Filmplakat Die Odyssee

7,5/10

"Liebe ist kein Opfer." — Die Odyssee, 2026

Die Odyssee

Besprechung

Zehn Jahre hat der Krieg um Troja gedauert, die Odysseus (Matt Damon) für seinen Herrscher Agamemnon (Benny Safdie) mit einer List hat gewinnen können. In der Zeit herrschte Odysseus‘ Frau Penelope (Anne Hathaway) als Königin über Ithaka an seinerstatt. In der Zwischenzeit haben sich zahlreiche Freier, darunter auch der hinterhältige Antinous (Robert Pattinson), allabendlich in den Hallen von Penelope eingefunden. Sie nutzen das Gesetz der Zeus’schen Gastfreundschaft aus. Dabei warten sie nur darauf, dass die Königin endlich einen neuen Mann wählt, denn auch wenn man die Geschichte vom Sieg Odysseus kennt, wo ist er nun? Man geht davon aus, dass der König von Ithaka gestorben ist.

Doch Odysseus ist nicht tot. Nach dem Sieg über Troja reist er mit seinen Männern zurück. Dummerweise verärgert Odysseus Poseidon, so dass dieser den Männern aus Ithaka die Heimreise verhindert. Die Gruppe um Odysseus muss viele Abenteuer überstehen, wobei sich die Zahl der Mitstreiter zusehends reduziert, bis Odysseus allein ist und auf der Insel Ogygia, wo er von der Nymphe Calypso (Charlize Theron) zunächst gerettet und dann sieben Jahre lang festgehalten wird. Nur langsam erinnert sich Odysseus an sein früheres Leben und tritt schließlich die Reise nach Ithaka an.

Seit Troja wird Odysseus von der Göttin Athene (Zendaya) geleitet. Odysseus muss einen inneren Kampf ausfechten, wofür Athene ihm den Weg ebnet.

Meinung von

Schwierig, schwierig. Christopher Nolan hat es – vermutlich ungewollt – geschafft, sich selber zu einer "Love-Brand" zu machen: Egal, was Nolan macht, alle lieben es. Und wenn er die Teletubbies neu verfilmt, als Vier-Stunden-Epos, alle würde den Film feiern. Mit Love-Brands habe ich so meine Schwierigkeiten. Ich unterteile die Beurteilung in drei Gruppen: Geschichte, Umsetzung, Schauspiel.

Die Geschichte ist ein alter Hut. Homer hat die Geschichte vor etwa 2500 Jahren geschrieben. Irgendwie, auch wenn man das Buch dazu selber nicht gelesen hat, kennt man sie. Also mein Jahrgang kennt die Geschichte. Jüngere Generationen nur, wenn die Geschichte auf 30 Sekunden runtergedampft wurde und auf TikTok lief ... Das Buch an sich zählt einige hundert Seiten, so viel erzählt Homer. Das kann man nicht alles im Detail nacherzählen. Nolan hat aber alles rausgezogen, was wichtig ist und es in einen Drei-Stunden-Film eingepackt. Es geht zum einen um das "behandle Andere, wie du selbst behandelt werden möchtest" (der Andere könnte ja ein Gott sein) und darum, was Krieg aus den Menschen macht. Menschen führen Kriege, einen nach dem anderen, aber gemacht sind sie nicht dafür. Odysseus ist nach der Eroberung Trojas entsprechend geschockt, wie sich seine Männer verhalten.

Bei der Erzählung geht Nolan zum Glück nicht so vor, dass Odysseus mit seinen Leuten losfährt, den Krieg führt, die große List ausführt, siegt und dann die Irrfahrt nach Hause auf sich nimmt. Nolan zeigt zum einen Odysseus auf Ogygia und dann ganz viele Rückblenden. Das ist ein guter Rythmus, den er hinbekommen hat.

Nolan ist ein Regisseur, der erkannt hat, dass zu viel CGI jedem Film schadet. Je mehr praktische Effekte, echte Drehorte und Requisiten zum Anfassen da sind, desto besser. Alles wirkt echter — weil es echt ist. Die Schauspieler haben etwas, worauf sie reagieren und womit sie interagieren können.

Odysseus und seine Männer werden in einer Episode in der Höhle des Zyklopen festgesetzt. Schaut man sich Making of-Material von z.B. Infinity War an, dann läuft dort Josh Brolin im Motioncap-Anzug herum und hat ein Pappschild mit dem Gesicht von Thanos drauf über sich. Die Schauspieler mussten also ihre Vorstellungs­kraft nutzen. Nolan hingegen hat den Riesen auf zwei Wegen realisiert. Zum einen hat er eine lebensechte, riesige Marionette bauen lassen, die von mehreren Puppenspielern bewegt wurde. Die typischen Marionettengelenke wurden später per Computer "geglättet". Zum anderen hat Bill Irwin in einem Kostüm gesteckt, also so wie Ralph Ineson in Fantastic Four. Echt ist besser!

Die Amis, die Amis ... alles kleine Nazis, die sich darüber aufgeregt haben, dass Nolan z.B. Lupita Nyong'o als Helen angeheuert hat. Ihh, eine Schwarze. Das ist nicht geschichtstreu. — Leute, das ist eine fiktive Geschichte, keine historische Geschichte. Regt Euch ab. Elliot Page als Sinon — für einige Kleingeister ein Affront, weil eine transgender Person mitspielt. Haltet die Fresse! Page, der in Nolans Inception schon mitgespielt hat, füllt in The Odyssee wahrlich nur eine kleine Rolle aus. Wenn er dann im Hades Odysseus anklagt, ist das alles gut gespielt. Page meinte in einem Interview, dass er Angst hatte Nolan zu enttäuschen. Ich behaupte, dass Nolan zufrieden sein kann.

Matt Damon, musste sich für seine Rolle einen langen Bart wachsen lassen. Nolan wollte auch hier Authentizität. Deshalb gab es sogar Nachforschungen, wie sich Wolle und Leinen bei Kontakt mit Salzwasser und unter starker Sonneneinstrahlung verhalten. Die Bronzerüstungen sind nicht, wie in den alten Schinken, goldschimmernd. Vielmehr sind die Bronzerüstungen hier mit Säure und anderen Stoffen behandelt worden, so dass sie dunkel und benutzt aussehen. Solche Kleinigkeiten machen den Film sehenswert. Oder Hades: Da nimmt man einfach mal einen schwarzsandigen Strand in Island, verbuddele Stuntleute in Rüstung – mit Schnorcheln versehen – und filmt das als gruselige Höllenlandschaft. Schon cool.

Kommen wir zum Schauspiel. Neben Matt Damon spielt Tom Holland sehr viel und eine wichtige Rolle in dem Film. Holland ist Odysseus' Sohn Telemachus, der sich dessen bewusst ist, dass er König sein muss, wenn sein Vater tatsächlich tot sein sollte. Er ist Ziel von Antinous, der selber den Thron besteigen will. Dafür muss Telemachus aus dem Weg geräumt werden. Der steckt in der Zwickmühle, dass er Gastfreundschaft walten lassen muss. Er darf nicht aggressiv handeln, sonst kann er herausgefordert werden. Holland macht hier einen guten Job.

Robert Pattinson ist ein herrlicher Fiesling. Er lungert hinter Säulen, integriert mit anderen Freiern. Man möchte ihm schon eine runterhauen, so eklig ist er. Elliot Page habe ich oben schon lobend erwähnt. Überrascht war ich, Mia Goth zu sehen. Die kenne ich nur aus Horrorstreifen wie z.B. X oder auch A Cure for Wellness. Anne Hatheway, die mit Nolan in The Dark Knight Rises zusammengearbeitet hat, ist eine starke Königin, die immer noch eine tiefe Liebe für ihren Odysseus verspürt.

Also eigentlich ist doch alles gut, oder? Ja. Aber irgendwas hat mich gestört. Ich kann den Finger nicht drauflegen. Die große Begeisterung ist bei mir nicht aufgekommen.