Filmplakat Only Lovers Left Alive
5,5/10

„Sie sehen entsetzlich blass aus, Dr. Caligari.“ (Only Lovers Left Alive, 2013)


Only Lovers Left Alive

Besprechung

Adam (Tom Hiddleston) ist ein Musiker und Erfinder, der seit vielen hundert Jahren im Verborgenen wirkt. Er hat schon großen Musikern des Barock Partituren geschrieben. Weil er ein Vampir ist, kann er sich verständlicherweise nicht öffentlich zeigen. Sein Kontakt zur Außenwelt ist der junge Ian (Anton Yelchin). Doch in letzter Zeit nimmt Adams Depression immer mehr zu. Er ist angeödet von den “Zombies”, die diesen Planeten zugrunde richten.

Von seiner schlechten Stimmung bekommt auch Adams Frau Eve (Tilda Swinton) im fernen Marokko Wind. Die lebensbejahende Frau reist nach Detroit zu Adam. Hinzu kommt, dass beide einen Traum von Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) hatten. Das kann nie Gutes bedeuten. Zuletzt trafen die Drei vor über 80 Jahren in Paris aufeinander. Das ging auch nicht gut aus.

Tatsächlich – kaum angekommen – trinkt Ava dem Liebespaar den Großteil ihrer Blutreserven weg und macht sich zu allem Übel noch über Ian her. Das Dasein von Adam und Eve verändert sich radikal.

Meinung von

So ein Jim Jarmusch-Film, der kann schon "seltsam" sein. Coffee and Cigarettes ist eine Ansammlung von skurrilen, traurigen und lustigen Episoden. Ghost Dog ist meditativ und irgendwie philosophisch. Only Lovers Left Alive ist schwer einzuschätzen. Wie bei Jarmusch-Filmen durchaus üblich, plätschert auch Only Lovers Left Alive ruhig vor sich hin. Wir lernen Adam und Eve kennen. Er dunkel, sie hell. Eine innige Liebe verbindet beide Vampire, die schon so lange leben. Wie lange weiß man allerdings nicht. Vielleicht sind sie sogar die Adam und Eva, die wir aus der Bibel kennen. Wir erfahren es nicht.

Sie leben auf alle Fälle lange. Und sie wirkten schon so manches Mal mit in der menschlichen Geschichte, oder wie Adam es nennen würde: in der "Zombie"-Geschichte. Ebenso ist Kit Marlowe (John Hurt) schon lange auf der Erde unterwegs, ein Freund von Adam und Eve.

Einen wirklichen Sinn macht der Film nicht. Er fließt einfach durch die Nacht. Mit dem Auftreten von Ava kommt ein wenig Aufregung in den Streifen, aber das Drama ist es auch nicht. Only Lovers Left Alive führt nach nirgendwo, was schade ist.

Einige kleine Dinge kann man aber dennoch mitnehmen. So ist Adam nicht nur ein begnadeter Musiker, der schon einige der "Großen" mit Musik versorgt oder inspiriert hat, er ist auch ein Freund der Wissenschaft. Doch die "Zombies" gehen mit den Wissenschaftlern immer unrühmlich um. Darwin werde heute noch nicht vollständig anerkannt. Das macht Adam krank. Als Eve ihn auf seine Helden anspricht, meint er resigniert Ich habe keine Helden!.

Die "Zombies" — oder Menschen — sind kleingeistig. Sie streiten sich über Öl, dabei ist Wasser viel wichtiger. Da wissen Adam und Eve mehr, als der normale Erdbewohner. Als Adam eine junge Sängerin in Tanger hört, die er für sehr begabt hält, hofft er, dass sie keinen Erfolg haben wird. Wir wissen alle, dass der Erfolg die Kreativität zerstört und das fände Adam nur schade. Und das Blut, von dem die Vampire leben — das ist auch immer schwerer zu beschaffen. Die Menschen treiben so viel Schindluder mit sich und ihrer Umwelt, dass das meiste Blut verseucht ist. "Der gute Stoff" ist immer schwerer zu bekommen.

Gut gemacht ist das Bild von Schwarz und Weiß. Adam ist stets dunkel gekleidet und brütet schwer vor sich hin. Wohingegen Eve helle Kleidung trägt, helle Haare hat und ein dazu passendes Gemüt. Zwei Gegensätze, Tag und Nacht, die zusammengehören. Dazu dreht sich die Schallplatte, wie sich das Leben auch immer rund und rund dreht. Das sind nette Bilder.

Tom Hiddleston kennen wir aus den Thor-Filmen. Dort ein Ränke schmiedender Bösewicht, hier ein brütender Schöngeist. Ich mag ihn als Loki lieber. Tilda Swinton ist klasse besetzt. Sie wirkt auch ohne Maske stets nicht von dieser Welt, da kann sie einen Vampir sehr gut darstellen.

Leider führt Only Lovers Left Alive nirgendwohin. Er hat kein echtes Ende. Außer man sieht in der "Verwandlung" von Adam und Eve am Schluss eine Metapher für den ewigen Kreislauf des Lebens. Man sieht, Only Lovers Left Alive ist keine einfache Unterhaltung. Man versucht einen Sinn hineinzuinterpretieren.

Ich würde das nächste Mal gerne wieder einen lustigen Film sehen. Vielleicht bin ich einfach zu jung für solche Filme ... Oder man muss echter Hardcore-Jarmusch-Fan sein, um den Film zu mögen. Sucht es Euch aus.

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