Filmplakat Disclosure Day

4/10

"I fear us." — Disclosure Day, 2026

Disclosure Day

Besprechung

Wardex ist eine geheime Regierungseinheit, deren Aufgabe es ist, die Existenz von außerirdischem Leben zu vertuschen. Noah Scanlon (Colin Firth) ist deren Oberhaupt. Er hat über 35 Jahre seines Lebens dieser Aufgabe gewidmet. Die Menschheit ist nicht bereit zu erfahren, dass sie nicht alleine im Weltall sind. Käme das ans Tageslicht, hätte das katastrophale Auswirkungen. Religionen würden in Frage gestellt werden.

Eine kleine Splittergruppe unter der Leitung von Hugo Wakefield (Colman Domingo) hat sich von Wardex abgesetzt und will das Vorhandensein von Außerirdischen aufdecken. Kein Wunder, dass Noah aufgebracht ist und mit allen Mitteln diese Gruppe ausschalten will. Dumm, dass Dr. Daniel Kellner (Josh O’Connor), ein brillantes Computergenie, einen Haufen Beweismaterial und ein außerirdisches Artefakt gestohlen. Noah versucht an das Datenmaterial und das Artefakt heranzukommen. Dafür schreckt er auch nicht vor Entführung zurück. Jane Blankenship (Eve Hewson) ist die Freundin von Daniel und wurde als Druckmittel benutzt, doch das Pärchen kann mit den Beweisstücken entkommen.

Während Daniel und Hugo sich vor Noah verstecken, fängt die Wetternachrichtensprecherin Margaret Fairchild (Emily Blunt) in Kansas City, mitten in ihrem Wetter-Segment, an, seltsame Laute von sich zu geben. Schon den Vormittag hat sie sich seltsam benommen. Erst sprach sie mit ihrem Freund Jackson (Wyatt Russell) auf Russisch, dann hat sie einem Verkehrspolizisten quasi „in die Seele geschaut“ und ihm von seinen Problemen mit seiner Frau erzählt und wie er diese lösen kann. An die fremde Sprache kann sie sich nicht erinnern, aber sehr wohl an diese seltsame „Gabe“ Menschen zu lesen und beeinflussen zu können. Noah wird auch auf Margaret aufmerksam und sie weiß plötzlich, dass Daniel, von dem sie noch nie etwas gehört hat, in Gefahr ist.

Meinung von

Ich mag Steven Spielberg und seine Filme. Ich bin mit denen aufgewachsen. Sei es Duell, Sugarland Express, Der weiße Hai, Die unheimliche Begegnung der dritten Art, Jäger des verlorenen Schatzes, E.T., Jurassic Park oder Catch Me If You Can. Vor allem in seinem frühen Werk zeigt Spielberg ein positives Bild von Außerirdischen. In Disclosure Day sind die Aliens auch wieder die Guten.

Dass die Menschen, hier in Form von Wardex, die Tatsache, dass die Menschheit nicht alleine im kalten Weltall ist, verschweigen möchte, ist im Grunde nicht schlecht. Der Film stellt die Frage, was die Menscheit machen würde, wenn sie das Geheimnis erführen. Würde Panik ausbrechen? Angst? Chaos? Was passierte mit Religionen? Ein höheres Wesen, das ist es, woran der moderne Mensch glaubt. Wenn nun aber höhere Wesen, eine ganze Population davon, vor der Tür stünde — was machte das mit dem Glauben der Menschen? Die Frage kommt allerdings recht kurz auf. Ich denke, Spielberg wusste, dass er nicht zu sehr auf dem Thema herumreiten sollte. Damit kann man sich mächtig prächtig in die Nesseln setzen.

Ich habe erst vor kurzem die Trisolaris-Trilogie von Liu Cixin gelesen. Daran musste ich während des Films denken. Dort kommt auch die Frage auf, wie die Menschen reagieren, wenn sie lernten, dass sie nicht alleine im All sind. Liu schreibt, dass eine Zivilisation, die sich im Weltall zu erkennen gibt, sich damit auf den Präsentierteller stellt und andere, intelligente Arten kommen, um diese präventiv zu zerstören. So ein düsteres Bild zeichnet Spielberg natürlich nicht. Er ist wie immer optimistisch. Der Mensch, hier in der Person von Noah, ist böse. Wobei ... siehe oben, im Grunde ist es eine gute Idee, dem Menschen das Wissen vorzuenthalten.

Der Film fängt mit der Lösegeldübergabe für Jane an. Dort passiert so viel und man weiß lange Zeit nicht, wer diese Leute sind oder wie die Gruppierungen aussehen. Man muss dem Film einfach folgen. Dann schälen sich die Schwarz-Weiß-Bilder schon heraus. Verpasse Colin Firth einen Rollkragenpulli unterm Jacket und du hast einen Bösewicht. Er lässt eine gewisse böse Ader durchscheinen. Wir stellen fest, dass er seinen Job sehr ernst nimmt.

Irgendwie plätschert der Streifen so daher. Enttäuscht war ich davon, dass der Film einen Haufen Ungereimtheiten auf die Leinwand bringt. Wenn Margaret und Daniel bei Hugo sind und das Artefakt benutzen, werden ihre Vitalfunktionen überwacht. Wer misst Blutdruck durch einen dicken Pulli? Margaret wird "aktiviert" durch den Anblick eines Kardinal-Vogels, der in ihre Wohnung flattert. Später erfahren wir wieso. Aber ... schon komisch, dass ein Wildvogel von genau der Sorte in ihre Stadtwohnung flattert, wenn Daniel in Gefahr gerät. Wieso waren die Aliens in Roswell alle klein und am Ende, wenn Hugo zum Beweis einen Außerirdischen reinkarrt, ist der riesig?

Ich weiß, dass die Menschen alle von ihren scheiß Mobiltelefonen abhängig sind. Aber dass alle und überall zugleich auf ihre kleine Suchtmaschine starren, wie im Film gezeigt, finde ich schon etwas unwahrscheinlich. Und es wirkte künstlich dramatisch. Oder: dumm.

Mit am meisten habe ich mich jedoch darüber aufgeregt, dass am Ende – Achtung, Spoiler – Noah aufgibt, sich im Filmstudio hinsetzt und nichts mehr macht. Noahs rechte Hand, Casper Boyd (Henry Lloyd-Hughes), ist entsetzt, aber als er sieht, dass sein Boss nichts mehr macht, nimmt er seine Soldaten und alle gehen vor die Tür. Was zum Kack war das? Ein wahnsinnig schlechtes Ende eines "so lala Films". Ich hatte mehr erwartet von Steven Spielberg, der auch an der Geschichte mitgeschrieben hat.

Übrigens las ich, dass im Film die Welt am Rande des dritten Weltkriegs stünde. Davon habe ich nichts mitbekommen. Ich habe mich jedoch gewundert, wieso die Leute alle Hamsterkäufe an einer Tankstelle gemacht haben. Das ergab in dem Moment gar keinen Sinn — weil, von Weltkriegsstimmung war da nichts zu merken. Ja, in Korea ging wohl etwas ab, aber das hat für mich noch nicht für das dritte Weltkriegsszenario gereicht.

Wenn das mit dem Weltkrieg herübergekommen wäre, wäre der Streifen bestimmt besser gewesen. Dann hätten wir auf der einen Seite die bevorstehende Zerstörung der Welt und auf der anderen Seite die Nachricht, dass sich die Menschen mal alle nicht so wichtig nehmen sollten. Dann wäre eine solche Nachricht durchaus hilfreich gewesen. Dann wäre die blinde Verbohrtheit der "Beschützer des Wissens" ebenfalls eher Bedrohung zu verstehen. Aber ... davon habe ich nichts mitbekommen.

Ich glaube, das ist die schlechteste Bewertung, die ich je einem Spielberg-Film gegeben habe.