Filmplakat Looper
7,5/10

„Mach mal was neues!“ (Looper, 2012)


Looper

Besprechung

2070 wird die Zeitreise erfunden und gleich wieder verboten. Nur die Ganoven, die mit viel Geld und Macht, praktizieren noch Zeitreisen. Wenn sie sich ihrer Feinde entledigen wollen, schicken sie sie 30 Jahre in die Vergangenheit. 2044 ist Joe (Joseph Gordon-Lewitt) ein so genannter Looper, ein Killer für die Bosse aus der Zukunft.

Eines Tages wird sein “Loop geschlossen”, das heißt vor ihm erscheint sein Selbst (Bruce Willis) aus der Zukunft. Looper sind Zeugen und müssen somit entsorgt werden. Doch der alte Joe überrumpelt den jungen Joe und entkommt. Das findet der Gegenwarts-Boss Abe (Jeff Daniels) nicht lustig. Er lässt Jagd auf die beiden Joes machen.

Der alte Joe will seine Gegenwart verändern. Ein übermächtiger Krimineller namens “Regenmacher” hat die Zukunft übernommen. Bei der Festnahme vom alten Joe wurde zudem seine Frau ermordet. Das will der alte Joe verhindern. Doch seiner jüngeren Ausgabe ist das egal — er will seine Gegenwart wieder fixen.

Meinung von

Rian Johnson mag ich. Oder besser: seine beiden ersten Filme mag ich gerne. Brick (auch mit Joseph Gordon-Levitt) und Brothers Bloom sind beide auf ihre Art tolle Filme. Da war die Freude auf seinen dritten Streifen natürlich groß. Neben Gordon-Levitt noch den großen Bruce Willis? Na kommt, das muss was werden!

Ist auch was geworden, wenn auch nicht das, was ich erwartet hatte. Ich ging von einer rasanten und vielleicht auch intelligent verzwickten Zeitreise-Geschichte aus. Geboten bekommt man im Grund "nur" Letzteres. Besonders viel Tempo hat der Film nicht. Es wird erst viel Zeit damit verbracht, die Arbeit des jungen Joe zu erklären. Was ist ein Looper? Wie lebt der? Sind die alle drogenabhängig? Was ist ein Loop? Wie funktioniert das mit dem Geschäft? Wer ist Abe und wo kommt der her? Was passiert mit einem Looper, der seinen Loop nicht schließt, also seine alte Version nicht gleich umbringt? Das wird recht ausführlich erklärt, bleibt aber flüssig in der Erzählung.

Wenn dann jedoch der alte Joe auftaucht und den jungen überrumpelt — weil er ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt —, geht es richtig los. Und immer, wenn Zeitreise im Spiel sind, wird das Gehirn des Zuschauers verknotet. Wobei Johnson das alles recht plausibel erklärt. Große logische Lücken sind erst einmal nicht auszumachen.

Der alte Joe will den Regenmacher in der Vergangenheit auslöschen. Denn so kann er seine Frau in der Zukunft nicht umbringen. Doch der Regenmacher ist zu der Zeit noch ein kleines Kind. Es gibt drei potenzielle, zukünftige Mega-Bösewichte. Willis' Charakter will sie alle auslöschen. Das ist tatsächlich ein heikler Moment, wenn er das erste Kind tötet. Den Akt sieht man natürlich nicht, aber man weiß, was er macht. In Actionfilmen kommen ständig Leute um, doch die sind erwachsen. Rian Johnson geht hier einen düsteren Weg … Ist nicht für Jedermann gedacht. Im Kino gab es so manches erschrockenes Gehisse.

Der junge Joe will den alten nur aufhalten und seine Gegenwart wieder haben. Dazu lungert er an der Farm der jungen Mutter Sara (Emily Blunt) herum. Sie ist tough und hat ein etwas schwieriges Kind, Cid (Pierce Gagnon), an der Backe. Ganz ehrlich: der kleine Cid ist den Kinogang wert. Sein Schauspiel zwischen unschuldig und lieb und auf der anderen Seite seine Wutausbrüche sowie sein blanker Hass in den Augen … Schauderhaft gut!

Wenn Looper auf der Farm spielt und man darauf wartet, dass der alte Joe vorbeikommt, dann zieht sich das schon ein wenig. Hier hätte man gerne etwas mehr Tempo gehabt, wenn es auch alles gut erzählt ist. Looper setzt nicht auf wilde SciFi oder verrückte Action, Looper erzählt im Grunde eine Geschichte, in der es um die Liebe zu einem Menschen geht und wie weit man gehen würde, um diesen Menschen zu beschützen. Das Ganze wird gut gezeichnet, hat ein wenig Witz und gut ist. Gefallen haben die netten kleinen Anspielungen an das Alter von Willis.

Etwas verwirrend ist, wenn man Joseph Gordon-Levitt das erste Mal sieht. Was haben sie mit seinen Augenbrauen gemacht? Und irgendwas an ihm ist auch noch anders … Dann, im Laufe des Films, noch bevor Bruce Willis auftaucht, hat Gordon-Lewitt die typische Willis-Mimik drauf. Die Unterlippe wie der junge John McClane und dann erkennt man auch, dass die Nase der von Willis angepasst ist. Schließlich macht es "Klick" und plötzlich macht die Maske Sinn. Gut gemacht. Auch von Gordon-Levitt, der Willis gekonnt nachahmt.

Schließlich darf Willis, der wie in 12 Monkeys wieder in der Zeit zurückreist, auf sein jüngeres Ich trifft und die Welt verändert, noch einmal den John McClane raushängen lassen. Wenn er in der Höhle von Abe losballert, sein Unterhemd blutverschmiert ist, das erinnert ganz klar an Stirb langsam. Johnson muss ein großer Willis-Fan sein …

Man muss mit der richtigen Einstellung in den Film gehen, dann wird er wohl besser sein. Ich hatte die falsche Vorstellung und wurde — trotz guter Geschichte, guter Erzählung und guter Schauspieler — etwas enttäuscht. Vielleicht wird Looper beim zweiten Mal Anschauen besser.

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