Filmplakat Die Tribute von Panem – The Hunger Games
7/10

„Wozu brauchen wir einen Sieger?“ (Die Tribute von Panem – The Hunger Games, 2012)


Die Tribute von Panem – The Hunger Games

Besprechung

Wo einst die USA waren, ist nun Panem. Dieses Land besteht aus dem Kapitol und zwölf Distrikten. Um den Unruhen zu gedenken, bei denen sich vor vielen Jahren die Distrikte gegen das Kapitol aufgelehnt und zur Vernichtung des 13. Distrikts geführt hatten, finden alljährlich die Hunger-Spiele statt. Jeder Distrikt muss eine junge Frau und einen jungen Mann entsenden. Diese so genannten Tribute müssen dann gegeneinander kämpfen, bis einer übrig bleibt. Das Ganze ist ein wahnsinniges TV-Spektakel.

Zu den 74. Hunger-Spielen meldet sich Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) freiwillig als Ersatz für ihre ausgeloste Schwester (Willow Shields). Als männlicher Vertreter für Distrikt 12 muss Peeta Mellark (Josh Hutcherson) ins Kapitol fahren und um sein Leben kämpfen.

Im Kapitol angekommen, wird den beiden Tributen ein Mentor zur Seite gestellt. Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) hatte einst ein Hunger-Spiel überlebt. Nun hängt er an der Flasche und ist Katniss und Peeta erst einmal keine große Hilfe. Sein wichtigster Tipp lautet dann aber doch: Man muss sich beliebt machen bei Sponsoren, diese können einen während der Spiele mit Hilfsmitteln versorgen.

Katniss ist eine sehr spröde und abweisende junge Frau. Doch um zu überleben muss sie diesen Zirkus irgendwie mitspielen.

Meinung von

Nein, ich habe die Bücher von Suzanne Collins nicht gelesen. Somit weiß ich auch nicht, wie gut sich Regisseur Gary Ross an die Vorlage hält. Schaut man sich an, wie lange der Film dauert (142 Minuten), muss es sehr nah sein.

Die Tribute von Panem sind nicht uninteressant. Zum einen haben wir Kritik an einem totalitären Zwei-Klassen-System. Dann wird das bekannte Thema der altrömischen "Brot und Spiele" aufgegriffen, um es mit der "Spaß-Industrie" des Fernsehens zu vermengen. Hier kommen also viele Spannungspunkte auf — thematisch, nicht unbedingt cineastisch. Die Tribute von Panem hat doch einige Längen und lässt ein ums andere Mal das Tempo missen. Halbe Stunde kürzer wäre durchaus drin gewesen.

Es gibt Stimmen, die Die Tribute von Panem mit z.B. The Running Man vergleichen. In diesem 80er-Jahre-Streifen wird die Thematik mit den kranken Spielen ums Leben eines Menschen zur Belustigung einer oberen Schicht auch schon aufgegriffen. Die Filme kann man aber nicht wirklich vergleichen. The Running Man hat mehr Action. Die Tribute von Panem hat nur wenige wirklich spannende Momente. Er fließt dahin und man wird langsam von der Geschichte und den Charakteren eingenommen.

Besonders gut gefallen hat mir Jennifer Lawrence, die schon in Winter's Bone eine hervorragende Darstellung bot. Als Katniss kann sie Angst, Verzweiflung und Anspannung rüberbringen. Das Spiel mit Peeta wird ebenfalls deutlich. Eigentlich liebt sie ja Gale Hawthorne (Liam Hemsworth), aber Abernathy verkauft Katniss und Peeta als Liebespaar — u.a. Peeta wirklich Gefühle für Katniss hat. Das ist die Herz-Schmerz-Kiste für die pubertierenden Mädchen. Muss man drüber hinwegschauen.

Neben Jennifer Lawrence gefallen Stanley Tucci (der spielt auch in jedem zweiten Film mit) als blauhaariger Show-Master Caesar Flickerman und Wes Bentley als Herr der Spiele, Seneca Crane, der hier eigentlich nur durch seinen filigranen Bartwuchs begeistert. Bentley kennen wir aus American Beauty.

Wen ich im ersten Moment absolut grausam fand, das ist Elizabeth Banks, die Katniss' und Peetas Betreuerin Effie Trinket spielt. Nicht wegen ihrer Schauspielkunst hat mich Banks abgeschreckt, sondern wegen ihres grausamen Make-Ups. Überhaupt sind die Leute aus dem Kapitol alle schrecklich gekleidet und gestylt. Aber das sollte wohl so sein.

Dicker Negativpunkt für Die Tribute von Panem ist die ständig verwackelte Kameraführung. Da wird einem nur schlecht bei. Als Ungereimtheit fielen mir die Wolfskreaturen (Muttations) auf, die am Ende von Seneca Crane auf die letzten Überlebenden losgelassen werden. Im Buch sind es wohl genetisch veränderte Wesen, die u.a. aus den Verstorbenen aus dem Spiel entstehen. Im Film scheinen sie wie Hologramme, die aus dem Boden auftauchen. Und plötzlich können sie richtig zubeißen und gefährlich sein. Naja ...

Also zusammengefasst: Gute, interessante, wenn auch nicht hoch aktuelle Geschichte. Die Kameraführung ist scheiße, der Film misst Tempo und "Seele". Gerne könnte er — der Erzählgeschwindigkeit zu liebe — etwas kürzer sein. Das Ende verspricht ganz klar eine Fortsetzung.

hoch