Filmplakat Brubaker
9/10

„Keiner kann sich für immer im Gefängnis verstecken.“ (Brubaker, 1980)


Brubaker

Besprechung

Der Gouverneur von Arkansas schickt Henry Brubaker (Robert Redford) ins Gefängnis von Wakefield, um dort Gefängnisreformen umzusetzen. Brubaker steht aber nicht so einfach vor der Tür, sondern lässt sich als Insasse einschleusen. So beobachtet er einige Tage lang, wie es in dem Gefängnis vor sich geht. Korruption, Gewalt, Vergewaltigung, Misshandlungen – alles an der Tagesordnung. Als es zu brenzlig wird, gibt sich Brubaker zu erkennen und löst den amtierenden Direktor ab.

Der ehemalige Uniprofessor hat genaue Vorstellungen, wie ein moderner Strafvollzug auszusehen hat. Was er in Wakefield vorfindet, entspricht dem kein Stück. Brubaker muss Verbündete finden. Unter den Vertrauenspersonen ist der Mörder Richard „Dickie“ Coombes (Yaphet Kotto), der noch am ehesten als Verbündeter durchgeht, auch wenn Coombes dem neuen Direktor nicht ganz traut. Ist Brubaker wieder nur einer dieser Sprücheklopfer?

Brubaker schafft es tatsächlich einiges in der Strafvollzugsanstalt zu bewirken. Politisch bekommt er Rückendeckung von Lillian Gray (Jane Alexander), der Sonderbeauftragten des Gouverneurs. In den Mauern muss sich Brubaker gegen korrupte Vertrauensmänner erwehren, muss gegen bestechliche Geschäftsmänner aus der Umgebung vorgehen und zu allem Übel kommt noch der alte Abraham Cook (Richard Ward) auf den neuen Direktor zu. Abraham hat ein Geheimnis und will sich dieses von der Seele reden. Ein Geheimnis, das weder im Gefängnis noch außerhalb gerne enthüllt gesehen ist.

Meinung von

Ich kann nicht sage, dass ich den Film mag. Das Thema ist nichts, was man mögen kann. Aber ich finde den Film absolut großartig, beeindruckend und wichtig. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Es geht darum, wie kaputt und krank das System des Strafvollzugs ist. Es fließen Steuergelder in die Anstalten und alle bereichern sich daran. Die Gefangenen gehen leer aus. Brubaker stellt immer richtig, dass er kein Kuschelgefängnis haben will. Die Insassen hocken im Gefängnis, weil sie es verdient haben. Sie haben keinen Respekt vor Anderen und keinen Respekt vor sich selbst. Das heißt aber nicht, dass man sie deswegen respektlos behandeln muss.

Die kritische Situation, die Brubaker dazu zwingt seine Maskerade fallen zu lassen, tritt dann ein, wenn ein sehr junger Morgan Freeman als Insasse einer viel zu kleinen, dunklen Zelle durchdreht. Er bedroht den Häftling Larry Lee Bullen (David Keith). Alles was Walter – die Figur von Freeman – will, ist Respekt. Walter und einige andere Häftlinge werden wie Tiere in dunklen Löchern ohne Fenster gehalten. Wie soll so ein Mensch herauskommen, der wieder in die Gesellschaft integriert wird? Das geht nicht.

Wirklich jeder bereichert sich an dem, was eigentlich für die Insassen gedacht ist. Der Gefängnismitarbeiter Huey Rauch (Tim McIntire) nutzt das kaputte System voll aus. Er hat eine kleine Hütte auf dem Gefängnisgelände, hat dort seine kleine Freundin untergebracht und im Schuppen stapelt sich das Essen, das für die Knastis gedacht war. Die fressen derweil Schleim mit Maden.

Die gesamt Szenerie, alles was wir in diesem Gefängnis und drumherum zu sehen bekommen macht einen Zuschauer mit Hirn und Herz nur stinksauer, lässt ihn gleichzeitig verzweifeln. Die Härte dessen, was den Häftlingen geschieht, ist sehr brutal dargestellt. Redford ist hier der Fleck Hoffnung, den man als Häftling, aber auch als Zuschauer benötigt.

Leider ist so viel Mist auch in den Gefängnismauern passiert, dass niemand den Schleier wirklich lüften will. Abraham beichtet, dass er in den über 38 Jahren die er im Knast ist – er war zu 35 verurteilt –, diverse Leichen hat beseitigen müssen. Die sucht Brubaker, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Dumm nur, dass die Scheiße bis nach ganz oben reicht. Auch die Politiker, die, die eigentlich eine Reform umgesetzt haben wollten, gehen hart gegen Brubaker vor. Er ist wie ein Don Quijote. Er kämpft auf verlorenem Posten.

Immerhin hat das, was der echte Gefängnisdirektor angestoßen hat, auch im echten Leben dazu geführt, dass das Gefängnis nach einem Aufstand reformiert wurde.

Die Umsetzung ist ungewöhnlich. Wir wissen zum Anfang nicht, dass Brubaker, der sich unter einem falschen Namen einliefern lässt, der neue Direktor ist. Wir lernen nichts über ihn. Zwanzig Minuten dauert es, bis Redford das erste Mal den Mund aufmacht. Sechs weitere Minuten vergehen, bis wir erfahren dass er kein Häftling ist. In der Zwischenzeit sind wir genau wie Brubaker Beobachter. Wir nehmen all die Grausamkeiten auf und bilden uns ein Urteil. Das ist geschickt gemacht.

Der Film ist schrecklich anzuschauen. Man ekelt sich vor der Korruption und vor der Gewalt. Folter ist ganz normal in Wakefield. Brubaker will das Richtige – scheitert aber an dem System, das er ändern will. Von daher kein Happy End. Aber ein sehr guter Film.

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