abgeliefert, der Erfolg hatte. Viel Geld war nicht da, die Effekte sind zwar sehr blutig, aber auch – aus heutiger Sicht betrachtet – extrem schlecht. Die Handlung ist "okay", die schauspielerischen Leistungen sind jedoch ebenso grausam wie die Dialoge. Wenn die eigene Freundin von einem Dämon besessen ist, dann geht man nicht hin und feuert seinen Kumpel an, er möge sie doch endlich mit der Axt zerstückeln. Oder wenn die Freundin grotesk breit grinsend, auf dem Boden hockt und irre lacht, dann kümmert man sich um die. Nein, Ash ignoriert sie erst mal. Und wenn dein Kumpel von Dämonen angegriffen wurde, er blutüberströmt in die Hütte stolpert, ihm die Elle aus dem Unterarm ragt – dann schüttelst du ihn nicht und haust auch nicht auf ihn ein, um Informationen von ihm zu erhalten.

Wieso zum Teufel legen die Leute die Schlüssel oben auf den Türsims, nachdem sie die Hütte aufgeschlossen haben, alle reingegangen sind, von außen wieder abgeschlossen wurde, so dass die panische Cheryl erst einmal dort suchen muss, um wieder in die Hütte zu kommen? Kommt schon! Das sind Plotholes so groß wie die Schulden Amerikas. Also sehr groß.

Zwischendurch stellte ich mir auch noch die Frage, was das für ein seltsamer Vermieter ist, der die Hütte "für wenig Geld" vermietet? Das ist eine äußerst gefährliche Gegend, so mit dem Bösen drumherum und Dämonen. Tote wird es auch immer geben, wenn man das Teil vermietet. Also: Was ist das für ein Mensch? In Cabin in the Woods, der eine Hommage an alle Teeny-Hoororfilme, aber auch an Tanz der Teufel ist, hat wenigstens der Vetter einer der Hauptfiguren die Hütte gekauft. Das ist eine andere Nummer als vermieten.

Während ich im Kino saß und mir den Streifen anschaute, habe ich die erste Hälfte nur große Augen gemacht und mich selber gefragt, was ich da bloß mache. Wieso schaue ich mir so einen Müll an? Das ist ganz klar ein B-Movie. Aber so was von. Später wurde der Kram auf der Leinwand so schlecht, dass ich aufhörte immerzu WTF? WTF? zu rezitieren und habe mich der Situation hingegeben und nur noch gelacht. So mies ist der Streifen.

Abgetrennte Arme oder Köpfe? Okay, eine Portion Blut bitte und weil es etwas Besonderes sein soll – lassen wir auch noch Milch sprudeln. WTF? Dämonen, die sich langsam auflösen – Oh, mein Gott war das schlecht gemacht! Ich dachte, das wäre eine Filmstudentendarstellung – produzieren Hafenbrei? WTF?

Damals in den 1980ern waren die Tricks, die Masken und die gezeigte Gewalt bestimmt der Oberschocker. Keine Frage. Die gute Cheryl, die aschgraue Haut, verzottelte Haare, schwarze Zähne, Blut aus dem Mund tropfend und milchige Augen hat – wenn sie dort unten im Keller eingesperrt ist und die Klappe nur einen Spalt weit aufbekommt, dann immerzu Drohungen ins Wohnzimmer plärrt – das ist schon gruselig. Zudem ikonenhaft und die Filmgeschichte eingegangen. Aber heute gibt es Filme, die sind ab 16 und die zeigen mehr Gewalt und Blut als Sam Raimi In Tanz der Teufel. Das soll heißen: Bitte immer regelmäßig Film neu beurteilen. Ich meine, ein Terminator war auch ab 18. Schaut man sich den heute an, kann man nur mit dem Kopf schütteln, wieso der nicht ab 12 ist. Die FSK arbeitet eben langsam und der Zeit entsprechend. Damals war's Horror pur, heute nicht mehr richtig. Man muss aber auch sagen, dass die Filme heute alle brutaler sind, die Menschen jedoch schon dran gewöhnt. Was irgendwie traurig stimmt ...

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