Filmplakat Superman
7,5/10

„Er muss ihnen überlegen sein, damit er überleben kann.“ (Superman, 1978)


Superman

Besprechung

Ein sterbender Planet. Der Wissenschaftler Jor-El (Marlon Brando) schickt seinen Sohn in einem Raumschiff auf eine lange Reise in Richtung Erde. Jahre später geht die Rakete mit dem Jungen in Kansas nieder. Das Farmer-Ehepaar Kent (Glenn Ford und Phyllis Thaxter) finden den Kleinen und ziehen ihn groß.

Nach dem Tod von Pa Kent zieht Clark (Jeff East) mit 18 von Zuhause aus und geht gen Norden. In der Festung der Einsamkeit lernt er alles, was ihm sein biologischer Vater Jor-El auf Datenkristallen an Wissen mitgegeben hat. Schließlich ist Clark (Christopher Reeve) bereit und zieht nach Metropolis, um ein Reporter zu sein — und um die Menschen vor Bösem zu beschützen.

Das Böse lauert in dieser großen Stadt in Form von Lex Luther (Gene Hackmann), der zusammen mit seinem dummen Gehilfen Otis (Ned Beatty) und Miss Teschmacher (Valerie Perrine) an seiner Seite ein riesiges Verbrechen plant. Er will zwei Atomraketen, die das Militär erstmals gleichzeitig starten will, vom Kurs abbringen und Teile der US-Westküste durch Erdbeben unbewohnbar machen. Luther will die Landkarte neu gestalten und er wir der Herr dieses neuen Landes sein.

Dazu muss er jedoch zunächst Superman ausschalten. Zum Glück ist der freundliche Alien vor allem zu Clark Kents Kollegen Lois Lane (Margot Kidder) sehr nett und verrät ihr in einem Interview diverse Dinge aus seinem Leben — u.a. seine Schwächen. Wir brauchen es nicht zu erwähnen, dass Superman/ Clark Kent etwas für Lois Lane übrig hat.

Meinung von

Der erste Superman im großen Stil — jedenfalls soweit ich mich daran erinnern kann. So einen Film gibt es heutzutage nicht mehr. Regisseur Richard Donner lässt sich satte 20 Minuten Zeit, dem Zuschauer die Vorgeschichte auf dem Planeten Krypton zu zeigen. Gleich am Anfang wird gezeigt, wie Jor-El drei Verbrecher, darunter General Zod (Terence Stamp), in die Phantomzone verbannt. 20 Minuten vergehen, bis Krypton explodiert und Baby-Kal-El in der Rakete gen Erde geschickt wird.

Noch einmal etwa 25 Minuten später ist die Jugend von Clark Kent erzählt. Also ca. in Minute 46 sehen wir das erste Mal Superman fliegen. Wow. Bis dahin ist das im Grunde alles grundlegender Geschichtenaufbau. Das bekäme man heutzutage mit dem hypernervösen Publikum nicht mehr hin.

Richard Donner lässt sich also Zeit und führt die Zuschauer langsam und ausführlich an die Figur des Superman heran. Löblich.

Die eigentliche Geschichte, die man im Grunde erwartet hat, wenn man sich den Film anschaut, die ist dann doch etwas flotter erzählt und vor allem mehr comichaft. Das hängt vor allem mit dem schlecht gezeichneten Gegner von Superman zusammen. Gene Hackmanns Lex Luther ist albern und poppig bunt — eben wie in einer frühen Version eines Superman-Comics. Otis ist ein Clown und Miss Teschmacher … — keine Ahnung, was die da überhaupt soll.

Margot Kidder spielt die Star-Reporterin des Daily Planets extrem hippelig und ist somit kaum anschaubar. Einzig Christopher Reeve ist toll. Viele Leute mögen Superman nicht, weil die Figur — im Gegensatz zu Batman — zu langweilig ist, zu sehr Pfadfinder. Stimmt, ein Pfadfinder ist er. Er hilft auch kleinen Mädchen die Katze aus dem Baum holen. Aber gerade das macht das Wesen Supermans aus. Theoretisch ist er ein Gott, mit all seinen Kräften. Aber er schwingt sich nicht zum Despoten auf, sondern bleibt immer nett, setzt seine Macht zum Guten ein. Das macht die Figur aus und die Geschichten um den Kryptonier. Das ist etwas, was wir in einer Welt voller Gefahren und Gewalt brauchen — einen guten Gegenpol.

Christopher Reeve ist für die Rolle ideal. Typ Schwiegersohn, stets lächelnd, herzensgut — von bodenständigen Farmern großgezogen und mit positiven Werten versorgt.

Es gibt Pluspunkte für die Art und Weise, wie der Film erzählt wird — nämlich weit ausholend. Ebenso für Hauptdarsteller Reeve. Die Geschichte ist in Ordnung. Was stört, sind die Darstellungen von Luther, Otis und Lane. Die machen einiges kaputt. Ebenso die extrem (!) kitschige Szene, wenn Superman und Lois über Metropolis (das verdammt nach New York aussieht — oder hat Metropolis auch eine Freiheitsstatue im Hafen?) fliegen. Da fängt Lois in Gedanken an schwülstig rumzuseiern. Grauenhaft!

Auch hat der Film einige Ungereimtheiten. Wieso kommt Lex Luther scheinbar aus heiterem Himmel darauf, dass der explodierte Planet von Superman radioaktives Gestein ins All geschleudert hat, dieses auf der Erde zu finde sei und man damit Superman töten könne? Einfach so platzt Luther damit heraus. WTF?

Superman wurde von Mario Puzo geschrieben, der uns auch schon Der Pate geschenkt hat. John Williams schuf einen unverwechselbaren, wunderbaren, einprägsamen Titelsong, den man, hat man ihn einmal gehört, nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Superman war für drei Oscars nominiert, ging aber leer aus.

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