Filmplakat Star Wars: Die letzten Jedi
5,5/10

„Leider bist du kein Vader. Du bist nur ein Kind mit einer Maske.“ (Star Wars: Die letzten Jedi, 2017)


Star Wars: Die letzten Jedi

Besprechung

Die Erste Order breitet sich immer mehr aus in der Galaxie. Kylo Ren (Adam Driver) ist sich nach dem Mord an seinem Vater sicherer, dass er zur dunklen Seite gehört. Der Oberste Anführer Snoke (Andy Serkis) ist zufrieden mit den Fortschritten seines Schützlings. Jetzt müssen nur noch die Rebellen des Widerstands endlich ausgelöscht werden. General Hux (Domhnail Gleeson) ist auf einem Riesenzerstörer unterwegs und jagt die letzten Rebellen. Die versuchen noch einen Angriff mit Bombern auf die Schiffe der Ersten Order – wobei der draufgängerische Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) einen Befehl von Admiral Leia Organa (Carrie Fisher) ignoriert, was ihm teuer zu stehen kommt.

Während die Rebellen vor der Ersten Order fliehen, ist die junge Rey (Daisy Ridley) auf Ahch-To, wo sie den im Exil befindlichen Luke Skywalker (Mark Hamill) dazu bewegen möchte, mit ihr mitzukommen. Luke soll eine Schlüsselrolle im finalen Kampf gegen die dunkle Macht spielen. Doch Luke weigert sich auch nur mit Rey zu sprechen. Er hat sich nicht ohne Grund auf der Insel versteckt, auf der die ältesten Bauten der Jedi zu finden sind. Er will nichts mehr mit dem Kampf zu tun haben. Er ist sogar der Meinung, dass es die Jedi verdienen, endlich auszusterben. Rey kann das nicht glauben und versucht alles, um doch noch von Luke Hilfe zu erfahren. Im Endeffekt lehrt er sie einige wichtige Lektionen. Wobei er auch mitbekommt, wie viel Macht die junge Frau bereits besitzt. Macht, wie sie einst sein Neffe Ben Solo auch hatte, bevor er zu Kylo Ren wurde.

Die Rebellen haben also die Erste Order an der Hacke – und werden sie nicht los. Irgendwie hat es die Erste Order hinbekommen, dass sie die kleine Flotte der Rebellen selbst im Hyperraum aufspüren kann. Die Mechanikerin Rose Tico (Kelly Marie Tran) findet heraus, woran das liegt und macht sich zusammen mit dem ehemaligen Sturmtruppler Finn (John Boyega) auf den Weg, eine Lösung für das Problem zu finden. Die Erste Ordern kommt immer näher, die Reihen der Rebellen dünnen immer mehr aus und die Zeit wird knapp …

Meinung von

Was waren wir alle glücklich, als wir aus Star Wars: Das Erwachen der Macht kamen. Ja, J.J. Abrams hatte viele Elemente aus dem ersten Teil, Krieg der Sterne, übernommen, aber das war okay. Wenn nur in Episode VIII – also Star Wars: Die letzten Jedi, eine neue Geschichte mit frischen Ideen käme. Damit waren die Erwartungen an Die letzten Jedi hoch. Was würde Regisseur Rain Johnson (Brick, Brothers Bloom, Looper) daraus machen?

Herr M., der die Moviejunkies begleitet hat, hatte den Film schon zweimal gesehen und er prophezeite mir, dass ich den Film hassen würde. Er selber konnte sich erst nach dem zweiten Kinogang langsam mit Die letzten Jedi anfreunden. Vielleicht muss man das so machen … Ich war jedenfalls schon in den ersten Minuten – wie sagt man so schön? – nicht überzeugt von dem Streifen. Es ist der Humor, der stört. Ja, das gesamte Franchise hat Humor und das ist auch gut so. Markige Sprüche von Han Solo zum Beispiel. Über den Kinderscheiß, verzapft von Jar Jar Binks wollen wir nicht reden … Aber ein wenig erinnerte ich mich an ihn, als ich Die letzten Jedi sah. Humor ist das Eine, Kalauer sind etwas anderes. Und davon hat Die letzten Jedi nicht gerade wenig. Nach den ersten fünf Minuten prangte ein dickes Scheiße, ist das hier ein Kinderfilm? hinter meiner Stirn. Der Film hat so viele schlechte, billige Witze … Schade.

Die Geschichte selber ist in Ordnung, nicht besonders originell, aber gute Unterhaltung. Wir haben die Rebellen, die verzweifelt versuchen vor der Ersten Order zu fliehen. Das ist eine einzige, lange Verfolgung. Das Wort "Jagd" benutze ich mal bewusst nicht. Dann ist da Rey, die versucht Luke zu reaktivieren, der aber auf stur stellt. Ferner haben wir Poe, der hitzköpfig ist und dessen einzige Antwort "Schießen wir drauf!" zu sein scheint. Der wird gar wegen seines Temperaments degradiert. Sein alter Kumpel Finn will das machen, was er schon in Das Erwachen der Macht gemacht hat – er will stiften gehen. Wenn es kritisch wird, zieht der den Schwanz ein. Wie gut, dass da die Mechanikerin Rose ist, die den Ex-Sturmtrupler als Helden ansieht … bis sie mitbekommt, dass er im Begriff war zu desertieren. Die beiden nehmen einen Auftrag an, um die Flucht vor den Sternenkreuzern zu gewinnen.

Mark Hamill hat – bevor er zurückrudern musste – erklärt, dass er nicht mit der Interpretation des Regisseurs zufrieden ist, wie der Luke sieht. Tatsächlich haben wir hier einen "neuen" Luke. Er ist gealtert, verbittert und erfüllt von Pessimismus. Für Hamilll müsste Luke strahlend sein, doch was wir hier sehen ist ein Abklatsch des einstigen Helden. Was mich ehrlich gesagt nicht stört. Hier haben wir mal eine Weiterentwicklung einer Figur vor uns. Luke fasst das Wesen der Jedi ganz gut zusammen, wenn er behauptet, sie seien überheblich und Versager. So wirklich gut im Gewinnen sind sie jedenfalls nicht … Auf der anderen Seite dürfen sie es natürlich auch nicht, da es ein Gleichgewicht geben muss durch die Macht. Im Grunde kann keine Seite wirklich gewinnen (und wir noch für die nächsten vierzig Jahre weitere Star Wars-Geschichten erwarten).

Ich vermute mal, Rian Johnson hat die Geschichte zu Die letzten Jedi im Frühling geschrieben. Woher sollen sonst die vielen Liebeleien kommen? Da knistert es zwischen Kylo und Rey, Rose ist in Finn verknallt und Poe rubbelt seinem Kumpel BB-8 in aller Öffentlichkeit einen. Vor allem das Letzte ist ziemlich verstörend …

Auch wenn ich (beim ersten Mal Anschauen) nicht warm geworden bin mit dem Film, ist ja nicht alles schlecht gewesen. Die Entwicklung von Luke fand ich gut. Die Auflösung, wer Rey Eltern waren war gut – weil absolut nicht erwartet. Wäre das eingetroffen, was wir nach Das Erwachen der Macht erwartet hatten, wäre vermutlich auch niemand damit zufrieden gewesen. Von daher alles gut so, wie Rain Johnson es sich ausgedacht hat. Der "billige Trick" von R2-D2, der Luke dazu bewegt, doch noch einmal über eine Teilnahme am Kampf nachzudenken, war ebenfalls gelungen. Ich mochte Benicio Del Toros Charakter DJ sowie Vize Admiral Holdo (Laura Dern) — auch wenn ich nicht verstanden habe, wieso sie auf dem Schiff hat zurückbleiben müssen. Das, was sie gemacht hat, rechtfertigte ihre Anwesenheit, aber ohne diese Tat hätte sie nicht an Bord zurückbleiben müssen. Ich mochte den kurzen Moment zwischen Kylo und Rey, wenn sie gemeinsam kämpfen und auch ihre "Trennung". Rey als starke Kämpferin ist ebenfalls gut und bietet schön choreografierte Kampfszenen. Ich mochte auch, die Optik der letzten Tat von Holdo. Das schaut auf der großen Leinwand sehr schick aus!

Fun Fact: Es soll wirklich Leute gegeben haben (Amis …), die sich darüber aufregten, dass "der Ton im Kino kaputt gewesen" sei, als Holdo den Hyperantrieb anwirft und bewusst (!) auf den Ton verzichtet wurde. Dass kein Ton im Weltall vorhanden ist, ist erst mal nur natürlich, aber in diesem Fall hat es die Dramaturgie um einige Punkte nach oben gesetzt, dass wir für fast zehn Sekunden keinen Ton hatten. Leute, da war nichts kaputt. Das war beabsichtigt … *seufz*

Was ich nicht mochte, das war der teils dümmliche Humor (z.B. ein hoch kreischender General Hux, wenn er von Kylos Kräften an die nächste Wand geschleudert wird), die Porgs, die Kinder, die Casino-Szene auf Canto Bight (weil zu lang, zu viele Figuren, die man gar nicht wahrnehmen kann und dann auch noch ein Rülps-"Witz"). Ich war auch enttäuscht, als Finn daran gehindert wurde auf dem Mineralplaneten Crait zum Helden zu werden. Das wäre mal eine gute – und konsequente – Geschichte gewesen. Und schließlich: Ja, wir wissen, dass bei Leia die Skywalkerischen Machtgene vorhanden sind. Wir haben sie nie wirklich die Macht der Jedi benutzen sehen. Aber die Aktion mit dem Weltall-Trip und dem Superman-Flug ins Raumschiff zurück … Nein! Das ging zu weit. Das war echt mies.

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