Filmplakat Jäger des verlorenen Schatzes
8,5/10

„Schlangen. Warum ausgerechnet müssen es Schlangen sein?“ (Jäger des verlorenen Schatzes, 1981)


Jäger des verlorenen Schatzes

Besprechung

Professor Indiana Jones (Harrison Ford) ist ein etwas anderer Archäologe. Er unterrichtet zwar auch, seine Feldarbeit geht jedoch selten mit dem Pinsel einher, sondern eher mit Peitsche und Pistole. Es ist das Jahr 1936 als der US-Abwehrdienst sich bei Jones meldet. Es wurde eine Nachricht der Deutschen abgefangen. Wie sich herausstellt, hat Hitler, der vom Okkulten besessen zu sein scheint, eine Expedition in Kairo am Laufen. Die Deutschen sind auf der Suche nach der Bundeslade, in der die Hebräer die zehn Gebote getragen haben. Die Bundeslade soll sich in einer geheimen Kammer in der versunkenen Stadt Tanis befinden – und wie es scheint, sind die Deutschen kurz davor, diese Kammer zu finden.

Da die Bundeslade die Armee, die sie vor sich herträgt, unbesiegbar macht, ist es natürlich nicht wünschenswert, dass die Nazis die Bundeslade in die Finger bekommen. Indiana Jones bekommt den Auftrag, das religiöse Artefakt noch vor den Deutschen zu finden. Dazu benötigt er zunächst einmal “das Kopfstück des Stabes des Re”, einem Medaillon mit einem Kristall darin, der den Standort der geheimen Kammer zeigen soll. Indiana Jones weiß, dass sein alter Freund Ravenwood im Besitz des Medaillons ist, also reist er nach Nepal. Hier findet er jedoch nur noch dessen Tochter Marion (Karen Allen) vor. Marion wird – unfreiwillig – Indys Partnerin.

Gemeinsam geht es nach Kairo, wo die Nazis bereits mit Ausgrabungen beschäftigt sind. Angeführt werden diese von Indianas Erzfeind Dr. René Belloq (Paul Freeman), der ihm schon des öfteren einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Nazis wissen von Indianas Anwesenheit und versuchen ihn aus dem Weg zu räumen.

Unterstützung finden Indiana und Marion in Kairo von Sallah (John Rhys-Davies), dem besten Gräber Kairos und einem alten Freund von Indiana Jones. Kann Indiana Jones den Nazis zuvorkommen und die Bundeslade zuerst finden?

Meinung von

George Lucas hatte die Geschichte um diese neue Art von Held schon fertig, aber da er mit Star Wars beschäftigt war, legte er das Projekt zunächst auf Eis. Steven Spielberg hingegen wollte mal etwas in der Richtung machen – und nahm die Idee von seinem Kumpel an. Außerdem wollte Spielberg mal endlich wieder einen Film machen, der a.) im Zeitrahmen und b.) im Budget lag. Seine Filme Der weiße Hai und Unheimliche Begegnung der dritten Art waren Paradebeispiele dafür, wie man es nicht machen sollte. Tatsächlich schaffte Spielberg es, Jäger des verlorenen Schatzes sehr schnell zu drehen und man war fast zwei Wochen früher fertig.

Bevor es ans Drehen gehen konnte, musste allerdings ein Schauspieler her, der den Helden verkörpern konnte. Man hatte schon Tom Selleck an der Angel, doch da der gerade mit Magnum, P.I. beschäftigt war, musste man sich weiter umschauen. Schließlich fiel der Name Harris Ford. Doch George Lucas meinte, da Ford gerade in die Star Wars-Oper involviert sei, würde er den nicht nehmen wollen. Spielberg entgegnete, Ford sei ein Schauspieler und die schlüpfen andauernd in neue Rollen.

So setzte Harris Ford den typischen Fedora auf und hängte sich die Peitsche um. Die Symbole für Indiana Jones schlechthin. Die (Film-)Geschichte zeigte, dass Ford eine gute Wahl war. Er hat das richtige Maß an Maskulinität, er ist verschmitzt, draufgängerisch und gleichzeitig zeigt er, dass er auch menschlich und verwirrt sein kann. Spielberg wollte eine Figur, die man auch nur als Silhouette zeigen kann und jeder verstünde, wer das ist. Das hat er geschafft. Der Regisseur zeigt überhaupt in Jäger des verlorenen Schatzes sehr gerne Schatten. Man muss eben nicht immer alles zeigen.

Jäger des verlorenen Schatzes ist Kult. Diesmal ist der Titel jedoch nicht von den Medien oder dem Produktionsstudio vorgegeben, sondern echt erarbeitet. Jäger des verlorenen Schatzes sollte eine Reihe von (meist billigen) Ablegern produzieren. Überall wurden in aller Eile ähnliche Abenteuerfilme mit der heißen Nadel gestrickt, um auf der Erfolgswelle von Indiana Jones mitzureiten. Man denke hier an die Quatermain-Filme mit Richard Chamberlain, Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten mit Michael Douglas oder die viel später gedrehte Comic-Verfilmung The Quest.

Der Kult von Jäger des verlorenen Schatzes stammt nicht nur von der Figur des Indiana Jones selber, sondern auch von der Art und Weise, wie hier "Archäologie betrieben" wird. Was sonst immer als langweilig angesehen wird, wird unter Spielbergs Regie zu einem riesigen, spannenden Abenteuer, einem Kampf gegen die Zeit, gegen die Nazis. Obwohl man normalerweise einen guten Gegner braucht, schafft Spielberg es hier sogar mit dreien. Zum einen haben wir den Konkurrenten Belloq, der schon am Anfang eingeführt wird. Dann werden noch der eklig grinsende SS-Offizier Major Arnold Toht (Ronald Lacey) und schließlich der Obernazi Colonel Dietrich (Wolf Kahler) ins Rennen geworfen. Zusammen bilden sie eine Art Nazi-Gegner-Trio, gegen das sich Jones erwehren muss.

Wehren muss er sich auch anfangs gegen Marion, die Indy – wie auch all seine weiblichen Studenten – als junge Frau angehimmelt hat. Als er dann fortging, brach er ihr das Herz und so hockte sie bis zu seiner Ankunft verbittert in Nepal herum. Natürlich kommen sich die beiden wieder näher … Die Figur der Karen ist manchmal etwas nervig, aber kommt am Ende dennoch glaubwürdig genug herüber, dass man ihr die gezeigte Härte abnimmt. Sie ist kein ständig kreischendes Prinzesschen.

Indiana Jones kann nichts erschüttern. Keine Gefahr ist ihm zu groß. Nur vor Schlangen hat er Angst.

Jäger des verlorenen Schatzes hat große Momente hervorgebracht. Da ist die große Steinkugel, die unseren Helden verfolgt, als er eine Falle auslöste. Da ist aber auch der "Showdown" mit dem säbelschwingenden Gegner, den Indy aus Mangel an Zeit und Interesse einfach mal schnell erschießt. Was für eine coole Sau! Ebenfalls klassisch ist das schmelzende Gesicht von Major Toht, wenn die Bundeslade ihre Macht offenbart. Mir blieb auch in Erinnerung, wie Steven Spielberg die Reisen des Indiana Jones zeigt: Die Reiseroute auf einer Weltkarte zu zeigen ist ein super Einfall.

Das mit der Religion … Ich mag Jäger des verlorenen Schatzes unter anderem auch deswegen. Die Abenteuer sind nicht "nur" gefährlich, sie sind auch extrem gefährlich, weil hier ein religiöser, überirdischer, nicht zu erklärender Aspekt mit reinspielt. Indy hat nicht nur die ollen Nazis als Gegner, sondern spielt mit göttlichem Spielzeug herum. Das ist verdammt kritisch – macht die Geschichte aber auch spannend.

Schließlich sei noch zu erwähnen, dass Jäger des verlorenen Schatzes nicht nur ein neues Franchise startete, sondern auch eine sehr markante Schrift hervorbrachte. Sieht man diese leicht perspektivisch angehauchte, ins Comic-artige gehende Schrift mit dem Verlauf – man muss sofort an Indiana Jones denken. Ebenfalls eingeprägt hat sich die Titelmelodie von John Williams. Diese Melodie ist beschwingt, optimistisch, erzeugt Aufbruchstimmung und Tatendrang. Alles, was dann von unserem Helden Indiana Jones auch verkörpert wird.

Wenn Indiana Jones in der Eingangsszene seine Peitsche um einen überhängenden Ast schlingt und sich dann über einen tiefen Abgrund schwingt – das war (vermutlich) die Inspiration für das ein Jahr später erschienene Videospiel Pitfall!. Zumindest erinnert sich jeder, der das Spiel damals gespielt hat, beim Anschauen dieser Szene an das Spiel.

Jäger des verlorenen Schatzes muss man gesehen haben. Punkt.

hoch