Filmplakat Dune

9/10

"Sie sehen, was sie gelehrt wurden zu sehen." — Dune, 2021

Dune

Besprechung

Achtzig Jahre haben die Harkonnen den Wüstenplaneten Arrakis ausgebeutet. Sie haben im Namen des Imperators das Spice abgebaut, das interstellares Reisen ermöglicht. Der Imperator hat die Harkonnen abziehen lassen und stattdessen Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) als Verwalter eingesetzt. Der weiß sehr wohl, dass es sich hierbei um ein politisches Machtspiel, wenn nicht gar einer Unterwerfung handelt. Atreides hat neben seiner Gefolgschaft und seiner Geliebten, Lady Jessica (Rebecca Ferguson), auch seinen Sohn Paul (Timothée Chalamet) mit auf den heißen Sandball mitgenommen.

Paul haben seit einiger Zeit Träume heimgesucht, die irgendwas mit dem Planeten zu tun haben. In seinen Träumen sieht er auch eine junge einheimisches Frau (Zendaya). Vor der Abreise nach Arrakis muss Paul lernen, dass seine Mutter, Lady Jessica, die eine Ordensschwester der Bene Gesserit ist, eigentlich nicht ihn hat gebären sollen. Die Bene Gesserit haben seit tausenden Jahren die Blutlinien im Weltall gekreuzt, um irgendwann einen heiligen Krieger zu haben. Wie es scheint, könnte das Paul sein – was der nicht sein will. Aber der Ruf des Planeten ist stark.

Auf Arrakis angelangt, wird nicht nur ein Anschlag auf Paul verübt – dem er entgehen kann. Auf Giedi Prime setzt Baron Vladimir Harkonnen (Stellan Skarsgård) alle Hebel in Gang, das Haus der Atreides zu zerstören. Dazu hat er – mit Erlaubnis des Imperators – eine Heerschar der überaus gefährlichen Sardaukar gekauft, die das Anwesen und die Spice-Anlagen zerstören. Paul und Lady Jessica fliehen in die Wüste, die nicht nur brennend heiß und dadurch schon gefährlich ist. In der Wüste leben auch die riesigen Sandwürmer.

Meinung von

Endlich wieder Kino. Endlich wieder ein SciFi-Film. Ich mochte Denis Villeneuves Arrival sehr gerne und auch – muss ich zähneknirschend zugeben – Blade Runner 2049 hat gefallen. Regisseur Villeneuve wollte schon immer die Geschichte aus der Feder des amerikanischen Autors Frank Herbert verfilmen. Tatsächlich soll er bewusst erst die beiden oben genannten Filme gedreht haben, um sich dem Thema Science Fiction vernünftig anzunähern. Er hat sein Handwerk gelernt, verfeinert und eine prächtige Weltraumsaga auf die Leinwand gebracht.

Ich habe es immer noch nicht geschafft, die Bücher von Herbert zu lesen. Ich habe bis heute nur die David Lynch-Verfilmung Der Wüstenplanet gesehen. Der hat sich auch ins Hirn gebrannt und beim Schauen von Dune habe ich versucht Parallelen herzustellen. Ich habe auch ständig auf die Schwester von Paul gewartet, die in Der Wüstenplanet ein mieses Biest war. Aber: Dune ist der erste von zwei Teilen. Die Schwester ist im ersten Teil noch nicht geboren. Wusste ich bis zum Anfang des Filmes nicht, dass es sich hierbei um einen Zweiteiler handelt. Villeneuve wollte aber der Buchvorlage und den epischen Handlungen gerecht werden und die Geschichte nicht klein zerhackstückeln.

Die Geschichte ist die eines Messias (Paul), der in die Wüste geht um ein Volk zu befreien (die Fremen). Hm, kommt mir bekannt vor. Nicht nur hat das starke christliche Anspielungen, Dune war auch "geistiger Vater" für die Star Wars-Saga. Ja, George Lucas hat geklaut, wo er nur konnte ... Man merkt dem Film an, dass Herbert sich bei den Fremen stark an arabischen Wüstenvölker orientiert hat. Villeneuve blieb auch hier der Vorlage also treu.

Dune hat wunderbare Bilder, wie alle Villeneuve-Filme. Ich vermute, dass viel mit echten Requisiten gearbeitet wurde, die Computer-Effekte sind eine wohl gelungene Ergänzung. Gedreht wurde in Jordanien und Abu Dhabi – für die Wüstenszenen. Für den Wasserplaneten Caladan, dem Heimatplaneten von Paul, hat man in Norwegen gefilmt. Die gezeigten Gebäude sind riesig, massig und haben doch viele kleine Details, die das Auge ablenken und das Bild interessant machen. Die Bilder: Top!

Auch die Schauspieler sind alle gut geführt. Als ich Fotos vom Film sah und dort Timothée Chalamet (Lady Bird, Feinde) als Hauptfigur, konnte ich mir den jungen Schauspieler nicht in der Rolle vorstellen. Er ist zu weich und zart. Aber ich muss sagen, er füllt die Figur in Dune sehr gut aus. Auch Rebecca Fergusson spielt prächtig. Ihre Figur ist im ständigen Wandel zwischen Angst und der überwundenen Angst, die in Härte umschwenkt. Sie ist keine Hau-Drauf-Agentin wie in Mission: Impossible – Rogue Nation, sondern ein vielschichtiger Charakter.

Villeneuve streut immer wieder zwischendurch die Visionen von Paul ein. Das sind Bildbrüche, die den Handlungsfluss unterbrechen. Das mag nicht Jedermanns Ding sein. Muss man sich dran gewöhnen. Kann man sich dran gewöhnen.

Etwas über zweieinhalb Stunden vergehen wie im Fluge und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Ich denke, das wird ein großes, rundes Ding, das uns Villeneuve da am Ende abliefern wird. Ich habe die bunten, verrückten Bilder von David Lynch im Kopf und denke, da wird im zweiten Teil von Dune noch einiges Tolles auf uns zukommen.

Übrigens hat Hans Zimmer, der den Soundtrack zum Film lieferte, den Job so dringend haben wollen, dass er sogar Christopher Nolan einen Laufpass hat geben sollen. Deswegen haben wir bei Tenet keinen Zimmer-Soundtrack. Faszinierend. Und: Ich habe Javier Bardem nicht erkannt.

Apropos Kino: Ich las, dass Warner den Film zeitgleich im Bezahlfernsehen verramschen wollte. Das fand Villeneuve nicht so lustig. Nicht nur, dass er dadurch weniger Einnahmen hat, der Film ist für die Silberleinwand gemacht – nicht für das "Heimkino". Also: Schaut ihn Euch im Kino an! Impfen lassen und Ihr könnt auch wieder ins Kino gehen.