Filmplakat Captain Marvel
6/10

„Die diagonal geschnittenen Toasts krieg' ich nicht runter.“ (Captain Marvel, 2019)


Captain Marvel

Besprechung

Vers (Brie Larson) ist eine Kree, die auf dem Planeten Hala lebt und trainiert. Die Kree sind seit vielen, vielen Jahren mit den formwandelnden Skrull im Krieg. Vers wird von ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) ausgebildet. Die junge Kree-Kriegerin hat ein Problem: sie erinnert sich nicht an ihre Vergangenheit.

Bei einer Rettungsmission auf dem Planeten Torfa wird Vers von ihrer Gruppe getrennt und findet sich auf einem Skrull-Schiff wieder. Die Aliens wollen an die Erinnerungen von Vers. Dabei kommen seltsame Bilder zutage. Bilder einer Vergangenheit, an die sich Vers nicht erinnern kann. Sie kann fliehen und macht, wie einige Skrull auch, eine Bruchlandung auf dem Planeten C-53 – man nannte ihn auch die Erde. Wir schreiben das Jahr 1995.

Der noch junge SHIELD-Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson) soll den Fall mit der Frau, die vom Himmel fiel, untersuchen. Vers, die Fury haushoch überlegen ist, nutzt die Verbindungen des Agenten, um Informationen über eine gewisse Dr. Wendy Lawson (Annette Bening) zu erhalten. Diese Frau hat irgendwas mit Vers‘ Vergangenheit zu tun. Diese kommt immer mehr zurück. Wie es scheint, ist Vers in Wirklichkeit die Testpilotin Carol Danvers – von der Erde. Alles, was Carol bisher wusste, wird in Frage gestellt.

Meinung von

Nett. Aber entweder ist Captain Marvel wirklich nicht mehr als nur nett oder ich bin zu satt von Marvel-Filmen. Das hatte sich schon vor Black Panther abgezeichnet. Der Film konnte jedoch überraschend begeistern. Captain Marvel zeigt uns eine gesichtslose Heldin, zu der kaum eine Verbindung aufgebaut werden kann. Das mag an ihrem Gedächtnisverlust liegen. Aber auch Menschen ohne Erinnerung können begeistern und fesseln, siehe Die 27. Etage.

Wir sehen zunächst viel CGI-Weltraum, eine wilde Schlacht auf Torfa, die mehr oder wenig im Nebel stattfindet. Das Vorgeplänkel dauert ziemlich lang. Erst wenn Carol auf der Erde landet und auf den computerverjüngten Fury stößt, wird der Film interessanter. Wobei Fury ein ziemlich anderer Fury ist, als der, den wir aus den späteren (also früheren) Marvel-Filmen kennen. Dieser junge Fury ist zugänglicher, lustiger – albernder.

Captain Marvel ist im Grunde ein albernder Streifen. Das hängt vor allem mit dem Charakter des Nick Fury zusammen. Brie Larson füllt die Rolle der Heldin kaum aus. Zwar gibt es einige Lacher, auch einige nette Dinge wie eine nicht so heroische Haarsträhne, die erst einmal aus dem Gesicht geblasen werden will. Der 21. Film aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) kann nicht so recht überzeugen. Lustig sein ist etwas Feines, aber Captain Marvel überspitzt das. Die humoristische Überspitzung ist bei Guardians of the Galaxy besser gelungen.

Was an dem Film schön ist, dass sind die vielen Referenzen an die Vergangenheit. Blockbuster und Radio Shack sind US-amerikanische Unternehmen, die es nicht mehr gibt. Schön auch die Szene mit dem Windows 95-Rechner. Das Laden von einer Sounddatei dauerte damals eben ewig lange. Können sich die Kids heute gar nicht mehr vorstellen. Die wissen sicher auch nicht, was AltaVista war. Dafür mochte ich den Film.

Wer sich das MCU angeschaut hat, wird feststellen, dass es keine Superheldinnen gibt. Black Widow ist eine exzellente Nahkämpferin und kann super mit Waffen umgehen. Eine Scarlet Witch ist zwar mächtig, spielt aber nur eine Nebenrolle. Captain Marvel, eine der mächtigsten Helden aus dem Marvel Universum, hätte diese Superheldin werden können. Ist sie aber nicht. Wonder Woman ist eine weit aus bessere Heldin als Carol Danvers. Carol zeigt uns nur, dass man nie aufgeben soll. Das hatten wir aber alles schon im Superschnitt im Trailer gesehen und damit war das alles nur noch fade.

Schön war hingegen der Anfang, wenn der Marvel-Schriftzug reinfährt. Bisher waren auf den dreidimensionalen Buchstaben immer Szenen von Marvel-Helden zu sehen. Bei Captain Marvel wird diesmal an den verstorbenen Stan Lee erinnert. All seine Cameoauftritte sind zu sehen. Das war schön. – Wer genau aufpasst, wird Stan Lee auch in diesem Film sehen und zwar wie er für seinen Auftritt bei Mallrats übt. Sehr schön!


Das meiste an "Geschichte", was Captain Marvel uns zu bieten hat, sind die Skrull. Eingeführt als Bösewichte, müssen wir erfahren, dass sie lediglich Nomaden sind, ein versprengtes Volk, das von den Kree gejagt wird. Als Bösewicht vorgeprägt ist Ben Mendelsohn (Orson Krennic in Rogue One oder Sorrento in Ready Player One). In Captain Marvel spielt er den Anführer der Skrull, Talos. Doch die Skrull sind die Opfer!

Die Figur der Dr. Wendy Lawson sollte eigentlich zuvor ein Mann sein, bis man diese umschrieb. Bevor Carol Danvers in den Comics den Namen Captain Marvel tragen durfte, trug diesen ein Kree namens Mar-Vell, der auf der Erde "gestrandet" war und diese verteidigte. Sein Alter Ego war ein gewisser Walter Lawson. Walter und Wendy haben vieles gemeinsam.

Neben einigen Lachern war ich hoch erfreut, dass endlich jemand das aufgegriffen hat, was ich seit Jahren predige: Katzen sind Aliens! Und in dem Fall von Weltraumkatze Goose eine sehr gefräßige. So gefräßig, dass sie wie Hannibal Lecter aus Das Schweigen der Lämmer behandelt wird.

Ich habe weder im Comic, noch im Film verstanden, wieso nur bei Vers die Haare wie ein Mohawk aus dem Raumanzug rausgucken. Wieso und wie? Wenigstens erfahren wir, wie Fury dazu kam, sein Auge zu verlieren. ;-)

Captain Marvel ist ziemlich mau und man kann nur hoffen, dass die Marvels a) die Kurve bekommen oder b) endlich mal Schluss machen mit dem MCU.

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