Besprechung
Centerville ist eine kleine, verschlafene Stadt, irgendwo in Amerika. Knapp 800 Seelen zählt das Kaff. Hier sorgen Chief Cliff Robertson (Bill Murray) und sein Gehilfe Officer Ronnie Peterson (Adam Driver) für Ordnung. Unterstützt werden sie von Officer Mindy Morrison (Chloë Sevigny). Während sie mal wieder Streife fahren, fällt Cliff auf, dass irgendwas anders ist. Der Funk ist gestört, es gibt kein Mobilfunkempfang und wieso ist es um 20 Uhr noch so hell, wie am Nachmittag? Es müsste doch schon dunkel sein. Ronnie weist darauf hin, dass das alles ein böses Ende nehmen wird.
Liegt es am Fracking, das an den Polen stattfindet? Die Industrie sagt Nein, aber die Wissenschaft weiß, dass sich die Erdachse verschoben hat. Der Mond schaut in jüngster Zeit auch recht seltsam aus.
Als Cliff und Ronnie zum hiesigen Diner gerufen werden, finden sie zwei Leichen, grausam entstellt, halb aufgefressen. Wer macht sowas nur? War es ein Tier? Waren es mehrere Tiere? Ronnie ist sich sicher, das waren Zombies. Cliff und Ronnie machen weiter Patrouille, während sich der Baumarktbesitzer Hank Thompson (Danny Glover) und der Kioskbesitzer Bobby Wiggins (Caleb Landry Jones) im Baumakt verschanzen, wo sie von Zombies belagert werden. Wer das alles gelassen sieht, das ist die neue, etwas seltsam anmutende Leichenbestatterin, Zelda Winston (Tilda Swinton). Die kommt wohl aus Schottland, bei dem seltsamen Akzent …
Meinung von Nils
Als ich den Trailer sah, wollte ich den Film unbedingt anschauen. Ich mag skurille, schräge Geschichten. Regisseur und Autor Jim Jarmusch ist bekannt für seine ... seltsamen Filme Ghost Dog, Coffee and Cigarettes, Only Lovers Left Alive. Das ist nicht unbedingt Popcorn-Kino für die breite Masse. In seinen bisherigen Filmen hat Jarmusch bereits mit seiner The Dead Don't Die-Crew zusammengearbeitet. Bill Murray, Adam Driver und Tilda Swinton kommen, wie es scheint, immer gerne dazu, wenn Jarmusch ruft. Das spricht zumindest für die Atmosphäre am Set.
Die Idee für The Dead Don't Die hat Jarmusch, so Tilda Swinton, von der Schauspielerin während der Dreharbeiten zu Only Lovers Left Alive eingepflanzt bekommen. Bill Murray, der übrigens Zombieland als die Zombie-Komödie schlechthin ansieht, spielt gewohnt lakonisch ruhig. Fast so wie in Ghostbusters. Den Mann bringt nichts aus der Fassung, nicht einmal Zombies. Adam Driver ist unauffällig. Als herausstechende Persönlichkeit ist natürlich Tilda Swinton zu nennen. In der deutschen Synchronisation haben sie ihrer Figur einen seltsamen Zungenfehler gegeben. Wird wohl im Original besser (und vermutlich lustiger) sein.
In Sachen Adam Driver gibt es nur zu bemerken, dass es eine halbwegs nette Anspielung an Star Wars gab. Ansonsten bleibt er, wie gesagt, sehr blass.
Blass bleibt auch der Film. Vermutlich wird er besser, wenn man Die Nacht der lebenden Toten von George A. Romero kennt. Sorry, da bin ich raus. Auch wenn das eine Lücke ist, den habe ich nicht gesehen. Dabei soll The Dead Don't Die eine Art Hommage an den Zombie-Klassiker sein. Wer Romeros Film kennt und liebt, wird in Jarmuschs Film – so habe ich gehört – viel wiedererkennen. Soweit ich weiß, soll Romeros zweiter Zombie-Film (Zombie) eine Kritik an der Konsumgesellschaft sein. Das Motiv habe ich bei The Dead Don't Die auch erkannt.
Dabei will der Film lustig sein. Ein paar Tage nach Sichtung des Films kann ich mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, dass ich viel gelacht hätte. Oder überhaupt gelacht. Selbst die Auflösung um Tilda Swintons Figur war vorhersehbar.
Der Streifen dreht am Ende in eine Form von "Vierte Wand"-Film ab. Nicht, dass die Figuren mit dem Publikum sprächen, stattdessen gehen Murray und Driver schließlich aus ihren Figuren raus und unterhalten sich als Schauspieler miteinander, die in einem Jim Jarmusch-Film mitspielen. Das wirkt ein wenig wie "Fuck, wie soll ich die Geschichte enden lassen? Ach, ich breche mal komplett aus ..." — was ich nicht sehr befriedigend fand.
Also: Trailer gesehen, voll Bock auf den Film gehabt und dann enttäuscht worden.