Filmplakat Duell
7,5/10

„Das Schwein hat kehrt gemacht und kommt zurück.“ (Duell, 1971)


Duell

Besprechung

Ein sonniger Tag in Los Angeles. Der Geschäftsmann David Mann (Dennis Weaver) macht sich auf den Weg mit seinem knallroten Plymouth. Er verlässt die Großstadt und kommt in die Wüste. Hier hat er nach einiger Zeit einen großen, stinkenden Laster vor sich. Dieser versperrt ihm den Weg. Also überholt David das Metallmonster. Der Fahrer des Trucks fühlt sich angegriffen und herausgefordert. Er macht Jagd auf David. Immer wieder setzt er sich vor Davids Wagen, nur um ihn auszubremsen. Dabei hat David es eilig.

Als der Truckfahrer den gehetzten und mittlerweile genervten Geschäftsmann vorbeiwinkt und David beinahe in einen entgegenkommenden Wagen rast, wird David klar, dass dieser Trucker das bewusst gemacht hat. Wie es scheint, hat es der Trucker auf ihn abgesehen. Ein Zwischenstopp in einem Restaurant soll David die Nerven beruhigen, da sieht er den Truck vor dem Diner stehen. Einer der Anwesenden muss der Trucker sein. Doch wer?

Die Fahrt geht weiter und somit auch die Verfolgungsjagd. Immer aggressiver wird der Fernfahrer, fährt David von hinten auf. Wenn David sich einmal vom Lastwagen befreien kann, taucht dieser nur kurze Zeit später wieder auf. Er wartet auf den roten Plymouth, spielt mit David. Ein tödliches Spiel.

Meinung von

Basierende auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson, ist Duell der Wendepunkt in der Karriere vom jungen Regisseur Steven Spielberg. Bis dahin hatte er einige Folgen diverser TV-Serien drehen dürfen, doch ihm war nach großen Filmen. Universal gab ihm dann für die Serie "ABC Film der Woche" (beim Sender ABC) die Chance, die Geschichte um einen von einem "Biest" verfolgten Mann zu drehen. Spielberg hatte offiziell zehn Tage Drehzeit, es wurden 13, plus ein oder zwei Extratagen im Schnittraum. Herausgekommen ist ein 74-minütiger Film, der in seiner Schlichtheit und seiner spartanischen Art dennoch Spannung aufbauen kann und unterhält.

Spielberg bestand darauf, alles vor Ort, also nicht im Studio zu drehen. Man hielt ihn für verrückt. Um den "unsicheren" Drehort in der freien Natur und den äußerst knappen Zeitplan unter einen Hut zubekommen, plante der damals 25-Jährige alles akribisch durch und visualisierte alle Drehs – Storyboards hatte er damals noch nicht als Hilfsmittel.

Der erste wichtige Punkt, der auffällt, stammt jedoch nicht vom Regisseur, sondern vom Autor und Drehbuchschreiber Matheson: der Truckfahrer sollte nie zu sehen sein. So bleibt er ein gesichtsloser Schrecken. Manchmal sieht man seinen Arm, aber nie wirklich sein Gesicht. Das baut Spannung auf, wie man sie von Hitchcock her kennt: zeige nicht immer alles, dann ist es gruseliger. Spielberg war begeistert von der Idee und setzte sie gewissenhaft um. Den Schrecken verstärkte er zum einen durch die Wahl des "Monsters", den braunen, dreckigen Truck. Er wählte einen Peterbilt – da dieser mit seiner langen Schnauze und seinem mächtigen Grill eine Art Gesicht hatte. Hinzu kommt, dass Spielberg den Truck oft von schräg unten zeigte, was ihn noch größer und gefährlicher machte. Hierbei half ihm übrigens ein fahrbarer Untersatz, der erstmals bei Bullitt zum Einsatz kam, ein Gefährt, das sehr tief lag und wie ein Auto zu fahren war. So konnte er einige – vor allem für damalige Zeit – beeindruckende Aufnahmen während der Fahrt machen.

Es gibt kaum Dialoge und nur wenige Personen. Lediglich die Hauptfigur und dessen Frau, mit der er kurz telefoniert, haben Namen, ansonsten sehen wir lediglich namenlose Nebenfiguren, mit denen David Mann interagiert. Er selber führt so manches Selbstgespräch, was seine Verzweiflung und Einsamkeit mitten in dieser Gefahr zeigt. War er anfangs noch genervt von dem stinkenden Truck und dessen Fahrer, wandelt sich sein Gefühl seinem Verfolger gegenüber später in nackte Überlebensangst. Der unsichtbare Truckfahrer hingegen wird nie sein Geheimnis verraten, wieso er Jagd auf David macht. Vielleicht ist er ein sehr leicht zu reizender Mann, der nach dem Überholmanöver von David sich herausgefordert fühlt, gar verletzt. Eventuell ist er aber auch nur ein Psychopath, der immer wieder Jagd auf schwache, ahnungslose Opfer macht. An der Front des Trucks prangen diverse Nummernschilder aus anderen Staaten – eine Vermutung geht dahin, dass er diese Trophäen seinen Opfern in eben diesen Staaten abgenommen hat. So oder so – der Typ ist gefährlich und der Zuschauer fühlt die Bedrohung, die von ihm ausgeht.

Duell ist nicht ein wortkarges Roadmovie, das nur für Hardcore-Autofans etwas ist. Herrje, so ein Plymouth ist nun auch noch nicht mal ein tolles Auto. Das ist es also nicht. Die Geschichte ist spannend und von Spielberg sehr gut umgesetzt worden.

Der Film hatte extrem hohe Einschaltquoten seinerzeit (zugegeben, es gab auch weniger Sender und das Fernsehen war die einzige Ablenkung; nicht wie heute). Danach kam der Film in Europa in die Kinos. Doch ein Spielfilm musste per ungeschriebenem Gesetz mindestens 90 Minuten lang sein. Also wurde Spielberg gebeten, noch einige Szenen (die Abdrängelungsszene am Bahnübergang, die Schulbusszene und auch den Anfang) nachzudrehen, so dass der Film auf seine heutige Länge kam.

Duell, das ist nun kein Geheimnis, war ein Erfolg und öffnete Spielberg die Türen zum großen Kino. Nur wegen des Erfolges konnte er Sugarland Express drehen und danach Der weiße Hai und all die wunderbaren anderen Spielfilme (und einige schlechte) für die Silberleinwand.

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