Besprechung
New York hat mit Spider-Man (Tom Holland) einen sehr geschäftigen Superhelden. Peter Parker arbeitet unentwegt. Immer mehr Verbrecher landen dank der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft im Gefängnis. Peter ackert wie blöde, weil er den Schmerz vergessen möchte, dass seine große Liebe MJ (Zendaya) sich nicht mehr an ihn erinnert. Dank eines Zaubers kann sich niemand mehr an die Identität von Spider-Man oder Peter Parker erinnern.
Derzeit häufen sich die Angriffe auf die Damage Control Behörde. Spidey findet heraus, dass nicht eine Person hinter den Angriffen steckt. Irgendwas anders nimmt Besitz von Menschen, die dann versuchen in die Behörde einzudringen. Diese Entität kann von Person zu Person „springen“. Sie versucht auch in Peters Gedanken einzudringen, schafft es aber nicht.
Das mag an seinen Spinnengenen liegen, die in letzter Zeit völlig durchdrehen. Peter verändert sich.
Meinung von Nils
Eigentlich hatte ich keinen Bock mehr auf Marvel. Marvel ist ausgelutscht. Sony hat zusammen mit Marvel jedoch eine gute Synergie geschaffen. Die ersten drei Filme um Spider-Man waren gut bis sehr gut. Sie hatten aber auch stets viel Leichtigkeit. In Brand New Day geht es etwas düsterer zu. Vom Grundton her. Peter und MJ waren ein sich innig liebendes Paar. Nun ist diese Liebe – auf einer Seite – erloschen. Peter stürzt sich nicht ohne Grund in die Arbeit. Irgendwie muss er MJ aus seinen Gedanken bekommen.
Vor dem Film gab es ein kleines Video mit einer Ansprache von Tom Holland. Der Brite meinte, mit Brand New Day hätten sie einen witzigen, actiongeladenen, originellen und einen emotionalen Film abgeliefert. Kann ich alles bestätigen. Der Film hat viele gute Witze, Sprüche und Situation — an einer Stelle habe ich so sehr gelacht, dass ich dachte, mir würde der Kopf platzen. Man leidet mit Peter mit, wenn er schon wieder verprügelt wird. Und erst recht, leidet man mit ihm mit, wenn es um MJ geht. Da steckt viel Gefühl drin. Ebenso in der Schlussszene, wenn Peter und Ned den alten Erkennnungshandschlag ausüben. Da kam schon ein wenig Pipi in die Augen. Also bei den Anderen. Nicht bei mir. Niemals.
Normalerweise sind Superheldenfilme so aufgebaut, dass man einen Helden und einen Schurken hat. Werden gleich mehrere Schurken ins Rennen geworfen, schadet das meistens dem Film. Man kann sich dann nicht auf den Bösewicht konzentrieren. Bei Brand New Day ist das alles etwas anders. Wir sehen lange Zeit keinen Bösewicht. Wir wissen um diese "Entität", die in die Menschen springt. Wir erfahren erst später, dass sich dahinter ein Mensch verbirgt. Diese Person findet alles über Peter heraus, ist in seiner Wohnung, findet den Brief an MJ, den er kurz nach dem Zauber an sie geschrieben hat und damit weiß die Person auch, wie sie Peter schaden kann. Er soll ihr nicht in den Weg kommen, wenn sie in die Damage Control Behörde eindringt.
Interessant ist auch, dass die Entität versucht in die Behörde einzudringen, indem sie Besitz vom Scorpion (Michael Mando) ergreift — und viel schlimmer: vom Hulk (Mark Ruffalo). Der Film hat neben Bruce Banner auch Yelena Belova (Florence Pugh) und den Punisher (Jon Bernthal) mit an Bord. Das sind mir eigentlich schon zu viele Charaktere, Regisseur Destin Daniel Cretton schafft es jedoch, alle "Metawesen", die nicht Spider-Man sind, gut ausbalanciert in die Geschichte einzuweben. Yelena ist eine Informantin für Spidey, um die Geschichte voranzubringen. Der Punisher ist sowas wie ein Freund. Spidey sieht es eher so als der Punisher. In einer Geschichte, die wir nicht gesehen haben, soll Spider-Man dem Punisher wohl mal den Arsch gerettet haben und deshalb steht der nun in Spideys Schuld.
Übrigens interessant, dass sie Cretton die Regie für einen Spider-Man-Film gegeben haben, nachdem alle – mit mir als Ausnahme – Shang-Chi gehasst haben. Also, so war mein Eindruck. Und dann dieses wichtige Franchise anvertraut bekommen? Ist ja alles noch 'mal gut gegangen ...
Das Zusammenspiel vom jugendlichen, optimistischen Peter Parker und dem mürrischen, schießwütigen Frank Castle birgt ein schönes Humor-Potenzial. Die beiden gegensätzlichen Helden passen sehr gut zusammen und ihre Interaktionen sind für viele Lacher gut.
Ich habe teilweise sehr doll gelacht. Gleichzeitig hat der Streifen seine traurigen, emotionalen Momente. Also alles so, wie von Tom Holland vor dem Film angekündigt.
Nach Homecoming, Far From Home und No Way Home, ist Brand New Day bei mir klar "weit oben". Sie haben sich echt ins Zeug gelegt und einen tollen Film abgeliefert.