Filmplakat Todesmelodie
7,5/10

„Dort wo Revolution ist, ist auch Konfusion.“ (Todesmelodie, 1971)


Todesmelodie

Besprechung

Juan Miranda (Rod Steiger) ist ein kleiner Ganove, der zusammen mit seinen Söhnen und seinem Vater mitten in der mexikanischen Revolution an den Straßen Leute ausnimmt. Eines Tages fährt ihm John H. Mallory (James Coburn) über den Weg. Der Mann stellt sich als Sprengstoffexperte und als IRA-Verbrecher heraus. John will in Mexiko für eine Silbermine arbeiten. Juan aber sieht mit John eine Chance, die Nationalbank von Mesa Verde auszurauben. John ist wenig angetan. Die beiden Männer pissen sich ständig gegenseitig ans Bein.

Schließlich bekommt Juan John doch dazu, die Bank auszurauben. Auf dem Weg nach Mesa Verde macht sich John allerdings wieder aus dem Staub.

In Mesa Verde angekommen, erkennt Juan die Stadt nicht wieder. Die Revolution hat sie vollkommen verändert. Überall ist Militär, öffentliche Hinrichtungen sind an jeder Ecke zu beobachten. John und Juan laufen sich wieder über den Weg. John macht den Ganoven mit Dr. Villega (Romolo Valli) bekannt, der in Mesa Verde eine Gegenrevolution starten will. Juan sieht keinen Sinn darin, an der Revolution teilzunehmen. Doch dann wird ihm der Auftrag gegeben, in die Bank einzudringen. Das macht er doch gerne.

Was folgt ist eine Ansammlung von Ereignissen, die Juan zum ungewollten Helden werden lassen. Mit all seinen Konsequenzen. So macht der grausame Colonel Günther Reza (Antoine Saint-John) Jagd auf Juan und seine Familie.

Meinung von

Todesmelodie ist der zweite Teil der so genannten Amerika-Trilogie von Kultregisseur Sergio Leone. Eigentlich wollte er nach Spiel mir das Lied vom Tod keinen Western mehr gedreht haben, er wollte bei diesem Streifen nur Produzent sein. Peter Bogdanovich sollte die Regie übernehmen, der lehnte aber ab. Also musste Leone noch einmal einen Western drehen.

Er geht dieses Thema allerdings "anders" an. Leone hatte die Nase voll von der Glorifizierung von Western und von Revolution. Deshalb rechnet er in gewisser Weise mit diesen Themen ab. Die mexikanische Revolution wird anscheinend oft als "saubere Revolution" beschrieben. Leone zeigt, dass das nicht der Fall war. Er leitet den Film mit einem Zitat von Mao Tse-tung ein, wonach eine Revolution immer dreckig und gewalttätig ist. Außerdem zeigt er diverse Hinrichtungsszenen und sogar eine Massenvernichtungsszene.

Juan will nichts mit der Revolution zu tun haben. In einem Streitgespräch mit John erklärt er ihm, dass eine Revolution immer von denen ausgeht, "die lesen können" und die dann diejenigen "die nicht lesen können" anstiften zu handeln. Während sich die Armen und Ungebildeten abschlachten lassen, sitzen die Reichen und Gebildeten sicher zu Hause und essen in Frieden. Das sei immer so. Deshalb würde er nie an einer Revolution teilnehmen wollen.

Blöd nur, dass er John über den Weg gelaufen ist. Der trickst ihn aus und so wird Juan ein Teil der Revolution und nicht genug damit, er wird auch noch ein Held der Revolution. Die Bank enthält nämlich kein Geld mehr ...

John, das lernen wir aus Rückblenden, war in Irland bei der IRA (was so nicht wirklich geht, weil die erst 1913 aufkam, John aber davor schon bei denen gewesen sein soll). Der Ire kennt sich also aus mit Revolution und mit Verrat. Sein Kumpel Nolan (David Warbeck) wurde von den Briten gefasst, verhört und dann verrät er alle Sympathisanten in einer Kneipe. Dafür wird er von John erschossen.

Das mit dem Freund und der Freundin (Vivienne Chandler) habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Nolan kommt als vollkommen gruseliger Typ daher. Wir sehen, wie John Coleen küsst und der hampelt immer um die beiden herum. Alter, such dir selber eine Freundin! In der letzten Rückblende küsst der dann Coleen auch innig und John steht daneben und lächelt. Doch wenn ich mich irre, stirbt am Ende das Lächeln ein wenig. War er sich der Gefühle seines Freundes für sein Mädchen nicht bewusst und hat Nolan John auch in Liebesgeschichten verraten?

Während Juan nichts mit der Revolution zu tun haben will, weiß er, worauf er sich stattdessen verlassen kann: auf seine Familie und auf Freunde. Zwischen Juan und John – auch wenn der Ire den Mexikaner übers Ohr haut – entsteht eine innige, gute Freundschaft. Man kann sich auf den anderen verlassen. Darum ging es Leone auch im Endeffekt – um Freundschaft.

Bei der Besetzung gab es einige Problemchen. Eigentlich sollte Clint Eastwood den John spielen, der wollte aber lieber etwas Kleines spielen. Leone war jedoch der Meinung mit jedem Film immer größer werden zu müssen. Coburn war nach Die glorreichen Sieben und Gesprengte Ketten mittlerweile berühmt, das Studio wollte ihn. Die Rolle des Juan war eigentlich für Eli Wallach geschrieben (Zwei glorreiche Halunken), aber der wollte nicht. Rod Steiger war nach seinem Oscar für In der Hitze der Nacht noch "heiß" und angesagt. Also kam der an Bord. Allerdings haben sich Leone und Steiger überhaupt nicht gut verstanden.

Lustig ist, dass der Film bei uns Todesmelodie heißt, im Original lautet der Titel Giù la testa, was sinngemäß "Kopf runter" bedeutet. Sergio Leone hat eine Übersetzung für den amerikanischen Markt gewählt, die dort für viel Verwirrung sorgte. Der Film lief unter dem Namen Duck You Sucher an. Nach wenigen Wochen verschwand der Film aus den Kinos und kam dann unter dem Namen A Fistful of Dynamite zurück in die Kinos.

Was bei diesem Film auffällt: Er ist sehr langatmig. Sergio Leone war kein Freund der schnellen Schnitte, wie man sie aus dem amerikanischen Film kannte. Also hielt er voll dagegen mit extrem langen Einstellungen. Der initiale Überfall dauert fast 20 Minuten. Was zum Teufel!? Darauf muss man sich einlassen. In Mailand hat man sich nicht dazu durchringen können, den Streifen im Original zu zeigen. Zunächst einmal wurden eh schon viele Szenen gestrichen. Es kam eine 157 Minuten lange Fassung dabei heraus. In den USA kam stattdessen eine 120-Minuten-Fassung in die Kinosäle. Und das Zitat von Mao Tse-tung wurde mal ganz gestrichen. Zu kommunistisch ...

Von der Langatmigkeit abgesehen, ist der Film amüsant und traurig zugleich. Rod Steiger spielt seinen Gangster mit den Hummeln im Hintern super. Coburn ist cool ohne Ende und hat immer ein Lächeln parat. Die Gräueltaten der Revolution bringen den Zuschauer dann wieder runter. Von daher eine Interessante Mischung.

Viele Menschen finden es toll, mir ging das ewige Shaun, Shaun, Shaun von Ennio Morricone auf den Keks.

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