Filmplakat Justice League
7,5/10

„He was more human than I am.“ (Justice League, 2017)


Justice League

Besprechung

Superman (Henry Cavill) ist tot. Der Welt ist damit ein großer Hoffnungsträger verloren gegangen. Das spiegelt sich u.a. in hoher Kriminalität wieder. Batman (Ben Affleck) ist sich dessen bewusst. Er hat in Gotham seltsame, fliegende Wesen entdeckt, die seit Supermans Tod aufgetaucht sind. Die scheinen sich von Angst zu ernähren. Batman vermutet, dass “etwas Großes” kommen wird. Der Millionär Wayne kann sich der Bedrohung nicht alleine entgegenstellen. Er braucht ein Team. Wonder Woman (Gal Gadot) bekommt er schnell auf seine Seite. Obwohl zwischen den beiden Helden die Stimmung nicht gut ist.

Weitere Mitstreiter sollen Arthur Curry (Jason Momoa) sein, der Aquaman, sowie Barry Allen (Ezra Miller), dessen Kraft sich Batman noch nicht erschlossen hat. Auch Victor Stone (Ray Fisher) soll helfen, doch den kann man noch schlechter auffinden, als Barry.

Batman braucht das Team dringend. Wie sich herausstellt, ist der Bösewicht Steppenwolf (Ciarán Hinds) auf die Erde gekommen, um hier drei so genannte Motherboxes einzusammeln. Mit Hilfe der drei Boxen will Steppenwolf die “Unity” erzeugen, eine Vereinigung der Boxen, die dann die Erde in seine Welt umwandeln. Das Team muss gegen diesen mächtigen Gegner und seine Horde von Paradämonen kämpfen. Wenn doch nur Superman mit von der Partie wäre …

Meinung von

Justice League stand unter keinem guten Stern. Regisseur Zack Snyder hat sich auf halber Strecke aus familiären Gründen vom Projekt verabschiedet und Serenity-Schöpfer und -Regisseur Joss Whedon hat den Platz im Regiesessel übernommen. Es gab neue Story-Elemente, Nachdrehs und all so lustige Sachen (inklusive schlechte Schnauzbart-Retusche). Also was kam am Ende heraus? Ein okayer Film.

Mir fehlte die Tiefe in der Form, dass man wirklich verstanden und mitbekommen hätte, wie wichtig Superman tatsächlich für die Welt ist. Das wurde angesprochen, aber nicht "gefühlt". Lediglich Bruce Wayne reitet auf dem Thema herum, schlicht und ergreifend, weil er seit Batman v Superman Schuldgefühle hat.

Während Marvel seine Protagonisten vor der Superhelden-Zusammenführung fast alle einzeln betrachtet und erklärt hat, konnte DC lediglich den Man of Steel, Wonder Woman und eben Batman einführen. In ultrakurzer Form sah man Barry, Victor und Arthur in Batman v Superman, aber sonst wusste der Durchschnittskinogänger recht wenig über die neuen Teamplayer. Zugegeben, Bats, Sups und WW sind die JLA. Aber im Film sollte man schon mehr Mitglieder dem breiten Publikum im Vorfeld nahe gebracht haben.

Auf der einen Seite haben wir also den fehlenden, oder zumindest nicht sonderlich ansprechenden, emotionalen Teil der Geschichte. Und dann der "Klassiker" der Fehler bei Superhelden-Filmen, der Punkt, an dem eigentlich alle (bis auf The Dark Knight) kranken: kein vernünftiger, guter Bösewicht. Steppenwolf ist eine reine CGI-Figur, die einfach nur langweilig anzusehen ist. Er ist länger als die Helden, schwingt eine mächtige Axt und hat einen Weltuntergangsplan. Bo-huu — laaangweilig. Wann wird Hollywood wieder einmal einen guten Bösewicht wie Heath Ledgers Joker schaffen?

Justice League ist eine Geschichte von "Wir sammeln mal Superhelden ein", weil da ein großer, böser Gegner ist. Sammel, sammel, kämpf, kämpf, fertig.

Und dann ist da noch die Kleinigkeit, dass Superman wiederbelebt wird. Die Schuldgefühle sind bei Batman zu groß und er sieht eine Chance, den Mann aus Stahl wieder zurückzuholen. Diese Aktion geht auch überraschend glatt über die Bühne. Erschreckend glatt. Im Comic – hier starb er im Jahre 1993 im Kampf gegen einen echt fiesen, guten Doomsday, nicht diesen Höhlentroll-Abklatsch aus Batman v Superman – dauert die Reanimation länger und ist ein Prozess, der nicht von außen angestoßen wird. Die Verzweiflung über den Verlust des strahlendsten Helden ist im Comic auch größer und ehrlicher.

Justice League wird überall in der Luft zerrissen, die Einspiel-Zahlen sind mies, oder zumindest nicht so hoch wie erhofft. Dabei ist Justice League nicht komplett schlecht. Man kann sich gut amüsieren. Das hängt allerdings fast ausschließlich an der Figur von Barry Allen. Er ist ein nervöser, nicht sonderlich sozial begabter und eben super-schneller Clown. Er ist unschuldig, neugierig und nimmt jedem Gespräch "der Großen" die Ernsthaftigkeit. Ohne Barry müsste ich wohl zwei Punkte abziehen.

Die Action und der Bösewicht sind nicht besonders der Rede wert, die reinen Greenscreen-Landschaften, wenn die Liga gegen Steppenwolf in einem abgelegenen Ostblock-Land kämpfen, sind einfach nur schrecklich. Das sind die Dinge, die ich mittlerweile an Zack Snyder-Filmen hasse. Wenn Bats aus seinem Bat-Mobil dicke Geschosse auf Paradämonen abfeuert, ist das natürlich in Zeitlupe und man sieht die Hülse langsam zu Boden gehen ... *gähn*

Entgegen all dem Geunke, ist Justice League nicht so schlecht wie man denkt. Er ist besser als Batman v Superman, einfach aufgrund des Humors. Der Film um das DC-Superhelden-Team kommt jedoch nicht an Man of Steel heran. Das hat nichts damit zu tun, dass Man of Steel die neue Ära des DC-Superhelden-Franchises einläuten sollte und deswegen frisch war. Der Film ist einfach besser. Die Geschichte ist toll, erzeugte Gefühle und hat sogar einen relativ guten Bösewicht. So bleibt Justice League ein wegen Barry Allens Figur lustiger Film, den man sich anschauen kann, aber nicht muss.

Wenn der Abspann losgeht: Nicht den Saal verlassen oder das Heimkino ausschalten. Da kommt noch eine nette Szene mit dem Flash und Superman. Ganz am Schluss gibt es dann auch einen Ausblick auf eine potenzielle Geschichte, die da noch kommen könnte (wenn die Zahlen stimmen).

Übrigens auch sehr, sehr schön: Wenn Superman auf der Bühne erscheint und Steppenwolf das erste Mal vermöbelt, ertönt im Hintergrund ganz kurz das Superman-Theme aus dem Richard Donner-Film von 1978; also die markante Melodie von John Williams. Herrlich!

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