Filmplakat Hostile
5/10

„Look at it until you see the beauty within.“ (Hostile, 2017)


Hostile

Besprechung

Juliette (Brittany Ashworth) fährt durch eine verödete Landschaft außerhalb eines post-apokalyptischen New Yorks. Sie ist auf der Suche nach Essen und Benzin. Das macht sie, um eine Gruppe von mehr als 30 Menschen zu versorgen. Eines Tages verunglückt sie mit ihrem Lastwagen. In der Nacht wacht sie schwer verletzt auf. In der Dunkelheit ist zumindest ein Wesen, das Juliette gefährlich werden kann. Das Monster streift um den Laster herum, will an die Verletzte herankommen.

Während die junge Frau um ihr Leben kämpft, sehen wir immer wieder Rückblenden in ein anderes Leben von Juliette. Bevor das Leben so harsch und grausam wurde, lebte sie in New York. Eine Drogenabhängige und Dealerin. Sie lernte den reichen Galeristen Jack (Grégory Fitoussi) kennen und mit der Zeit auch lieben.

Die Nacht scheint kein Ende nehmen zu wollen und Rettung ist nirgends in der Nähe.

Meinung von

Erster Film für mich auf dem Fantasy Filmfest White Nights, die dieses Jahr erstmal stattfinden. Ein kleiner, bescheidener Film. Alles ist ein wenig Mad Max-ähnlich. Irgendwas ist passiert, so dass die Erde nicht mehr so ausschaut, wie wir es gewohnt sind. Eine öde Wüste mit sengender Sonne, das ist die Welt von Juliette im Hier und Jetzt. Jeder kämpft ums Leben, einige haben sich zu Gruppen zusammengefunden. Früher lebte Juliette ein vollkommen anderes Leben. Für eine kurze glückliche Zeit mit Jack.

Autor und Regisseur Mathieu Turi hat früher nur bei Teilen von Filmen Regie führen dürfen. Der Franzose assistierte u.a. bei Inglourious Basterds (okay, keine gute Referenz), aber auch bei Sherlock Holmes – Spiel im Schatten oder R.E.D. 2. Hostile soll sein erster große Film sein, bei dem er alleine Regie führte. Wobei “groß” übertrieben ist. Viele Schauspieler sind nicht dabei und er hat auch “nur” 1,2 Mio Dollar gekostet. Knappe 80 Minuten verfolgen wir den Kampf von Juliette, wie sie in der vor-apokalyptischen Zeit und in der post-apokalyptischen Welt zurechtkommen muss.

Die unheimlichen Wesen, die wir zunächst nur hören, erinnern am Ende etwas an die Vampire aus I am Legend. Aber auch nur vom Aussehen. Wobei die ja eher aus dem Rechne kamen, in Hostile schleicht Javier Botet um Juliette herum. Eine nicht uninteressante Idee, sie mitten im Nirgendwo in einen umgestürzten Laster zu platzieren und das entstellte Wesen wie einen Hai um sie herumlaufen zu lassen. Das wirkt an der einen oder anderen Stelle bedrohlich. Wenn das Wesen mit langen, fahlen Fingern nach Juliette greift, ging die Frau, die neben mir war, richtig ab. Die hat sich sehr erschrocken. Dabei ist der Schreckmoment relativ verhalten.

Die Rückblenden kommen gefühlt immer schneller und enthüllen mehr und mehr von Juliettes früherem Leben. Sie dealte, sie log, sie konnte nicht lesen. Da kam Jack wie ein Ritter auf weißem Ross daher. Die Beziehung war glücklich, bis sie erschüttert wurde und schließlich zerbrach. Ein Zufall brachte die Beiden zusammen und das Schicksal trennte sie.

Wir sehen einen Giftgasanschlag auf New York an dem Tag, an dem sich Juliette und Jack trennen. Ob das der Anfang vom Untergang war, wissen wir nicht. Wie es zu dieser Postapokalypse kommen konnte oder woher die unheimlichen Wesen kamen – wird alles nicht erklärt.

Hostile ist nun kein Meisterwerk und ich fragte mich auch so manches Mal was mir Turi sagen wollte, was der Film sein soll. Erst gen Ende verrät er an einer Stelle, wie das Ende ausgehen wird. Mehr oder weniger mit einer Szene dreht Turi die Geschichte zu einem überraschenden Ende (wenn man vorher nicht aufgepasst hat). Das war gut gemacht. Der Film hat am Ende das Thema Schicksal und ewige Liebe als Thema. Gesehen haben muss man Hostile nicht unbedingt, schadet aber auch nicht.

Wenn sich Juliette und Jack in seiner Galerie treffen, reden sie über Bilder von Francis Bacon. Juliette findet sie hässlich, doch Jack fordert sie auf, genauer hinzuschauen. Das Erlebnis hatte ich mal in einem Museum in München mit einem Triptychon von Bacon. Es war hässlich und grausam — und doch konnte ich nicht wegschauen, so faszinierend ist seine Kunst.

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