Filmplakat Die Reise ins Labyrinth
7/10

„Du brauchst mich nur zu fürchten, nicht zu lieben.“ (Die Reise ins Labyrinth, 1986)


Die Reise ins Labyrinth

Besprechung

Die 16-jährige Sarah (Jennifer Connelly) hat die typischen Probleme einer Heranwachsenden. Ihre Stiefmutter (Shelly Thompson) geht ihr auf den Keks und Sarah fühlt sich ständig von ihr unterdrückt. Dann muss sich Sarah auch noch immerzu um ihren kleinen Bruder Toby (Toby Froud) kümmern. Niemand scheint mal zu fragen, was Sarah will.

Als ihre Eltern ausgehen und Toby nervt, wünscht sich Sarah, dass Kobolde ihren anstrengenden Bruder holen mögen. Ihr Wunsch wird erhört. Toby ist nun im Reich der Kobolde und der Jareth,König der Kobolde (David Bowie), erklärt ihr, dass das auch so bleibt. Es sei denn, die junge Frau schafft es innerhalb von 13 Stunden durchs Labyrinth und in sein Schloss. Schafft sie es nicht, wird Toby ein Kobold.

Sarah versucht durch das riesige Gewirr von Gängen zu gelangen. Dabei stolpert sie über Hoggle (Shari Weiser), der sich gegen Bezahlung darauf einlässt, Sarah durchs Labyrinth zu bringen. — Bis Jareth Hoggle den Befehl gibt, genau das Gegenteil zu machen. Der Kobold will gehorchen, schon weil er riesige Angst vor seinem Chef hat. Doch Sarah ist nett zu ihm und bisher war nie jemand nett zu ihm.

Meinung von

Nachdem Muppet-Meister Jim Henson Der dunkle Kristall geschaffen hatte, wollte er diesmal etwas mit Puppen und Menschen machen. Irgendwas, wo der Bösewicht ein Rockstar ist. Hmmm. Oder von einem Rockstar dargestellt wird? So nahm allmählich die Idee von Die Reise ins Labyrinth Gestalt an. Als Hauptfigur fand Henson die bis dahin ziemlich unbekannte Jennifer Connelly, die vorher erst in Es war einmal in Amerika auf der Leinwand stand.

Wie man es von Henson gewohnt ist, strotzt der Film nur so vor fantastischen Ideen. Die Kobolde sind alle individuell und keine Massenware. CGI gab es damals noch nicht wirklich, also wurde der Großteil mit echten Puppen realisiert, wo überall einer oder mehrere Puppenspieler ihre Finger drin hatten. Für Hoggle hatten sie zum einen die Schauspielerin Shari Weiser, die in der Puppe steckte und herumlief. Der Kopf war jedoch eine typische Animatronik-Puppe, bewegt von drei Puppenspielern (darunter auch Jim Henson Sohn Brian). Man muss sich das vorstellen: da bewegt sich ein Mensch in die eine Richtung und alles, was im Gesicht abgeht, wird von drei anderen Menschen gesteuert: Augenbewegung, Augenbrauen, Mund. Eine wahnsinnige Leistung!

Der Starman Bowie ist bestens für die Rolle des charmanten und doch gefährlichen Kobold-Königs geeignet. Er verkörpert alles, was für von ihm erwarten. Und er ist genau das, was Sarah von ihm erwartet. Am Ende scheinen die Abenteuer im Labyrinth nur ein Traum gewesen zu sein, der Sarah aufzeigt, was wichtig ist. Ihr kleiner Bruder ist nicht der Böse und Jareth die Gefahr, die sie brauchte, um ihre Ängste und Unsicherheiten zu überwinden. Wir sehen den edlen Fuchs-Degenmeister Sir Didymus in Sarahs Schlafzimmer bevor sie ins Labyrinth geht. Ihr Hund Merlin ist in Sarahs Fantasiewelt der Reithund von Sir Didymus. Wir sehen auch einen Druck von M.C. Eschers "Relativity". Später soll sie in einer ähnlichen Raumsituation hinter Toby herjagen. Das sind alles Hinweise darauf, dass sie träumt.

Der Film ist ein Musical, die Musik hauptsächlich von David Bowie geschrieben und vorgetragen. Das war früher so. Ein Film hatte eingängige Musik, die man im Radio spielen und anders vermarkten konnte. Musik wurde mit einem Film eng verknüpft. Ich denke da an Queens Musik zu Flash Gordon bzw. zu Highlander, aber auch Kenny Loggins' Hits aus Footloose. Trotz der Tatsache, dass hier effing David Bowie die Musik beisteuerte, hatte der Film nur mäßigen Erfolg. Ich vermute, er ist zu fantastisch und "kindlich". Es fand sich nicht das richtige Publikum. Auch ist die Geschichte – wenn wir mal ehrlich sind – etwas lahm Die Puppen sind die Hauptattraktion.

Meine Fresse, was haben die für Ideen gehabt! Der Schacht mit den sprechenden Händen, in den Sarah fällt – Alter, fand ich den damals gruselig! Die Feuerdämonen, die sich ihre Glieder abreißen und mit Köpfen durch die Luft werfen: blanker Horror für mich damals. So gut die Idee auch ist, da sie kein CGI eingesetzt haben, sondern echte Puppen, mussten sie sich etwas einfallen lassen, das zu bewerkstelligen. Damals fand ich die Umsetzung schon schlecht, aus heutige Sicht ist sie unterirdisch. Aber sie haben es versucht!

Also: Muppets, fantastische Wesen, netter Witz und Musik von David Bowie. Das ist Die Reise ins Labyrinth. Ist ein Sonntagnachmittagfilm.

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