Filmplakat Star Wars: Das Erwachen der Macht
8/10

„Escape now, hug later.“ (Star Wars: Das Erwachen der Macht, 2015)


Star Wars: Das Erwachen der Macht

Besprechung

Die Jedi sind in Vergessenheit geraten und man erzählt sich nur noch Geschichten über sie. Der letzte Jedi, Luke Skywalker (Mark Hamill), ist verschwunden. Was früher das Imperium war, nennt sich nun die Erste Order. Die Rebellen kämpfen nun gegen die Erste Order.

Auf dem Wüstenplaneten Yakku findet die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) den Androiden BB-8. Was sie zunächst nicht weiß: der kleine, kugelige Androide hat eine Karte bei sich, die den Aufenthaltsort von Luke Skywalker preisgibt. Die Rebellen benötigen diese Karte dringend, da die Erste Order immer stärker wird.

BB-8 gehört dem besten Piloten der Rebellen, Poe Dameron (Oscar Isaac), der auf Yakku von Kylo Ren (Adam Driver), einem Anhänger der dunklen Seite der Macht, festgenommen und auf dessen Flaggschiff gebracht wurde. Hier kann Poe mit Hilfe eines Sturmtroopers (John Boyega) fliehen. Dieser Strurmtrooper hat mit ansehen müssen, wie auf Yakku unschuldige Zivilisten hingerichtet wurden, was zu einem Sinneswandel bei ihm geführt hat. Poe nennt ihn fortan Finn.

Finn, von Poe auf Yakku getrennt, trifft auf Rey und gibt sich als Rebell aus. Gemeinsam fliehen sie vor den Sturmtruppen, die Kylo Ren losgeschickt hat, um Poe und den Androiden zu finden. Auf ihrer Flucht treffen Rey, Finn und BB-8 auf Han Solo (Harrison Ford) …

Meinung von

Hohe Erwartungen hatten wir alle – denke ich einmal – an den Film. Nachdem George Lucas die Prequels völlig verbockt hat, konnten die Sequels zur Original-Star Wars-Triologie nur noch gut werden. Regisseur JJ. Abrams hat zum Glück aus den Fehlern Lucas’ gelernt und nicht nur auf CGI gesetzt, sondern bewusst mehr echte Kulissen und Masken eingesetzt. Als BB-8 das erste Mal auftaucht, juchzte mein Nachbar auch Da! Schmutzig! – etwas, was in der geleckten CGI-Welt von George Lucas fehlte. Abrams ging zurück zu den Wurzeln. In doppelter Hinsicht.

Nicht nur die Effekte sind wieder „Old School“, sondern auch die Geschichte. Sehr viel von dem, was Star Wars: Das Erwachen der Macht an Handlung zu bieten hat, kommt den alten Hasen sehr bekannt vor. Viele Handlungsstränge und sogar Bildmotive stammen aus Krieg der Sterne oder auch aus Das Imperium schlägt zurück. Darüber kann man froh sein oder sich ärgern. Ich fand, es ist ein guter Einstieg in eine neue, abschließende Trilogie. Man greift Elemente aus den Originalgeschichten auf, baut so eine Vertrautheit auf, würfelt ein wenig mit den Charakteren rum, führt eine neue Generation von Helden ein und fertig ist der Mix. Hoffen wir, dass die Fortsetzung nicht auf dem Level wie J.J. Abrams Star Trek Into Darkness ausfällt, was im Grunde eine Nacherzählung der Originalstory ist. Ab Episode 8 muss die Geschichte neue Richtungen aufweisen.

Star Wars: Das Erwachen der Macht hat ganz klar Züge des Originals, kann aber doch noch genug Neues aufbieten, um originell zu wirken. Wir lernen etwas über die Herkunft von Kylo Ren und seinen Kampf mit den beiden Seiten der Macht. Ren hat für einen Bösewicht ziemlich gefährliche Wutausbrüche, was ihn sehr unberechenbar macht. Wir lernen Rey kennen, die die Hauptfigur in der kommenden Saga sein wird. Sie ist eine Mischung aus Han Solo (Draufgängerin, Pilotin) und Luke Skywalker (das Ding mit der Macht und den ungeklärten Familienverhältnissen). Lukes Flugkünste wurden Poe zugewiesen, allerdings kam dieser Charakter viel zu kurz. Bleibt Finn, ein Strurmtrooper mit Gewissen. Was im Original Leia (Carrie Fisher). Luke und Han waren, sind nun Rey, Poe und Finn.

Ein bisschen seltsam kommt Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) daher. Serkis leiht wieder einmal mit Hilfe von Caption-Motion einem CGI-Charaker seine Züge. Wieso ist der so groß? BB-8 ist knuddelig und lustig – somit klar für die "ab 12"-Fraktion. Dabei ist er aber zum Glück nicht kindisch, nicht albern und nicht nervig, wie der unselige Jar Jar Binks. Alles im grünen Bereich.

Star Wars: Das Erwachen der Macht macht Appetit auf mehr. Die alten Charaktere wurden behutsam ein- und wieder ausgeführt, um Platz für eine neue Generation zu machen. Man kann sich darüber streiten, wieso Rey so viele Dinge einfach machen kann (Millennium Falcon fliegen, mit einem Lichtschwert umgehen, Gedankentricks anwenden) – aber da sehe ich mal drüber weg. Da erwacht eben etwas in ihr. Und anscheinend ziemlich heftig. Wir machen uns jetzt mal alle Gedanken darüber, wer ihre Eltern sein könnten ...

Etwas verwundert hat mich die Tatsache, dass es zwar Luftschlachten zwischen Rebellen (X-Wing) und Erster Order (TIE Fighter) gab, diese aber zum Großteil auf Planetenoberflächen stattfanden. Ich erkläre mir das damit, dass ein Kampf auf einem Planeten einen Horizont bietet, ein Oben und Unten – und damit der effing 3D-Effekt besser "wirkt", als im dunklen Weltraum. Das ist aber nur so ein Gedanke.

Star Wars: Das Erwachen der Macht ist ein gut gemachter Film, der viele Star Wars-Fans ansprechen dürfte. Er ist gut, aber nicht überragend. Und seien wir ehrlich: Es ist eine Soap Opera ...

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