Filmplakat Flucht von Alcatraz
5,5/10

„Ich finde, alles was man wirklich will, sollte man riskieren.“ (Flucht von Alcatraz, 1979)


Flucht von Alcatraz

Besprechung

In einer regnerischen Nacht im Januar 1960 wird ein Mann auf die Gefängnisinsel Alcatraz gebracht. Dabei handelt es sich um den hochintelligenten Einbrecher Frank Morris (Clint Eastwood). Alcatraz gilt als ausbruchsicher. Es gab zwar Versuche, die sind aber entweder erschossen worden oder ertrunken. Von dieser Insel kommt niemand herunter. Das bekommt Morris auch schnell vom Gefängnisdirektor (Patrick McGoohan) mitgeteilt. Der Abschaum der Gesellschaft landet in Alcatraz und dort soll er auch bleiben.

Morris freundet sich mit dem kauzigen, alten Lackmus (Frank Ronzio) an, aber auch mit dem ebenfalls betagten Doc Dalton (Roberts Blossom), der gerne malt. In der Bibliothek, in der er arbeiten soll, lernt Morris noch den Farbigen English (Paul Benjamin) kennen. Mit wem Morris gar nicht gut klar kommt, dass ist der bullige Wolf (Bruce M. Fischer). Wolf will Morris als seine Geliebte, was der sich nicht gefallen lässt. Ein tätlicher Angriff von Wolf endet damit, dass beide in Isolierhaft landen.

Wieder raus aus dem dunklen Loch kommt Morris die Idee von der Insel zu fliehen. Mittlerweile sind auch zwei alte Bekannte, die Brüder John (Fred Ward) und Clarence Anglin (Jack Thibeau) im Gefängnis aufgeschlagen. Das Trio plant – zusammen mit Morris’ Zellennachbarn Charley Marsch (Larry Hankin) – eine Flucht. Es soll durch einen Versorgungstunnel hinter den Zellen und dann übers Dach gehen. Man will mit Schwimmwesten aus Regenmänteln das Festland erreichen.

Meinung von

Die wahre Geschichte von Frank Morris und den Anglin-Brüdern. Ich fand den Streifen als kleiner Junge wahnsinnig spannend. Heute betrachtet, ist Flucht von Alcatraz doch eher lahm. Eastwood, der zuvor schon mit Regisseur Don Siegel (u.a. Dirty Harry) zusammengearbeitet hatte, spielt sehr wortkarg. Er hat kaum Dialoge. Nun könnte man meinen, er käme mit einem vielsagenden Minenspiel daher. Weit gefehlt. Eastwood ist in seiner ihm üblichen, bärbeißigen Art unterwegs. Hier nichts Neues von Eastwoods Seite aus.

Einmal von seinem mauen Schauspiel abgesehen, geht auch so viel verloren. Es wird nicht so wirklich deutlich, wieso Morris fliehen will. Es ist ja nicht so, wie in Papillon, wo die Haftbedingungen unmenschlich waren. Ja, es ist nicht gerecht, dass Morris dafür, dass er sich gegen Wolf verteidigt in den Bau muss. Und der Gefängnisdirektor ist ein überheblicher Arsch. Es ist aber nicht so, als dass das Essen schlecht wäre oder die Haftbedingungen unterirdisch.

Wer auf Alcatraz landet ist Abschaum. Der soll eine Strafe absitzen. Und er soll sich das Privileg zu arbeiten erst verdienen. Das sagt auch der Direktor. Dennoch kommt Morris schnell in den Genuss eine Arbeit zugewiesen zu bekommen. Der regulierte Informationsfluss, wie angekündigt, geht auch irgendwie flöten, wenn jeder Häftling Zugang zur Bibliothek hat. Es scheint, als würde Morris nur deswegen flüchten wollen, weil der Direktor behaupt hat, Alcatraz sein ausbruchsicher. Handelt Morris weil sein Ego angeknackst ist? Ich dachte, der soll so schlau gewesen sein?

Die Geschichte wird recht flott aberzählt. Es kommt zu keinen großartigen Rückschlägen. In dem Film sind vielleicht zwei oder drei spannende Momente. Also "damals" war Flucht von Alcatraz besser.

Der beste Gefängnisausbruchsfilm ist immer noch Gesprengte Ketten. Der ist wirklich spannend. Lustigerweise referenziert Flucht von Alcatraz diesen Film auch. Der Gefängnisdirektor spricht davon, dass in Alcatraz all die faulen Eier in einem Korb zusammengelegt sind.

Die Flucht soll sich im wahren Leben auch so abgespielt haben, wie im Film gezeigt. Die Flüchtigen haben ebenfalls Kopfattrappen aus Pappmaché auf die Pritschen gelegt, um die Wachen in die Irre zu führen. Als die Flucht erkannt wurde, hatten die drei Männer bereits neun Stunden Vorsprung. Man hat sie nie gefunden. Der Direktor geht davon aus, dass alle ertrunken sein. Allerdings wurden nie die Leichen von den Männern gefunden.

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