Filmplakat Star Wars: Rogue One
8,5/10

„You're confusing peace with terror.“ (Star Wars: Rogue One, 2016)


Star Wars: Rogue One

Besprechung

Es geht das Gerücht um, dass das Imperium eine tödliche, unbesiegbare Waffe geschaffen hat. Ob das stimmt und wenn, worum es sich dabei handelt, weiß man nicht. Die junge Kriminelle Jyn Erso (Felicity Jones) wird von einer Gruppe Rebellen unter der Anleitung von Cassian Andor (Diego Luna) befreit. Sie wird ins Hauptlager der Rebellen gebracht, wo man sie verhört. Ihr Vater, Galen Erso (Mads Mikkelsen), soll der Architekt dieser Waffe sein. Über Jyn wollen die Rebellen an Galen rankommen – um sich für seinen Verrat zu rächen und um an die Pläne für die Waffe zu gelangen.

Cassian macht sich mit Jyn auf den Weg nach Jedah, wo die letzte Hochburg der mittlerweile ausgestorbenen Yedi ist. Der ehemalige Rebell Saw Gerrera (Forest Whitaker) soll einen Piloten festgenommen haben, der eine Nachricht von Galen hat. Jyn sieht die Hologramm-Nachricht ihres Vaters. Er hat die Rebellen nicht verraten, er hat eine Macke in den Tiefen des Todessterns hineindesignt. Darüber kann man die monströse Waffe zerstören.

Direktor Orson Krennic (Ben Mendelsohn), der vor 15 Jahren die Erso-Familie getrennt hat, steht derweil unter Druck. Der Imperator – in diesem Fall in Form von Governor Tarkin (Guy Henry) – will Ergebnisse sehen. Krennic muss eine Kostprobe der Macht des Todessterns geben – was nicht gut endet für Jedah …

Jyn und Cassian können mit den letzten Wächtern des Yedi-Tempels Chirrit Îmre (Donnie Yen) und seinem schießwütigen Kumpel Baze Malbus (Wen Jiang) sowie dem Piloten Bodhi Rook (Riz Ahmed) fliehen. Jyn will ihren Vater finden und die Rebellion zum Sieg führen.

Meinung von

Die Geldmaschine wurde im Hause Disney kräftig angekurbelt. Um die Zeit zwischen der Star Wars-Saga Das Erwachen der Macht und seinem Nachfolger zu überbrücken, hat man mit Rouge One den ersten Film aus der Star Wars-Mythologie abgedreht, der zwar "in dem Universum" spielt, aber nicht unmittelbar mit der lieb gewonnenen Saga zu tun hat. Nun kann man skeptisch sein oder nicht. Ich ging jedenfalls mit großer Vorfreude in den Streifen, hatte aber im hintersten Winkel meines Hinterkopf doch noch Zweifel. Diese sollten verstreut werden.

Rogue One spielt zwischen Die Rache der Sith, also dem letzten Teil der Trilogie, die man sich hätte sparen können, und dem ersten echten Teil, Krieg der Sterne. Um nicht zu sagen, direkt vor Krieg der Sterne, oder wie er ja auch heißt: Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung. Hoffnung ist nämlich so ein Ding. Die gibt es zu Zeiten von Rogue One nicht. Erst hin zum Ende wird durch die Taten von Jyn und Cassian Hoffnung in die Herzen der Rebellen gebracht. Der Todesstern ist nämlich real. Die Pläne zur Zerstörung des Killer-Planeten müssen in die Hände der Rebellen fallen!

Die Geschichte, die uns Godzilla-Regisseur Gareth Edwards präsentiert, ist einfach und direkt. Kein Schnörkel, keine großen Überraschungen. Bis auf das Ende … Felicity Jones’ Charakter ist tough und unbeugsam. Als kleines Kind hat sie mit ansehen müssen, wie ihre Mutter hingerichtet und ihr Vater verschleppt wurde. Saw Gerrera war ein Freund von Jyns Vater und nahm sie auf, kümmerte sich um sie, bildete sie aus. Sie lässt sich von niemandem etwas sagen und weiß sich ihren Weg freizukämpfen. Dennoch ist sie eine liebende und verletzte Tochter. Leider schafft Jones es nicht immer, dem Charakter Leben einzuhauchen. Jyn bleibt oft blass – nicht immer – aber oft. Dennoch hat sie etwas an sich, dass man sich auf eine Fortsetzung freut ...

Rogue One zieht den Zuschauer in sich hinein. Man schaut ihn und es passiert das, was ein guter Film, eine gute Geschichte machen sollte – man vergisst die Welt um sich herum, taucht in diese fremde und für uns doch so bekannte Welt ein. Edwards war es wichtig, möglichst viel auf CGI zu verzichten. Zum Glück kommen die Regisseure und die Filmstudios wieder zur Besinnung und zeigen echte Dinge, die in die Luft gehen, Dinge, mit denen die Schauspieler interagieren können. Das macht Filmspaß greifbarer.

Ich war so sehr in dem Film drin, dass ich ganz vergaß, wann die Geschichte in der Star Wars-Chronologie angesiedelt ist. Ich freute mich nur darüber, wie sehr sich doch Rogue One an Star Wars orientierte: was die Bekleidung betrifft oder die Tatsache, dass so viele Männer Schnauzbärte tragen. Auch wurden die Computergrafiken im Film, also z.B. die Pläne des Todessterns, genau so gehalten, wie im Original Star Wars. Danke! Übrigens: In Krieg der Sterne gab es bei dem Angriff auf den Todesstern auch weibliche Piloten. Die wurden jedoch damals alle rausgeschnitten. Nicht so bei Rogue One. Hier hat die Gleichberechtigung eingesetzt und wir sehen nicht nur Frauen die X-Wing-Fighters fliegen, sondern auch ältere Männer und Frauen, die für die Freiheit kämpfen. Gut so.

Wie bei jedem Star Wars-Film, braucht es neben der Geschichte auch einen komischen Part. Der wird bei Rogue One eingenommen vom Ex-Sicherheitsdroiden K-2SO (Alan Tudyk). Tudyks Charakter hat einen herrlich trockenen Humor. Dabei ist er nicht zu aufdringlich.

Was ich nicht verstanden habe: Wenn Rogue One genau vor Star Wars spielt, wo wir bekanntlich nur die knubbelig-helmigen Sturmtruppen haben, wieso sind dann in Rogue One schwarze Sturmtruppen mit schlanken Helmen und zudem noch Wüsten-Sturmtruppen in Beige vorhanden? Naja. Aber wenigstens ist auch Darth Vader vorhanden. Im Original wie immer von James Earl Jones gesprochen. Vaders letzter Auftritt kurz vor Ende: Der Wahnsinn! Da ist mir im Kinosaal doch glatt ein lautes Ach, Du Scheiße entfleucht.

Erinnert sich noch jemand an den schlechten Star Wars. Episode II – Angriff der Klonkrieger? Diese durchpolierte Hochglanz-Raumschiffe, die sich in einer CGI-Schlacht bekämpfen? Diese Raumschlacht war lahm und unspektakulär. Gen Ende von Rogue One gibt es auch eine Raumschlacht — und die ist mal richtig großartig! Spannend, optisch grandios umgesetzt, da kam keine Langweile auf.

Rogue One fühlt sich – im Gegensatz zu Episode I bis III – nicht wie ein Film an, dem man noch extra irgendwelche kindlichen oder kindischen Charaktere verpasste, nur um damit Geld zu machen — namentlich mit Kindern. Diese eklige Merchandising-Maschinerie von Mr. George Lucas ist hier nicht vorhanden. Welch ein Segen.

Ab hier Spoiler

Computertechnik sei Dank, werden für Rogue One auch bekannte Gesichter wieder zum Leben erweckt. Grand Moff Tarkin hat in Star Wars die Zügel an Bord des Todessterns in den Händen gehabt. Damals spielte ihn Peter Cushing. Der Hammer Production-Star ist jedoch 1984 verstorben. Nur spielt Tarkin in Rogue One eine wichtige Rolle, übersteht er doch Direktor Orson Krennic und macht dem das Leben schwer. Was macht man? Man lässt jemanden den Charakter spielen und "übermalt" am Computer dessen Gesichtszüge mit denen von Peter Cushing. Das ist gut gelungen – aber bei weitem nicht perfekt. Man fühlt sich an ein Computerspiel erinnert. Selbes Spiel mit der jungen Prinzessin Leia. Nun ist Carrie Fisher noch nicht tot, aber auch nicht mehr die jüngste. Also wird sie von einer jungen Schauspielerin dargestellt und Freund Computer malt.

Okay, lasst uns nun über den Tod reden. Als Chirrit Îmre und Baze Malbus das Zeitliche segneten, dachte ich noch Oh, schade. Aber auch nicht so schlimm. Zwei Nebencharaktere, die nicht mehr da sind. Okay. Dann ließ Edwards den ans Herz gewachsene K-2SO in den Androiden-Himmel einziehen. Das war gemein. In dem Moment fragte ich mich noch Ja, bin ich hier in einem Joss Whedon-Film, oder was? Mr. Whedon hat bekanntlich die Angewohnheit, lieb gewonnene Charaktere einfach so zu töten (siehe Serenity). Doch Edwards und seine Schreiber John Knoll sowie Gary Whitta gehen weiter ...

Die Hauptcharaktere? Echt jetzt? Der Todesstern feuert einen Schuss auf den Planeten Scarif ab, wo Jyn es tatsächlich geschafft hat, die Pläne für den Todesstern zu stehlen und an die Rebellen zu übermitteln. Dann rollt eine riesige Explosion/Tsunami-Welle auf den Strand von Scarif zu, an dem Jyn und Cassian sich umarmen. Was zum Teufel!?!?!? Ich wollte doch mehr von Felicity Jones … äh … Jyn Erso sehen! Wie könnt ihr da die Hauptfiguren töten?

Ein Schock. Aber eine richtige Entscheidung. Jyn und Co. sterben einen Heldentod. Und wurde nicht bereits 1977 in Star Wars erwähnt, dass die Pläne unter großen Opfern in die Hände der Rebellen gefallen sind? Von daher ist Rogue One, so überraschend und im ersten Moment auch enttäuschend das Ende ist, eine erstklassige Vorgeschichte zum geliebte Star Wars. Seht gut gemacht. So ein Ende hallt noch lange im Herzen des Kinogängers nach.

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