Filmplakat Brick
8/10

„Vielleicht sitze ich auch nur hier und blute dich an.“ (Brick, 2005)


Brick

Besprechung

Irgendwo in Amerika, in einer dieser mittelgroßen Kleinstädte. Brendan (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Teenager an einer Highschool. Seine Ex-Freundin Emily (Emillie de Ravin) ruft ihn völlig aufgelöst an. Sie hat Scheiß gebaut und braucht seine Hilfe. Doch ehe sie mehr erzählen kann, hängt sie auf.

Brendan, der immer noch an Emily hängt, macht sich auf die Suche nach ihr. Sie ist schwer aufzufinden. Deshalb holt er sich Hilfe von The Brain (Matt O’Leary). Brendan ist ein Einzelgänger, der ständig vor sich hinbrütet und jedem aus dem Weg geht. Er geht allerdings nie einem Kampf aus dem Weg. Draufschlagen kann er. The Brain ist einer, der immer hinter der Turnhalle hockt. Auch so ein Ausgegrenzter.

Brendan kommt in Kontakt mit Dode (Noah Segan), einem kleinen Junkie, der mit Emily zusammen ist. Der will nicht sagen, wo Emily ist. Doch Brendan findet einen Hinweis, dem er nachgeht. Der führt ihn auf die Spur des Pins (Lukas Haas), dem hiesigen Ober-Dealer, den aber noch nie jemand gesehen hat. Durch Hartnäckigkeit — und so mache Prügelei später — gelangt er über den Schläger Tugger (Noah Fleiss) an den Pin. — Und dann findet Brendan Emily: tot in einem Abwasserkanal.

Nun geht die Suche los, wer Emily umgebracht hat. War es Tugger? Pin? Wie passt Laura (Nora Zehetner) ins Spiel? Zu wem gehört sie? Zum Pin? Brendan kommt Schritt für Schritt dem Mörder näher und dabei wird es immer heißer um ihn herum.

Meinung von

Ein Film Noir in unserer heutigen Zeit? Ja! Und Regisseur Rian Johnson hat den düsteren, stillen Krimi an einen äußerst ungewöhnlichen Schauplatz verlegt: In eine Highschool. Hier herrscht sowieso immer Schrecken, jetzt also auch noch in Form von Gewalt, Geheimnissen, dem organisierten Verbrechen, Drogen, Sex. Eigentlich erwartet man Humphrey Bogart mit Trenchchoat und Knittergesicht, doch da kommt dieser wütende junge Gordon-Levitt an. Die verruchte Bar ist eine Kostümparty bei einem der reichen Mädchen der Schule. Das verlorene Mädchen ist eine Ex-Freundin, die an der Nadel hängt. Was für eine Idee!

Brick ist ein sehr ruhiger Film. Er lebt von den Dialogen und vor allem von der Skurrilität, dass ein klassischer Detektivfilm der 40er in einer Highschool spielt. Lukas Haas als The Pin ist völlig überzeichnet, mit seinem schwarzen Umhang-Mantel, dem Klumpfuss und dem Spazierstock. Und doch macht der gefürchtetste Drogendealer der Stadt seine Geschäfte aus dem Keller bei seiner Mutter — die den "Freunden" ihres Sohnes gerne ein Müsli und ein Glas Milch serviert.

Die üblichen Cliquen einer Schule werden aufgegriffen und geschickt in den Film eingewoben. Wir haben die Welt der Reichen und Schönen. Die Welt der Junkies und Loser. Außerdem den einsamen Wolf, unseren Helden für etwas über 100 Minuten.

Mir gefällt Gordon-Levitt als Detektiv, der vor keinem Kampf Angst hat. Weder mit der Faust gegen den Quarterback, noch gegen den Co-Direktor der Schule, der ihn als Spitzel einsetzen will. Gordon-Levitts Brendan wird von einem mächtigen Grund angetrieben: Liebe zu einer Frau. Mir gefällt der, wie oben schon beschrieben, völlig überzeichnete Lukas Haas. Dann darf natürlich auch nicht die Femme fatale fehlen, hier in Form der reichen Nora Zehetner. Die Frau ist gefährlich! Wer mir nicht gefallen hat, dass ist der Schläger Noah Fleiss. Der junge Mann kann dann doch eher nicht schauspielern.

Aber ansonsten: Eine klassische Detektiv-Geschichte, ein Film noir vor moderner, jugendlicher Kulisse. Spannende Kameraeinstellungen: wohl in keinem Film der letzten Jahre sah ich so viele Einstellungen aus der Froschperspektive oder Schuhe überhaupt. Rian Jonson spielt zudem gerne mit Unschärfen, z.B. mit dem Wecker im Hintergrund. So was gefällt mir. Die Schlussszene auf dem Football-Feld hat eine Einstellung mit Brendan und Laura, eine Nahaufnahme, die so herrlich altmodisch ist. Einfach toll. Brick bekommt einen mächtigen Skurrilitäts-Bonus! Klasse Film, wenn man sich auf einen ruhigen Film einlassen mag.

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