Filmplakat Die glorreichen Sieben
8,5/10

„Zwischen Tapferkeit und Größenwahn gibt es noch einen Unterschied.“ (Die glorreichen Sieben, 1960)


Die glorreichen Sieben

Besprechung

Irgendwo in Mexiko ist ein kleines Dorf mit Farmern, das regelmäßig von Calvera (Eli Wallach) und seinen Männern überfallen wird. Er lässt zwar immer noch genügend zurück, so dass die Dorfbewohner nicht verhungern, aber so kann man nicht leben. Hilario (Jorge Martínez de Hoyos) holt sich Rat beim alten Mann (Vladimir Sokoloff). Der gibt ihm und seinen Männern den Tipp, sich zur Wehr zu setzen, Waffen zu kaufen. Doch die Farmer haben keine Ahnung, wie man mit Waffen umgeht, geschweige denn, wo man welche herkommt. An der Grenze, so der alte Mann.

In einer Kleinstadt an der mexikanisch/amerikanischen Grenze treffen die drei Dorfbewohner auf Chris (Yul Brenner), der ihnen sehr mutig und waghalsig vorkommt. Sie bitten ihn um Hilfe. Chris schlägt vor, Männer anzuheuern, anstatt nur Gewehre zu kaufen. Nach einigem Überlegen ist er an Bord. Nun gilt es, mehr Mitstreiter zu finden. Erster Kandidat ist Vin (Steve McQueen), den er erst kürzlich kennengelernt hat. Dann kommt noch Chris’ alter Kumpel Harry (Brad Dexter) dazu, der mehr wittert bei der Sache, als nur die lumpigen 20 Dollar. Es folgen Bernardo (Charles Bronson), Lee (Robert Vaughn) und der Messer werfende Britt (James Coburn). Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Mexiko, um dem Dorf zu helfen – werden aber verfolgt vom jungen Heißsporn Chico (Horst Buchholz), der Chris bewundert und so werden will wie er.

Der erste Angriff von Calvera und seinen 35 Männern kann abgewehrt werden, doch der Ganove ist selber so verzweifelt, dass er nicht einfach abziehen kann. Der Kampf um die Freiheit des Dorfes geht weiter.

Meinung von

Die glorreichen Sieben basiert auf Akira Kurosawas Die sieben Sumurai. Nur spielt die Geschichte nicht in einem japanischen Dorf, sondern wird typisch amerikanisch ins Western-Milieus verlagert. Es geht um "Hilfe zur Selbsthilfe" auf der einen Seite. Die angeheuerten Revolverhelden zeigen den Bauern, wie man mit Pistole und Gewehr umgeht. Aber da sind noch viele andere Dinge, die nebenbei ablaufen und den Film so besonders machen.

Zunächst einmal die Tatsache, dass die Sieben für magere 20 Dollar ihr Leben riskieren. Nur Harry will hinter der Sache mehr sehen und glaubt an Schätze, die irgendwo verborgen liegen, alle anderen sind sich dessen bewusst, dass es nur ein Hungerlohn ist. Sie haben andere Gründe, an der Befreiungsaktion teilzunehmen. Britt zum Beispiel ist der beste Schütze und macht bei der Sache nur mit, weil er ständig eine neue Herausforderung benötigt. Lee macht mit, weil er das Geld braucht und vor sich selbst flieht. Seine besten Tage als Schütze sind vorbei. Er ist gealtert, langsamer geworden. Nun hat er Angst auf einen Mann zu treffen, der ihn schlagen kann. Das lähmt ihn geradezu. Chico ist dabei, weil er Chris und Vin bewundert. Wie die Farmer sieht er in den Männern Helden. Sie sind bewaffnet, also sind sie furchtlos und somit Helden. Eine ganz einfache Denke. Chico will ebenso sein – kommt er doch selber aus einem Dorf. Er ist hasserfüllt gegenüber den Dorfbewohnern, überheblich und zeigt es ihnen unverhohlen. Dabei hasst er nur sich und seine eigene Herkunft. Lediglich Chris und Vin haben einen Sinn für Gerechtigkeit. Sie wollen wirklich helfen.

Der Film stand zunächst unter keinem guten Stern. Regisseur John Sturges hatte Yul Brynner als Hauptdarsteller schon im Sack – obwohl es zunächst so aussah, als würde Brynner selber im Regiestuhl sitzen. Er hatte immerhin vorher alle Rechte an Die sieben Samurai aufkaufen lassen. Doch es ergab sich anders. McQueen, der bis dahin hauptsächlich im Fernsehen aufgetreten war, wollte den Job so dringend, dass er, um aus seinem TV-Engagement herauszukommen, einen Autounfall inszenierte. Sturges, der später noch einmal mit Steve McQueen und Charles Bronson bei Gesprengte Ketten zusammenarbeiten sollte, konnte seine Darsteller alle innerhalb kürzester Zeit unter Vertrag bringen. Das war wichtig, stand doch ein Schauspieler-Streik kurz vor der Tür.

Die Dreharbeiten selber stellten sich auch als etwas komplizierter heraus, als gewünscht. Steve McQueen wollte immer im Vordergrund stehen, eigentlich wollten alle Darsteller die Rolle von Brynner übernehmen, deshalb war viel Testosteron am Set. McQueen jedenfalls wusste, wie man sich auch ohne viele Worte zur Schau stellt. Da McQueen nicht die Hauptrolle haben konnte, liebäugelte er zudem mit der Rolle des aufbrausenden (und mehr Wörter habenden) Chico. Doch der war mit einem völlig unbekannten deutschen Schauspieler besetzt.

Weitere Schwierigkeit: Nachdem Robert Aldrich sechs Jahre zuvor in Vera Cruz die Mexikaner in keinem allzu guten Licht hat dastehen lassen, wollten diese keine amerikanischen Filmcrews mehr in ihrem Land haben. Um doch noch die Dreherlaubnis zu erhalten, bekamen viele Menschen vor Ort einen Job am Set von Die glorreichen Sieben. Es war zudem eine Zensorin dabei, die ein scharfes Auge darauf warf, wie die Mexikaner in diesem Film dargestellt wurden. So durften sie nicht als "dreckige Mexikaner" gezeigt werden. Während die Helden staubige und verschwitzte Kleidung tragen, sieht man keinen Mexikaner mit einem schmutzigen Kleidungsstück.

Trotz all dieser Schwierigkeiten ist Die glorreichen Sieben ein wunderbarer Western geworden – man sagt, einer der letzten echten Western, bevor der Spaghetti-Western die Leinwände eroberte. Die Hauptpersonen Chris und Vin kommen auch ohne Worte aus, geben sich viele Handzeichen. Und dennoch versteht man alles. Am Ende, Die glorreichen Sieben ist dicht am japanischen Original, erklärt Chris, dass die Farmer gewonnen hätten, seine Männer allerdings hätten verloren. Revolverhelden verlieren immer. Sie haben keine Familien, niemand, der sie betrauert oder sich freut, wenn sie wiederkommen. Die Farmer haben eine Heimat, Familie und eine Zukunft. Hier wird mit dem üblichen Bild es Revolver-"Helden" gebrochen.

Eine gute Geschichte, glaubhafte Antihelden, Emotionen und Schicksale – was will man mehr? Gute Musik! Die Titelmelodie von Elmer Bernstein ist wohl die beste und einprägsamste, beschwingteste Musik für einen Western, die es jemals gab. Käme jemand auf mich zu und fragte mich nach einem typischen Western-Soundtrack, ich würde diese Melodie vorsummen. Großartiges Stück, das auch eine Oscar-Nominierung erhalten hat.

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