Filmplakat Coffee and Cigarettes
7/10

„Ich komme gerne nach L.A. - Ich fahre noch lieber wieder ab.“ (Coffee and Cigarettes, 2003)


Coffee and Cigarettes

Besprechung

Regisseur Jim Jarmusch hat, so liest man, dieser Projekt schon lange geplant und so filmte er bereits 1987 das erste Puzzle-Teil für diesen Film. Coffee and Cigarettes ist eine Ansammlung von insgesamt elf Kurzfilmen. In jedem dieser Filme haben wir mindestens zwei Protagonisten (mit einer Ausnahme), die irgendwo sitzen, Kaffee schlürfen, dazu Zigaretten rauchen und sich über mehr oder weniger belanglose Dinge unterhalten. Klingt nicht besonders spannend? Ist auch nicht spannend — dafür aber an manchen Stellen sehr lustig.

Da haben wir z.B. Roberto Benigni und Steven Wright, die sich über einen bevorstehenden Zahnarztbesuch unterhalten, wobei Robert kaum etwas von dem versteht, was Steven sagt und so beide aneinander vorbeireden. — Eher schwacher Film.

Oder Cate Blanchett trifft auf ihre Cousine (ebenfalls Cate Blanchett). Die Hollywood-Diva (leicht blöde) schwatzt mit ihrer Cousine, die eher herunter gekommen ist. Worüber? Über belangloses Zeuchs. — Auch nicht der Hit.

Auch wenn die Kurzfilme alle solo stehen, so gibt es doch einige Elemente (neben dem Kaffee und den Glimmstengeln), die in allen Filmen gleich sind. Anja wies mich erst darauf hin, dass in jedem Film etwas Karriertes vorkommt. Sei es die Tischdecke, der Tisch selber oder eine Tasse mit schwarz-weißem Würfelmuster. Auch wiederholen sich manche Sprüche wieder, was recht reizvoll ist, da dadurch ein Brückenschlag gezogen wird, der zeigt, dass eh alles irgendwie miteinander verwoben ist. Egal, wie belanglos die Gespräche sind. (Soviel zum pseudo-philosophischen Teil dieses Textes …)

Meinung von

Coffee and Cigarettes ist nicht Jedermanns Sache! Man muss sich schon auf die schwarz-weiße Ästhetik einlassen, die OmU-Fassung (manche der Darsteller kann man nur sehr schlecht verstehen) und die Tatsache, dass teilweise nur Blödsinn gesabbelt wird.

Doch es gibt auch echte Perlen in dem Film! Meine absoluten Highlights sind einmal die beiden alten Italiener, die sich anpöbeln, dass der Konsum von Kaffee und Zigaretten nicht gerade gesund ist. Die Typen sind einfach für sich genommen schon lustig. Und lustig ist auch, dass es zwei Filme gibt, die eigentlich "Tea and Cigarettes" heißen müssten. Obergenial ist die Geschichte mit Alfred Molina, der Steve Coogan erzählt, dass die beiden Schauspieler miteinander verwandt sind. Alfred ist voll aufgedreht und freut sich wie ein Kind, während Steve sehr abweisend ist. Bis ... — ja, das muss man sehen.

Ein weiteres absolutes Schmankerl ist die Folge, in der Bill Murray als Kellner auf GZA und RZA vom Wu-Tang-Clan trifft. Während die beiden HipHopper sich über alternative Medizin und die Vorzüge von Tee unterhalten, kommt Bill dazu und hustet denen etwas — im wahrsten Sinne des Wortes. Herrliche Situationskomik, die man nicht beschreiben kann.

Schön ist ebenfalls die Folge, in der Iggy Pop auf Tom Waits trifft. Die beiden Musiker hocken in einer kleinen Siffbar und unterhalten sich, bis sie feststellen, dass sie sich nichts zu sagen haben. Doch dann findet Tom eine Packung Zigaretten ... Auch eine Folge, die einfach durch die Situationskomik wirkt, wenn die beiden Ausnahmemusiker aufeinander treffen. Herrlich.

Also, wer Geschmack an "schrägem" und ausgefallenem Kino hat, der sollte Coffee and Cigarettes anschauen. Alle Hollywood-Hardcore-Junkies lassen lieber die Finger davon.

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