Filmplakat Kong: Skull Island
6,5/10

„Manchmal gibt es keinen Feind, bis man sich einen sucht.“ (Kong: Skull Island, 2017)


Kong: Skull Island

Besprechung

Amerika ist kurz davor aus dem Vietnamkrieg auszusteigen. Der Wissenschaftler Bill Randa (John Goodman) will noch Gelder auftreiben, um eine unerforschte Insel zu erforschen. Er vermutet dort Wesen, die es eigentlich nicht geben dürfte. Erst als sein Assistent Houston Brooks (Corey Hawkins) “die Russen” erwähnt, bekommt Randa seine Gelder. Jetzt braucht er nur noch einen Fährtenleser, den er in James Conrad (Tom Hiddleston) findet. Man schließt sich der geologischen Expedition der Firma Landset an. Was Randa nun noch benötigt, ist militärischer Schutz.

Da Nixon den Vietnamkrieg jetzt doch für beendet erklärt hat, hat Colonel Preston Packard (Samuel L. Jackson) von einer Hubschrauber-Abteilung der Armee, nichts mehr zu tun. Wie gelegen da doch der Anruf kommt, wieder einen Einsatz zu fliegen. Die Kriegsfotografin Mason Weaver (Brie Larson) schließt sich ebenfalls der bunten Truppe an. So reist man zu der Insel, die permanent von einem Unwetter umgeben ist. Mit Hubschraubern geht es mitten durchs Unwetter – und man landet auf einer wunderschönen Insel. Bomben werden abgeworfen, um seismische Untersuchungen vorzunehmen. Was niemand ahnt: Auf der Insel herrscht der riesige Affe Kong als König. Und man wirft nicht ungestraft Bomben in sein Königreich.

Die Expeditionstruppe wird teils dezimiert, der Rest in zwei Gruppen getrennt, die sich nun ihren Weg quer über die Insel ans Nordufer bahnen müssen, um dort in drei Tagen abgeholt zu werden. Doch nicht nur Kong wandelt über die Insel, die, wie die Wissenschaftler herausgefunden haben, weiträumig untertunnelt ist. Auch so genannte Schädelkriecher, riesige Monster, stellen eine große Gefahr für die Menschen dar.

Meinung von

Seit 1933 stampft und brüllt der riesige Affe Kong über die Leinwand. Die letzte Inkarnation stammte von Peter Jackson, der die Geschichte nah am Original hielt, u.a. mit der "Weißen Frau" und dem Kampf hoch über New Yorks Dächern. Inklusive des Falls, weil Kong sich in die Weiße Frau verliebt hatte. Das erspart uns Regisseur Jordan Vogt-Roberts. Seine Geschichte spielt nicht in den 1920ern, sondern 1973. Es gibt keine "Entführung" des Affens in die Zivilisation, er darf am Ende dort bleiben, wo er hingehört.

Schon im Vorspann erinnert Kong: Skull Island ein wenig an Gareth Edwards’ Godzilla. Wir sehen immer wieder das Logo von Monarch, der Institution, die Jagd auf Godzilla gemacht hat. Randa arbeitet ebenfalls für Monarch und ist überzeugt, dass es auf dieser geheimnisvollen Insel Monster gibt. Und er sollte Recht behalten! Kong wirkt zwar als Aggressor, als Biest, jedoch verteidigt er nur sein Land, in das gewaltsam eingedrungen wurde. Viel gruseliger sind da die Schädelkriecher, wie sie der Überlebende aus dem zweiten Weltkrieg, Hank Marlow (John C. Reilly), nennt.

Der eine Teil der Truppe trifft auf Marlow und lernt so einiges über die Kreaturen auf der Insel. Die Truppe unter der Leitung von Packard wird von einem kriegswütigen, hasserfüllten Soldaten angeführt. Packard will wie Ahab Jagd auf den riesigen Affen machen. Das kann nur unglücklich enden.

Kong: Skull Island ist gut erzählt, hat tolle Aufnahmen und gute Ideen. Allerdings bleiben die Figuren alle flach. Tom Hiddleston … ist er die Hauptfigur? Oder wer? Wenn er die Hauptfigur ist, bleibt er sehr blass und zurückhaltend. Oscar-Preisträgerin Brie Larson ist nur schönes Beiwerk, die kaum etwas gescheites sagt und immer ihre Kamera wie eine Waffe vor sich herträgt. Einzig Samuel L. Jackson hat noch etwas Tiefgang — das will was heißen, wenn ich das sage. Seine Figur ist voller Hass. Als der Krieg zu Ende ging, war er geknickt und hatte keine Zukunft mehr, weil er nichts anderes kann als kämpfen. Nun hat er wieder einen Feind. Ein wenig hatte das vom Wahnsinn des General Kurtz aus Apocalypse Now.

Kong hat einen schönen Kampf gegen das Ober-Schädelkriecher-Monster. Das ist wahrlich nett anzusehen, wenn ich mich auch fragte, wie dort, wo der Kampf stattfand, ein Schiff gestrandet sein konnte, dessen Schraube dann – zufällig – eine wunderbare Waffe ergab? Na.

Noch ein völlig blasser und überflüssiger Charakter ist San (Tian Jing). Die junge Chinesin scheint auch nur die Quoten-Asiatin zu sein, bedenkt man, dass die chinesische Produktionsfirma Tencent Pictures an dem Film beteiligt war. So läuft das heute: Gelder aus China holen, dafür darf dann auch ein Chinese mitspielen. Hollywood funktioniert schon seltsam heutzutage. Amerika verliert Boden an den asiatischen Markt, da muss man sich zu helfen wissen.

Kong: Skull Island ist gutes Popcorn-Kino, mehr nicht. Er bleibt aufgrund der fehlenden Identifikationsfiguren nicht haften. Schade. Einzig guter Aspekt: Ganz, ganz am Ende, wenn der fünf Kilometer lange Abspann durch ist, gibt es noch eine interessante Post-Credit-Szene. Hier wird noch einmal explizit auf Monarch eingegangen und es wird erzählt, dass es neben Kong ganz andere Ungetüme gibt, die vor den Menschen da waren und noch heute auf der Erde wandeln. Zum Abschluss gab es dann einen Godzilla-Schrei. Da wird es also noch ein Aufeinandertreffen geben. Vielleicht ist das dann besser.

Oh, und was wieder seltsam anmutete – ich sage jetzt nicht schon wider, dass es tierisch nervte –, das waren die vielen, vielen Schwebepartikel in dem Film. Immerzu wabern irgendwelche Partikel durchs Bild. Natürlich nur für 3D. Weil sonst der Spackenkram keinen Sinn macht. Zum Glück sahen wir den Streifen in 2D. Zwar in der Kindervorstellung, aber in 2D. Bäämmm.

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