Filmplakat Footloose
7/10

„'N Hasenfußrennen mit Treckern!?“ (Footloose, 1984)


Footloose

Besprechung

Bomont ist eine kleine, verschlafene Stadt, irgendwo in Amerika. Ren MacCormack (Kevin Bacon) kommt mit seiner Mutter Ethel (Frances Lee McCain) aus Chicago in die Kleinstadt. Seine Mutter will hier – u.a. nach dem ihr Mann sie verlassen hat – bei ihrer Schwester unterkommen. Ren fällt gleich in der Highschool auf. Nicht nur, wie er sich kleidet, er hat auch Sinn für Musik und will dazu tanzen. Doch tanzen ist in Bomont verboten, nachdem Jugendliche im Rausch ums Leben kamen. Als größter Verfechter des Tanzverbotes tritt der Reverend Shaw Moore (John Lithgow) auf, der es nicht müde wird, von der Lasterhaftigkeit der Musik zu predigen. Sein Sohn kam bei dem Vorfall ums Leben.

Ariel Moore (Lori Singer), die Tochter des Predigers, leidet besonders unter den Ansichten ihres Vaters. Dass Ren auftaucht, ist für Lori, die eigentlich mit Chuck (Jim Youngs) zusammen ist, von großem Interesse. Ren hält die junge Rebellin allerdings für eine dumme Kuh.

Ren freundet sich mit Willard Hewitt (Chris Penn) an, der dem Jungen aus der Großstadt erklärt, wie der Hase in dieser Stadt läuft. Der Neuling will es nicht wahrhaben, dass man in Bomont nicht tanzen darf. Er leidet darunter und tritt vor den Stadtrat, um für die Jugendlichen die Erlaubnis zu erhalten, eine Tanzveranstaltung durchführen zu dürfen. Dafür muss er erst einmal an dem Reverend vorbei.

Meinung von

Okay, aus heutiger Sicht betrachtet, ist ein Tanzverbot völliger Schwachsinn. Obwohl … in Amerika ist alles möglich. Tatsächlich gab es eine Stadt, die 120 Jahre lang ein Tanzverbot auferlegt bekommen hatte, bis sich die Jugendlichen gewehrt haben.

Zwar war Kevin Bacon vorher schon in einigen Filmen aufgetreten, Footloose sollte dann jedoch sein Durchbruch werden. Bacon wurde ein Held der 1980er. Zugegeben, ich war noch zu jung, um den Film im Kino zu sehen, aber den Soundtrack hatte ich als Schallplatte und die lief rauf und runter. Das ist auch der wirkliche Erfolg des Films: die Musik. Allen voran das titelgebende "Footloose" von Kenny Loggins, aber auch andere Hits wie "Let's hear it for the boy" (Deniece Williams) oder "Holding out for a hero" (Bonnie Tyler) sowie Kenny Loggins zweiter Titel "I'm free" liefen damals ständig im Radio. Film und Musik funktionierte damals in den 80ern noch.

Neben Bacon war natürlich die weibliche Hauptrolle Lori Singer im Scheinwerferlicht zu sehen. Damals mag sie ja aufregend gewesen sein, schaut man sich den Film heute an, ist die Figur der Ariel wirklich eine dumme Kuh. Sie versucht gegen ihren Vater aufzubegehren – das ist ja nicht schlimm, das ist natürlich und gut –, bricht aber immer wieder ein. Nur Ren bleibt von Anfang bis Ende ein "Rebell". Er bleibt auch standhaft, wenn die Stadt gegen ihn und seine Familie vorgeht. Seine Mutter verliert ihren Job, das Geschäft seines Onkels geht noch schlechter als es ohnehin schon ging. Bomonts Bürger machen eine Mini-Hetzjagd auf die Familie der MacCormacks.

Obwohl der Reverend strikt gegen die Musik ist, als die Bürger "anstößige" Bücher verbrennen, schreitet der Prediger ein. Das geht zu weit. Vielleicht ist das – zusammen mit den Worten seiner Frau Vi (Dianne Wiest) – ein erster Ansatz zur Einsicht beim Reverend. Dennoch braucht es lange, bis er auf Ren zugeht.

Mitte der 80er war der Film einer der Top-Musikfilme (neben Flashdance). Wie gesagt, damals in der Prä-Internet-Zeit war man ganz heiß auf Musikfilme, da sie einem mit einem Schwung einen Haufen frischer Lieder präsentierten, die dann mit Filmausschnitten als Musikvideos auf MTV liefen. Das Gefühl der Befreiung, das durch den Tanz von Ren vermittelt werden soll, kann man heute wohl nicht mehr nachvollziehen. Zu seiner Zeit war es wichtig und richtig.

Heute kann man Footloose eigentlich nur noch aus sentimentalen Gründen anschauen, wenn man damit aufgewachsen ist und den Soundtrack in der Endlosschleife hatte. Für einen Jugendfilm, der das Aufbegehren der Heranwachsenden zeigen soll, gibt es nur einen Herausforderer, nämlich Ren. Alle anderen Jugendlichen sind zwar Nutznießer der Aufhebung des Tanzverbotes, aber dafür leisten sie nichts. Es gibt einen Sentimentalitäts-Punkt.

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