Filmplakat Tragedy Girls
8/10

„People text all the time.“ (Tragedy Girls, 2017)


Tragedy Girls

Besprechung

Rosedale ist eine kleine, verträumte Stadt. Hier passiert normalerweise nicht viel. Doch seit einiger Zeit geht ein brutaler Mörder um. Sadie (Brianna Hildebrand) und McKayla (Alexandra Shipp) sind beste Freundinnen an der hiesigen High School und ganz normale Teenager. Sie sind stets besorgt um ihr Ansehen. Zusammen betreiben sie einen Blog, eine Tumblr-Seite und einen Twitter-Account unter dem Namen “Tragedy Girls” – Betonung auf dem Plural. Oh, sie stehen außerdem aufs Morden. Deshalb überrumpeln sie den Macheten-Mörder Lowell (Kevin Durand), um von ihm zu lernen. Lowell ist nicht richtig kooperativ.

Also bleibt Sadie und McKayla nichts anderes übrig, als selber die Leute aus dem Weg zu räumen, die nerven oder irgendwie stören. Dabei achten sie penibel darauf, dass die Morde nicht wie Unfälle aussehen. Über ihre Social Media-Kanäle greifen sie den Sheriff der Stadt, Blane Welch (Timothy V. Murphy), an. Der soll endlich mal den Hintern hoch kriegen und Jagd auf “den Mörder” machen. Denn nur so kommt Follower-Power zustande, wenn die Tragedy Girls richtig liegen mit ihrer “Vermutung”, dass ein Mörder sein Unwesen treibt. Der Sheriff ist öffentlich anderer Meinung.

Meinung von

Mein Abschlussfilm auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest war ein guter Ausklang. Tragedy Girls vereint viele Genre in sich. Da ist zum einen natürlich die Highschool-Komödie. Dann ein wenig Slasher-Film und Kritik am Umgang mit Social Media gibt es gratis dazu. Hildebrand und Shipp spielen die süßen Schulmädchen, die liebevoll zu den Eltern sind und denen Ruhm alles ist. Dass z.B. McKaylas Ex-Freund Toby (Josh Hutcherson) mehr Follower hat als die beiden Tragedy Girls, bekommt ihm gar nicht gut. Diese Schülerinnen sind extrem blutrünstig, dabei hat Regisseur und Mit-Autor Tyler MacIntyre die beiden noch so nett und chaotisch gezeichnet, dass man sie einfach gerne haben muss. Auch wenn sie Massenmörderinnen sind.

In der anschließenden Q&A erklärte MacIntyre Tragedy Girls zu einem Gateway-Movie, einem wegbereitenden Film für diejenigen, die es nicht so mit Horrorfilmen haben. Aber wenn sie diesen Weg beschreiten, könnten sie am Ende Slasher-Filme mögen. WTF? Aber irgendwie hat er ja Recht. Tragedy Girls ist 90 Minuten beschwingte Unterhaltung mit zwei charismatischen Freundinnen, die nebenbei halt ein blutiges Hobby haben. Hey, mancher sammelt Bierdeckel. Ist auch nicht anders. Der Film ist eine schöne Komödie mit skurrilen Todesfällen. Da johlte im Savoy so mancher laut auf, als Big Al (Craig Robinson) das Zeitliche segnete. Ich eingeschlossen.

Neben dem Morden ist der Film, wie schon erwähnt, auch eine klitzekleine Kritik an den Social Medien und unserem Umgang damit. Dass Kinder und Jugendliche extrem anfällig sind, dass sie dem schnellen Ruhm hinterher hecheln und dafür alles machen würden, ist bekannt und wird hier auch noch einmal überspitzt aufgegriffen. Sadie und McKayla können nicht ohne ihre Mobiltelefone und die Plattformen, die sich damit beschicken. Das ist leider nicht Satire, was wir hier sehen, sondern bittere Realität. Aber schön, dass es noch einmal thematisiert wird. Mein Lieblingszitat dazu kommt von der Reporterin Trist (Marycarmen Lopez), die meint Real journalism is based on facts, not hashtags. Sehr schön gesagt.

MacIntyre wurde gefragt, wie er die beiden Hauptdarstellerinnen gefunden habe. Immerhin ist Tragedy Girls nicht der typische Film, in dem sich eine junge Schauspielerin präsentieren möchte. Dazu meinte er, ihm sei es wichtig gewesen, Schauspielerinnen zu finden, bei denen die Chemie passt. Die müssten auf der Leinwand das Bild von "Beste Freundinnen" leben und überzeugend rüber bringen. Beide Frauen haben etwas gemein: Sie haben beide in Marvel-Filmen mitgespielt, was wohl bei der Herstellung eines Bundes geholfen hätte, so MacIntyre weiter. Brianna Hildebrand war die muffelige Negasonic Teenage Warhead in Deadpool und Alexandra Shipp hat die junge Mutantin Storm in X-Men: Apocalypse gespielt. Die Chemie stimmt.

Die Nebenrollen sind ebenfalls klasse besetzt: Der hünenhafte Kevin Durand (z.B. X-Men Origins: Wolverine, Legion, Robin Hood) ist ein wahnsinnig guter Massenmörder mit irrem Blick. MacIntyre meinte, es habe noch mehr Szenen mit Durand gegeben, die sind aber alle rausgeflogen, weil der Fokus auf den beiden Mädchen liegen sollte nicht beim üblichen Slasher-Mörder. Josh Hutcherson (u.a. Tribute von Panem-Trilogie) spielt eine Parodie auf den brütenden, schmollmundigen, pseudo-philosophischen jungen Mann auf dem Motorrad. So zart und verständnisvoll wie er seinen Toby spielt, kann man nur sagen: Selber Schuld! Als potenzieller Freund von Sadie wirft MacIntyre Jack Quaid, Sohn von Dennis Quaid und Meg Ryan, ins Rennen. Er ist nett, sympathisch, aber auch langweilig. Die Rolle hat der Regisseur seinem Freund Quaid bewusst angedreht.

Das Publikum hat sich bei Tragedy Girls bestens unterhalten, das hat man gemerkt, das habe ich ja auch gemacht. Es gibt nicht 90 Minuten Adrenalin pur, an manchen Stellen dreht der Film sehr runter, aber das ist okay.

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