Filmplakat Man of Steel
9/10

„Ich habe meinen Vater sterben lassen, weil ich ihm vertraut habe.“ (Man of Steel, 2013)


Man of Steel

Besprechung

Der Planet Krypton liegt im Sterben. Jor-El (Russell Crowe) nimmt seinen frisch geborenen Sohn und schickt ihn in einer Rakete gen Erde. General Zod (Michael Shannon), der einen Militärputsch anstrengte, will den Raketenstart verhindern. Jor-El hat nämlich den so genannten Codex, eine Art genetische Datenbank aller Kryptonier entwendet. Zod braucht den Codex um die kryptonische Rasse zu retten. Das ist sein Ziel. Für sein Vergehen wird er zusammen mit seinen getreuen Soldaten in die Phantomzone verbannt.

33 Jahre später auf der Erde: Clark Kent (Henry Cavill) hat sich einer Expedition ins ewige Eis Kanadas angeschlossen. Ein unbekanntes Objekt wurde im Eis gefunden. Hier lernt er, dass er vom Planeten Krypton kommt und das Wissen seines biologischen Vaters hilft ihm, seinen Weg in dieser Welt zu finden. Durch die Enthüllungsaktion wird auch die Reporterin Lois Lane (Amy Adams), die ebenfalls bei der Expedition dabei war, auf diesen Mann mit den unglaublichen Kräften aufmerksam. Sie heftet sich an seine Fersen.

Als ein riesiges Raumschiff die Erde anfliegt, wird sich die Welt dessen bewusst, dass sie nicht alleine im Weltall ist. General Zod ist mit seiner Mannschaft im Orbit und verlangt, dass man ihm den Alien namens Kal-El aushändigen möge. Zod, der Phantomzone entkommen, will immer noch an den Codex heran, um Krypton wieder auferstehen zu lassen. Als Grundlage soll die Erde herhalten. Der einstige Außenseiter Clark Kent tritt Zod entgegen, in der Hoffnung, dass die Menschheit ihn als einen Beschützer und nicht als einen Aggressor annehmen möge.

Meinung von

Superman Returns war ja eher so lala. Zwar hatte Bryan Singer einen guten Bogen zum allerersten Superman-Film geschaffen, aber das wussten die wenigsten Zuschauer, weshalb der nicht so gut ankam. Die Hoffnung zu einem gelungenen Reboot lag also auf Zack Snyder. Bildgewaltig dürfte er werden, davon konnte man ausgehen mit 300 im Hinterkopf.

Die Entstehungsgeschichte von Kal-El ist anders als jede, die wir bisher gelesen haben. Anders, aber durchaus interessant. Das neue Krypton ist eher karg, nicht reich und dekadent wie in den Comics. Krypton hat eine sterile Kasten-Gesellschaft, in der es seit hunderten Jahren keine natürliche Geburt gegeben hat. Erst Jor-El und Lara (Ayelet Zurer) haben sich über das Gesetz hinweggesetzt. Na gut, doch das erinnert an die Comics.

General Zod ist nicht einfach nur ein machthungriger Soldat. Seine Motive sind das Überleben der kryptonischen Rasse. Ein simples, wenn auch riesiges Ziel. Zod ist nur von dieser Aufgabe getrieben. Michael Shannon spielt den Part ausgezeichnet.

Kommen wir zur Hauptperson: Superman. Zack Snyder zeigt nicht die gesamte Jugend des jungen Clark Kent. Er lässt den erwachsenen Mann seinen Platz in dieser Welt finden. Das wird begleitet von kurzen Rückblenden, die zeigen, wie schwer es für ihn war, als Kind mit übermenschlichen Kräften aufzuwachsen. Sein Vater Jonathan Kent (Kevin Costner) versucht seinen Adoptivsohn zu einem guten Wesen zu erziehen. Costner spielt sehr einfühlsam und gut. Ebenso Clarks Mutter Martha (Diane Lane).

Der Mann aus Stahl wird dargestellt von dem noch nicht so wahnsinnig bekannten Cavill. Er gibt seinem Superman eine äußerst ruhige, besonnene und auch etwas zerbrechliche Art. Die Erziehung seines Vaters hat Früchte getragen. Er ist nicht nur verantwortungsbewusst, hilfsbereit und zurückhaltend - dieser Superman ist auch vorsichtig und geradezu ängstlich, was eine öffentliche Demonstration seiner Kräfte angeht. Was werden die Menschen von ihm denken? Werden sie Angst haben. Werden sie ihn hassen? Aus diesem Grunde bleibt er zunächst "im Untergrund", reist von Ort zu Ort. Calvill spielt überzeugend. Auch wenn das jetzt nicht die super-lustige oder draufgängerische Figur ist. Aber das soll Superman auch nicht sein. Er ist gottgleich mächtig, will das aber gar nicht sein.

Erst als er auf die Intelligenz seines biologischen Vaters trifft, gibt dieser ihm den blauen Anzug mit dem roten Cape. Und eine Aufgabe. Die Menschheit zu beschützen und in eine glorreiche Zukunft zu geleiten. Dazu bedarf es auch Vertrauens auf der Seite von Superman, Vertrauen, dass die Menschen ihn nicht ablehnen werden.

Ein Großteil der Auseinandersetzungen zwischen Superman und den kriminellen Kryptoniern ist eine einzige Klopperei. Zuerst kämpft Kal-El in Smallville gegen Zods rechte Hand Faora-Ul (Antje Traue), später dann gegen den General selber. Diese Kämpfe sind technisch einwandfrei und monumental groß aufgezogen. Leider muss man als Zuschauer irgendwann feststellen, dass es ein Draufgehaue ist, das kein Ende nehmen will. Vor allem der Schlusskampf zwischen Kal-El und Zod in Metropolis zieht sich ewig hin. Dabei wird die Stadt nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Eine wahnsinnige Materialschlacht. Primärer Gedanke, der sich einem irgendwann aufdrängt Jetzt können sie auch gerne mal zum Ende kommen. Zack Snyder hätte das Gekämpfe gerne abkürzen können.

Antje Traue, die man eigentlich nur in Pandorum hat sehen können, ist neben Michael Shannon eine wunderbare Bösewichtin. Eiskalt, gefährlich und schön. An einer Stelle gibt sie zu, sie und ihre abtrünnigen Kryptonier-Kollegen hätten alle kein Gewissen, was ein evolutionärer Vorteil gegenüber Kal-El sei. Autsch.

Man of Steel nimmt sich des größten und ältesten Superheldens an, den es gibt, der aber im Gegensatz zu Batman nicht so beliebt ist. Er ist der ewige Pfadfinder. Ja, das ist er, aber das ist gut so. Superman stellt ein Leuchtfeuer der Hoffnung dar, er ist der Gute und Reine. Umso schlimmer, dass er am Ende eine so grausame Tat vollbringt. Übrigens wollte Produzent Christopher Nolan dieses Ende nicht haben. Aber mal ehrlich - wie hätte der Film sonst enden sollen?

Wer zu kurz kam, das war die Figur der Lois Lane. Sie ist schlau, unerschrocken und wie es scheint auch eine sehr treue Seele, wenn es um Superman geht. Sie versteht ihn und steht zu ihm. Übrigens auch stark abweichend vom Comic. Da hat es sehr, sehr lange gedauert, bis Lois hinter das Geheimnis von Clark kam.

In Superman Superman II – Allein gegen alle hatte Terence Stamp, der damals den General Zod gab, einen Satz, der in die Filmgeschichte einging: Kneel before Zod!. Unvergessen. Leider fehlt Michael Shannon so ein markiger, unverkennbarer Spruch. Schade, dass sie nicht daran gedacht haben.

Die zu langen Kampfszenen geben einen Punktabzug. Auch ist die Tatsache, dass Warner den Film so gut wie ausschließlich in 3D zeigt - was mal wieder keinen Extrawert hatte - sehr peinlich und nicht positiv für den Film. Der Fanboy-Faktor macht aber wieder einiges wett. Daher neun Moviejunkie-Punkte.

Wirklich Warner: Eine Schweinerei, wenn Ihr solche Filme nur in 3D zeigt! Ihr müsst damit rechnen, dass Leute dem Kino fern bleiben. Wollt Ihr das?

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