Filmplakat Gilda
9/10

„Hass ist das Einzige, was mich jemals erwärmt hat.“ (Gilda, 1946)


Gilda

Besprechung

Johnny Farrell (Glenn Ford) ist ein kleiner Ganove. Er betrügt sehr geschickt beim Spielen. Das hat ihm schon Probleme eingebracht, deshalb hat er sich nach Buenos Aires abgesetzt. Eines Abends wird er von Ballin Mundson (George Macready) aus einer brenzlichen Situation gerettet. Mundson und Farrell sollen sich wieder über den Weg laufen — in Mundsons Casino. Glücksspiel ist in Argentinien verboten, aber Mundson betreibt einen florierenden Laden. Mundson will Johnny rauswerfen, der ist aber so frech und nassforsch, dass er sich einen Job in dem Casino geben lässt. Farrell steigt schnell auf.

Johnny Farrell ist seinem Boss ergeben und würde alles für ihn tun. Er verschließt auch die Augen davor, dass sein Chef wohl nebenbei in anderen illegalen Machenschaften verwickelt ist. Mundson vertraut Farrell irgendwann den gesamten Laden an, weil er verreisen muss. Als der Casinoinhaber zurückkommt, ist alles anders. Mundson stellt seiner Nummer Eins Farrell seine neue Frau Gilda (Rita Hayworth) vor. Was für ein Schock. Johnny und Gila waren mal ein Paar, doch das ging alles sehr unglücklich auseinander. Beide spielen Mundson vor sich nicht zu kennen. Johnny wird der Aufpasser von Gilda, weil Mundson es ihm befohlen hat.

Die Spannung zwischen Gilda und Johnny wird immer größer. Der Druck auf Mundson auch. Irgendwas ist da mit einem Wolfram-Kartell und es gibt auch schon Tote.

Meinung von

Wow. Der Film fängt an und ich bin verliebt. Solche Filme mag ich. Glenn Ford ist verschmitzt, gerissen, vorlaut – ein Typ, den man mögen muss. Er wird gleich bestens vorgestellt. George Macready kommt schnell dazu. Er ist allglatt und gelackt, ihn umgibt etwas mysteriöses, etwas verschlagenes. Da haben sich zwei ungleiche Männer gefunden. Mundson will Johnny aus seinem Spielsalon rauswerfen, weil er falsch gespielt hat, doch der redet sich bei Mundson schön – und so gehen sie eine Geschäftsbeziehung ein. Farrell gibt selber an, dass er ein treuer Hund sein kann. Mundson fragt ihn aber noch vor der Einstellung, ob es eine Frau in Farrells Leben gebe? Nein. Aber wir wissen, dass es ein Jetzt-Nein ist. Da war jedoch mal eine und die hat ihm das Herz gebrochen. Wie gut, dass Mundson und er der gleichen Meinung sind, wenn es darum geht, dass Glücksspiel und Frauen nicht zusammen passen.

Langsam entfaltet sich die gesamte Reichweite der Machenschaften von Mundson. Wir sehen schon ganz am Anfang einen Mann, der kurzfristig eine hohe Summe beim Roulette setzt, den Gewinn verdoppelt und wieder verschwindet. Als Johnny den Mann ein zweites Mal sieht, ahnt er, was hier abgeht. Aber er nimmt es hin, dass Bestechungsgelder bezahlt werden.

Nur Gilda macht ihm das Leben schwer. Die lässt nichts unversucht, um Johnny das Leben schwer zu machen. Sie flirtet vor seinen Augen mit anderen Männern. Johnny muss das hinnehmen und versucht die nebenehelichen Aktivitäten von Gilda vor seinem Chef zu verbergen. Sieht man Rita Hayworth als Gilda, eine Rolle, die sie schlagartig als Glamourgirl und Sexsymbol bekannt machte, dann kann man nur denken: Was für ein Biest. Sie spielt mit Johnny. Ob sie ihn zurück haben will oder nur quälen möchte, wird dabei nicht ganz klar. Beides vermutlich.

Gilda ist ein dichter Film noir. Wir haben Gangster und Verbrechen, einen charismatischen Helden, Licht und Schatten, Tempo sowie natürlich die Femme fatale. Alles da. Die Dialoge sind teilweise großartig und spritzig.

Dann ist da noch der große Knall, wenn Mundson einen unliebsamen Geschäftspartner umbringt und flieht. Smart wie er ist, hat er aber auch diese Flucht geplant. Er täuscht seinen Tod vor und Gilda kann andere Wege einschlagen. Wir sehen Johnny, wie er sich zum Chef des Kartells aufschwingt. Das besiegelt er mit der Ehe von Gilda, die die Alleinerbin ist. Doch hier ist nichts mit Happy End – Johnny hat ebenfalls einen Plan. Er setzt Gilda fest, er lässt sich dafür bluten, was sie Mundson und vor allem ihm angetan hat. Johnny zeigt ein völlig neues Gesicht, das Glenn Ford ebenfalls spielen kann. Nun ist es Gilda, mit der man Mitleiden haben muss.

Rita Hayworth sollte mit Gilda unsterblich werden. Sie schwenkte ihr Haar oder zog sich beim Singen den Handschuh auf eine Art aus, dass jeder verrückt wurde. Die Zusammenarbeit mit Ford war so erfolgreich, dass die beiden damals als Traumpaar gehandelt wurden. Ford und Hayworth – "Die Liebesgöttin", wie sie auch genannt wurde – spielten in noch vier weiteren Filmen zusammen.

Rita Hayworth sollte die weibliche Rolle in Casablanca spielen. Terminprobleme ließen sie aussteigen und – zum Glück Ingrid Bergman – den Part übernehmen. Interessanterweise erinnerte ich mich am Ende auch an Casablanca. Die Dynamik zwischen Johnny und dem Polizisten Maurice Obregon (Joseph Calleia), der schon den gesamten Film über im Casino rumschleicht, lässt eine wunderbare Freundschaft erahnen.

Obregon ist schließlich auch der Typ, der Johnny und Gilda auf den Kopf zusagt, was sie sind: eine toxische Mischung, die sich aber braucht. Die beiden hassen sich so sehr, weil sie sich lieben. Das kommt auch rüber. Es ist ein ständiges hin und her.

Als komischen Aspekt haben wir Onkel Pio (Steven Geray), der den vorlauten, schlauen Toiletten-Mann spielt. Er sieht alles und macht sich zu allem seine Gedanken, die er nur den richtigen Leuten kundtut – dazu zählt auch Johnny.

Anschauen.

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