Filmplakat Die Abenteuer von Tim und Struppi
8/10

„Niemand klaut mir mein Schiff zweimal!“ (Die Abenteuer von Tim und Struppi, 2011)


Die Abenteuer von Tim und Struppi

Besprechung

Tim (Jamie Bell) entdeckt auf einem Flohmarkt das Model eines alten Schiffes. Gleich stehen zwei Männer neben ihm und wollen das Schiff kaufen — koste es, was es wolle. Das weckt die Neugierde des jungen Reporters, er wittert eine Story.

Der junge Mann gerät dabei an den zwielichtigen Sakharine (Daniel Craig), der ein baugleiches Schiff auf seinem Wohnsitz Schloss Mühlenhof hat. Tim muss feststellen, dass irgendjemand hinter dem Schiff her ist, bis er schließlich sogar entführt wird. Sein Hund Struppi kann seinem Herrchen auf das Schiff Karaboudjan folgen.

Hier trifft Tim nicht nur erneut auf Sakharine, sondern auch erstmals auf den Kapitän des Schiffes, einen gewissen Kapitän Haddock (Andy Serkis), der von seiner Crew, allen voran von seinem ersten Offizier Allan (Daniel Mays) hintergangen wurde. Haddock sowie Tim und Struppi können fliehen. Tim weiß, wohin Sakharine will und was er vorhat. Das gilt es zu verhindern. Dass Haddock ständig an Alkohol denkt, macht die Mission nicht leichter. Die Drei sind genau wie Sakharine auf der Suche nach einem Schatz, einem Schatz von Haddocks Vorfahren Frantz Ritter von Hadoque.

Meinung von

Als ich zum ersten Mal den Trailer sah, war ich sehr skeptisch. Richtig mächtig skeptisch. Aber als der Streifen schließlich lief, hörte ich von allen Seiten nur Positives über den Film. Na gut, dann wollte ich ihn auch sehen. Aber bitte nur in 2D. Doch das wird einem schwer gemacht, da diese Vorstellungen lediglich Nachmittags laufen. Egal. Wir haben es geschafft. Zusammen mit vielen Kindern, hockten wir an einem Sonntag in der Kindervorstellung des Cinemaxx.

Zunächst einmal fängt der Film schön an, da er einen liebevollen Vorspann hat, etwas, das Regisseur Steven Spielberg gerne macht, so z.B. auch bei Catch Me if You Can. Die erste Szene spielt dann auf dem Flohmarkt, wo wir das erste Mal mit der Computer-Figur des Tim konfrontiert werden. Aber: Spielberg hat am Anfang des Films noch eine kleine "Brücke" zu den Comics geschlagen, wenn sich Tim von einem Straßenkünstler zeichnen lässt. Nette Idee.

Die Computergrafiken wirken alle sehr realistisch, was bei den Figuren etwas seltsam anmutet. Die sind zwar auch "vermenschlicht" und an ein reales Aussehen angelehnt, aber man soll natürlich die Comic-Vorlagen, die wir alle in- und auswendig kennen, erkennen können. So kommt eine seltsame Mischung aus Real- und Comic-Animation heraus. Man gewöhnt sich aber schnell daran.

Die Geschichte von Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn ist ein Schmelztiegel aus hauptsächlich drei bekannten Hergé-Comics. Zum einen haben wir "Das Geheimnis der Einhorn" von 1943 und den Nachfolgeband "Der Schatz Rackhams des Roten" von 1944. Die Geschichte mit dem Kennenlernen zwischen Tim und Kapitän Haddock ist dem Comic "Die Krabbe mit den goldenen Scheren" (1940) entnommen, in dem tatsächlich das ersten Zusammentreffen der beiden Freunde stattfand. Überhaupt finden sich über den Film verteilt diverse Anspielungen an andere "Tim und Struppi"-Bände. Die Krabbe taucht immer wieder auf. Wir sehen Bianca Castafiore (aus "Die Juwelen der Sängerin" von 1960). Irgendwo sieht man auch die berühmte Rakete aus "Reiseziel Mond" (1952) stehen.

Es gibt Kultur-Dödels von Zeitungen und Magazinen, die sich sehr negativ über den Film ausgelassen haben. Da wurde z.B. von digitaler Schändung gesprochen oder einem zahmen Best-of. Ich bin zufrieden mit der Arbeit, die Spielberg abgeliefert hat. Die Geschichte ist zwar zusammengestückelt, aber eine 1:1-Umsetzung eines Hergé-Bandes wäre nicht gut gewesen. Die gab es schon — in reiner Zeichentrick-Form. Es ist nichts komplett Neues hinzugedichtet worden, Spielberg blieb im Rahmen, der ihm von den Comics vorgegeben wurde. Eigentlich sollte man sagen Doctor Who-Drehbuchautor Steven Moffat, Shaun of the Dead-Regisseur Edgar Wright und Attack the Block-Regisseur Joe Cornish haben sich im Rahmen der Vorlagen bewegt. Die Briten waren es, die die Geschichte zu Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn geschrieben haben.

Die Story wird mit hohem Tempo erzählt. Es gibt immer wieder Anspielungen an andere Filme, wie z.B. die Szene, wo Kapitän Haddock einem Schatzkartenteil hinterher hechtet und Mein Schatz! ruft. Eine Anspielung an Andy Serkis' Figur Gollum in der Herr der Ringe-Trilogie. Ebenfalls geschmunzelt haben wir, als im finalen Kampf zwischen Haddock und Sakharine der Kapitän einen pendelnden Sack mit Ladegut von unten in den Führungsstand seines Krans geschleudert bekommt. Das erinnert an die Folterszene von Daniel Craig in Casino Royale. Neben Slapstick-Einlagen, die nicht nur für Kinder herrlich sind, finden sich auch Witze, die die Kleinen wohl eher nicht verstehen — was manchmal auch ganz gut so ist …

Unterm Strich eine schöne Umsetzung, technisch wie erzählerisch, eines Comics, mit dem ich groß geworden bin. Von "Schändung" des Comics kann hier nicht die Rede sein.

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