Filmplakat Es war einmal in Amerika
8,5/10

„Ich kehre nicht in die Vergangenheit zurück.“ (Es war einmal in Amerika, 1984)


Es war einmal in Amerika

Besprechung

David Aaronson (Scott Schutzman Tiler), der von allen nur “Noodles” genannt wird, treibt im Brooklyn der 1920er sein Unwesen zusammen mit seiner kleinen Gang. Noodles und Patsy (Brian Bloom), Cockeye (Adrian Curran) und Dominic (Noah Moazezi) arbeiten für Bugsy (James Russo). Sie erledigen Diebstähle, treiben Geld ein, legen auch schon mal bei einem säumigen Gläubiger Feuer. Eines Tages kommt Max (Rusty Jacobs) aus der Bronx in die Gegend. Noodles und er werden dicke Freunde. Als die Gang sich von Bugs zu emanzipieren versucht, kommt der jüngste im Bunde, Dominic, ums Leben. Noodles bringt Bugsy und einen Polizisten um. Dafür kommt er für lange Zeit ins Gefängnis.

Als Noodles (Robert De Niro) aus der Haftanstalt endlich entlassen wird, holt ihn Max (James Woods) ab. Max, Patsy (James Hayden) und Cockeye (William Forsythe) haben das damals ergaunerte Geld vermehrt. Noodles ist natürlich Partner. Als Leichenbestatter getarnt, betreibt das Quartett einen florierenden Alkoholhandel. Es ist die Zeit der Prohibition. Doch die neigt sich auch einem Ende zu. Die vier Freunde müssen neue Einnahmequellen finden und gehen dazu über, im Spiel Politik/Gewerkschaften mitmischen.

Max wird dabei immer skrupelloser. Er und Noodles geraten immer öfter aneinander. Die letzte Fuhre Alkohol soll den Abschluss des Alkoholschmuggels einläuten. Noodles verpfeift Max, damit der sich nicht in ein Selbstmordkommando verfängt. Allerdings kommt es zu einem Unfall, bei dem alle außer Noodles ums Leben kommen.

35 Jahre später, im Jahre 1968, kommt der gealterte Noodles zurück nach Brooklyn. Jemand hat ihm einen Brief geschickt, der ihm sagen soll, dass sich Noodles nicht mehr verstecken kann.

Meinung von

Sergio Leone nahm sich für Es war einmal in Amerika des Buches The Hoods von Harry Grey an. Es war einmal in Amerika sollte nicht nur der letzte Film des italienischen Regisseurs werden, sondern auch der Abschluss der "Amerika-Trilogie" (Spiel mir das Lied vom Tod und Todesmelodie waren die Vorgänger).

Leone nimmt sich viel Zeit, dieses Gangsterepos, das beinahe über 50 Jahre geht, zu zeigen. Ich hatte die beinahe vier Stunden lange Version vorliegen. Die Erzählweise ist nicht chronologisch. Wir fangen dort an, wo der Unfall passiert ist und Noodles seine drei Freunde tot auf der Straße liegen sieht. Er flüchtet in eine Opiumhöhle. Der Film springt immer wieder zwischen den Zeitsträngen hin und her.

Die jungen Schauspieler, die Noodles und Co. in den 1920ern zeigen, sind alle bestens besetzt. Mit Kindern kann man viel falsch machen. Aber alle machen einen guten Job. Niemand wirkt aufgesetzt oder "falsch". Wir sehen auch die junge Jennifer Connelly in ihrer ersten Filmrolle. Sie spielt Deborah, die Schwester von Fat Moe (Mike Monetti) und das Ziel von Noodles' Begierde. Sie ist eine junge Tänzerin, die von ihrem Vater verwöhnt wird und Noodles gegenüber sehr überheblich daherkommt.

Die "alte Riege" ist entsprechend gut besetzt. Robert De Niro, der mit Der Pate II seinen Einstieg ins Gangster-Epos schaffte (für mich immer noch seine beste Rolle), ist hier als der Gute zu sehen. Kriminalität ja, aber nicht um jeden Preis. Sein 68er-David steigert die Ruhe, die er in den 30ern hatte um noch einiges. Das ist das Alter, aber auch einfach eine ungeheure Müdigkeit. Über 30 Jahre war er auf der Flucht.

Wie es sich für ein Epos handelt, für ein groß angelegtes Drama, hält Es war einmal in Amerika noch einige Überraschungen parat. Wer hat ihm den Brief geschickt, der darauf hinweist, dass seine drei Freunde in ein Mausoleum verlegt werden? Wer ist der mysteriöse Staatssekretär, der ihm eine Einladung zukommen lässt?

Das deckt Leone natürlich auf. Max war nicht unter den Toten damals auf der Straße. Er hatte von dem Verrat seines Freundes Wind bekommen und Vorbereitung treffen lassen.

Zwei große Fragen lässt der Film offen und wir werden nie erfahren, was es damit auf sich hat. Die eine Frage ist, ob Max, nachdem David ihm nicht den Gefallen erweisen hat, ihn umzubringen, tatsächlich in den Müllwagen gesprungen ist. Die andere Frage, die offen bleibt ist, ob das alles nur ein Traum war. Wir sehen nach der Müllwagen-Szene den 1930er-Noodles, wie er nach dem Unfall in die Opiumhöhle flieht. Hier fängt er an zu rauchen. Die Kamera zeigt den auf dem Rücken liegenden Noodles, wie er breit zu grinsen anfängt – der Rausch kickt rein. Hat er alles, was danach kam nur geträumt?

Wie gesagt, habe ich die beinahe vierstündige Fassung gesehen. Lang ist der Film, aber nie langweilig. Interessant ist, dass das Studio den Film bei der Erstveröffentlichung komplett umgeschnitten und gekürzt hatte. zudem brachten sie ihn in chronologische Reihenfolge – was dem Film überhaupt nicht gut tat. Es war einmal in Amerika floppte an den Kassen. Erst der Leone-Schnitt macht aus dem Film einen so guten Stoff.

Wie schon beim Paten gesehen, ist die Musik extrem wichtig. In den 1980ern war Ennio Morricone voll angesagt. Er schuf für Es war einmal in Amerika eine einmalige Musik, die der Zeit angepasst ist. Cockeye spielt immerzu auf seiner Panflöte. Eine Melodie, die sich wie die Der Pate-Melodie von Nino Rota ins Gedächtnis brennt. Und wer könnte das Bild der jungen Gangster vergessen, wie sie zwischen den Häusern Brooklyns gehen und im Hintergrund die Manhattan Bridge zu sehen ist? Da hat Sergio Leone schon Filmgeschichte geschrieben mit Es war einmal in Amerika.

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