Filmplakat Verräter wie wir
6/10

„Geld ist nicht schmutzig, so lange es genug davon gibt.“ (Verräter wie wir, 2016)


Verräter wie wir

Besprechung

Zwischen dem britischen Professor Perry MacKendrick (Ewan McGregor) und seiner Frau, der Anwältin Gail (Naomie Harris), gruselt es. Sie versuchen ihre Beziehung mit einer Reise nach Marrakech zu retten. Hier treffen sie eines Abends auf den Russen Dima (Stellan Skarsgård), der Perry auf eine ausschweifende Party einlädt, während Gail noch arbeiten muss. Auf dieser Party geht es hoch her: Drogen, Pferde auf dem Flur, Vergewaltigung. Perry hat seinen ersten Kontakt mit der russischen Mafia. Dima schmeichelt sich bei Perry ein, um ihm am Ende einen USB-Stick mitzugeben, den Perry in London dem MI6 geben soll.

Es stellt sich heraus, dass Dima der Top-Geldwäscher der Mafia ist, nun aber um sein Leben fürchtet. Der “Prinz” (Grogoriy Dobrygin) hat seinen Vater beerbet und will nun, dass die Geschäfte und Konten auf ihn, bzw. seine Geschäftspartner überschrieben werden. Wenn das passiert ist, ist Dima nicht mehr wichtig und kann eliminiert werden – und mit ihm seine Familie. Das wäre nicht das erste Mal.

In London gerät Perry an Hector (Damian Lewis), der sich des Falles gerne annehmen würde, aber sein Boss Billy Matlock (Mark Gatiss) verweigert ihm die Unterstützung bei diesem Fall, auch weil er vermutet, das Hector aus Eigennutz handelt. Hectors und Billys ehemaliger Chef, Aubrey Longrigg (Jeremy Northam), scheint in die Geschäfte des Prinzen verwickelt zu sein. Longrigg ist mittlerweile ein hohes, politisches Tier und hat seinerzeit dafür gesorgt, dass Hectors Sohn ins Gefängnis kam. Hector nimmt sich dennoch des Falles an und bringt damit das Ehepaar MacKendrick in große Gefahr. Dima hat Informationen, die Hector haben möchte, der Russe will aber nur mit Perry verhandeln.

Meinung von

John le Carré hat diesen Spionage-Thriller geschrieben. Regisseurin Susanna White hat in ihrem zweiten Kinofilm daraus einen ruhigen, klassischen Film gemacht. Es gibt keine wilden Verfolgungsjagden oder andere großen Action-Szenen. Perry ist ein Mann, der sich einen Fehltritt erlaubt hat. Er hat mit einer Studentin geschlafen. Deshalb ist die Beziehung zwischen ihm und Gail auch gestört. Dennoch ist Perry kein Weiberheld, niemand, der Frauen nur benutzt. Wenn er sieht, dass einer Frau Leid angetan wird, stürzt er sich Hals über Kopf in Gefahr, um der Frau zur Hilfe zu kommen. So ist er. Das zeigt White, das verkörpert McGregor.

Ist es das, warum Dima sich an Perry wendet und ihn um Hilfe bittet? Nein. Perry war einfach nur als einziger Nicht-Russe in der Bar anwesend. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Auch als Perry erfährt, dass Dima ein Mafiosi ist, will er helfen. Schon wegen Dimas Kinder. Der Schwede Stellan Skarsgård, den wir schon in Fluch der Karibik 2, Thor und Avengers gesehen haben, spielt seinen massigen Mafia-Russen gut. Man weiß, dass er ein Bösewicht ist, aber gleichzeitig ist er charmant, nett und vor allem fürsorglich. Ihm liegt vor allem alles an der Sicherheit seiner Familie.

Der britische Autor le Carré hat bekanntlich einige Spionage-Romane geschrieben, so auch Dame, König, As, Spion, dessen Verfilmung zwar gut war, aber Verräter wie wir ist noch ein wenig besser. Vielleicht einfach, weil er moderner ist und man sich mehr damit identifizieren kann. Verräter wie wir ist solide Unterhaltung für diejenigen, die gut gezeichnete Charaktere sehen wollen und einen halbwegs komplizierten (nicht wirklich, aber man muss bei dem heutigen Publikum ja schon die Erwartungen arg herab schrauben) Plot präsentiert bekommen mögen.

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