Filmplakat Die Verurteilten
7,5/10

„Hoffnung ist sehr gefährlich. Hoffnung kann einen Mann in den Wahnsinn treiben. Hier drin nützt sie Dir nichts.“ (Die Verurteilten, 1994)


Die Verurteilten

Besprechung

Andy Dufresne (Tim Robbins) ist Vizepräsident einer Bank in Portland und hat herausgefunden, dass ihn seine Frau betrogen hat. Auch wenn er mit dem Gedanken spielt, sie umzubringen, so hat er es nicht getan. Dennoch werden sie und ihr Lover ermordet aufgefunden. Andy wird zu zweimal Lebenslänglich verurteilt. Er wird ins Gefängnis Shawshank gebracht. Hier fällt er durch seine ruhige Art auf. Man merkt ihm nichts an, er stellt keine Kontakte her. Erst ein Jahr später geht Andy auf Ellis “Red” Redding (Morgan Freeman) zu. Red ist der Typ, der einem im Gefängnis alles besorgen kann. Die beiden werden Freunde.

Auch wenn er nicht viel sagt, haben es einige Insassen auf ihn abgesehen. Bogs Diamond (Mark Rolston) und seine Leute bedrängen ihn sexuell, schlagen ihn immer wieder. Andy nimmt es hin. Eines Tages kann er diesem Martyrium entkommen. Er, Red ein paar andere Gefangene arbeiten draußen. Hier hört Andy, dass der sadistische, knallharte Captain Hadley (Clancy Brown) ein finanzielles Problem hat, aus dem ihm Andy heraus hilft. Fortan macht er für die Belegschaft die Steuer. Auch für den Direktor der Anstalt, Warden Norton (Bob Gunton). Der nutzt die buchhalterischen Fähigkeiten von Andy aber noch zu ganz anderen Dingen aus.

Andy arrangiert sich mit dem Leben im Gefängnis, auch wenn er – wie er betont – unschuldig hinter Gittern sitzt. Er wird irgendwann in die Bibliothek versetzt, die so kümmerlich ist, dass er mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit den Staat dazu bekommt, diese zu fördern. Andy kann die Bibliothek ausbauen. Alles scheint gut zu verlaufen, bis der Einbrecher Tommy (Gil Bellows) eines Tages einwandert. Andy hilft dem aufbrausenden jungen Mann zu einem Abschluss. Tommy erzählt eine Geschichte, die Andys Unschuld beweisen könnte, doch für den Direktor ist Andy dort, wo er ist am wertvollsten …

Meinung von

Stephen King ist für seine Horror-Geschichten bekannt. Er hat allerdings auch einige Nicht-Horror-Romane verfasst. Die Verurteilten basiert auf der Teilgeschichte "Pin-up" aus der Geschichte "Frühling, Sommer, Herbst und Tod". Die Filmadaption weicht an einigen Stellen von der Vorlage ab. Herausgekommen ist eine Art Wohlfühlfilm. Tim Robbins ist immer ein Sympathieträger und Vater Freeman sowieso. Also ist das schon einmal die beste Voraussetzung für einen Klassiker.

Wir sehen wie schwer das Leben im Gefängnis ist. Da ist der Wächter Hadley, bei dem der Knüppel sehr locker sitzt und der auch Insassen zu Tode schlagen kann. Dann die Vergewaltigungen. Alles wird von Andy mehr oder weniger still hingenommen. Er ist ein Held. Wir glauben ihm, dass er unschuldig ist, obwohl es nicht bewiesen ist. Wir haben nicht gesehen, dass jemand anderes seine Frau und ihren Liebhaber ermordet hat.

Über die Zeit wächst eine innige Freundschaft zwischen Red und Andy. Das ist auch wichtig an so einem Ort. Es gibt auch noch diverse Nebencharaktere, die einem sympathisch sind. Da ist zum Beispiel der alte Brooks Hatlen (James Whitmore), der in der Bibliothek arbeitet. Oder der stotternde Heywood (William Sadler). Selbst Tommy ist, so aufbrausend und so kurz er auch nur ein Teil der "Gang" ist, ist angenehm. Die Chemie der Schauspieler untereinander stimmt. Das ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Films. Und erfolgreich ist er!

Die Jahre gehen dahin. 19 Jahre hockt Andy in diesem Gefängnis fest. Als es endlich einen Hoffnungsschimmer gibt, wird dieser gnadenlos vom Direktor zunichte gemacht. Wir wissen alle, warum Norton Andy behalten will. Auch wenn Norton sich immer als gottesfürchtig ausgibt und die Bibel stets hoch lobt – ist er doch nur ein geldgeiler, krimineller Sack, der seine wichtigste Geldquelle nicht verlieren will. Es kommt zum Eklat zwischen den beiden und Andy muss für lange Zeit in Einzelhaft. Als er herauskommt, scheint er gebrochen, doch nur kurze Zeit darauf ist er geflohen. Alle Zuschauer juchzen und jauchzen, weil sie mit Andy mitfiebern. Endlich ist er frei, endlich bekommen die Bösen eines auf den Sack. Hach ... So kitschig das alles auch klingt – die Umsetzung ist sehr gelungen und man muss keine Eimer unter der Leinwand/dem Fernseher aufstellen. Da trieft zum Glück nichts.

King soll sich zur Inspiration an all die Gefängnisfilme erinnert haben, die er bis dahin gesehen hatte. Das merkt man auch, dass er sich "inspiriert" hat. Der Film wirkt teils wie ein Flickteppich aus anderen, bekannten Geschichten. Brooks hat einen Vogel, den er groß zieht. Das erinnert an Der Gefangene von Alcatraz. Die Brutalität von Captain Hadley kommt einem aus Brubaker bekannt vor. Die Sache mit dem Tunnel und dem verdeckten Loch kann man aus Flucht von Alcatraz kennen. Die Aktion mit dem Verteilen der Tunnelabfälle im Hof stammt aus Gesprengte Ketten. Aber nicht missverstehen: das ist alles gut zusammengenäht.

Ich fand Die Veruteilten gut, würde aber nicht so weit gehen, den so dermaßen über den Klee zu loben, wie er es gerne wird.

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