Besprechung
Der grausame Kaiser Kisra II. (Ben Kingsley) herrscht im 7. Jahrhundert über weite Strecken des heutigen Saudia Arabiens. Unter seiner Fuchtel müssen diverse Wüsten-Königreiche, meistens nur Ansiedlungen in einer unbarmherzigen Wüste und Felslandschaft, darben. Kisra fordert von jedem ehemaligen König eine Tochter, die er als Konkubine halten kann.
König Numan (Ghassan Massoud) flieht mit seiner Tochter Hind (Aisha Hart) in die Wüste. Auf der Flucht vor den Schergen Kisras trifft das Duo auf den einsam herumwandernden Banditen Hanzala (Anthony Mackie). Numan bittet Hanzala um Hilfe. Gegen Gold lässt sich da etwas machen. Der mürrische Bandit führt Vater und Tochter in die Wüstenstädte von Hani (Sami Bouajila), wo ein ehemaliger König einem anderen die Ehre erweist und ihm seine Gastfreundschaft anbietet.
Da sich der Häscher Jalabzeen (Sharlto Copley) an Regeln halten muss und nicht einfach das Volk der Shaybani angreifen kann, muss er den Rückzug antreten. Kisra ist nicht erfreut. Er gibt Jalabzeen eine letzte Chance. Mit einer Armee macht sich Jalabzeen auf den Weg, um Hind zu fassen. Die hat mittlerweile ihre Rolle als Königin ihres Reiches angenommen. Hind kann diverse, eigentlich zutiefst verfeindete Stämme unter sich vereinen. Es kommt zur großen Schlacht von Ze Qar.
Meinung von Nils
Erster Film für mich im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights. Der Film ist mit einem Budget von 150 Mio. Dollar bisher die teuerste Produktion der saudi-arabischen Filmindustrie. Das Ensemble setzt sich aus bekannten amerikanischen und saudischen Schauspielern zusammen. Das Skript von David Self unterlief diverser Überarbeitungen. Self wollte den Fokus auf den Banditen Hanzala legen. Der sollte der "Wüstenkrieger" sein. Doch Regisseur Rubert Wyatt (Planet der Affen: Prevolution) und dessen Frau Erica Beeney legten den Fokus auf eine feministische Prinzessin Hind.
Die Schlacht von Ze Qar gab es wirklich. In dieser kämpften arabische Stämme gegen das Sassanidenreich. Die Schlacht gilt als "Befreiungsschlag" der Araber von den Persern. Wyatt nimmt diese historische Überlieferung als Grundlage für seine Geschichte, setzt aber auf eine fauchende, zickige Prinzessin als die Figur, die die verfeindeten Stämme gegen die Perser vereint und in die Schlacht führt.
Das geht dabei irgendwie ziemlich schnell und unkompliziert. Hier eine Schmeichelei und schon sind Feinde Freunde. Na ... ob das so funktioniert? Auch musste ich mich während des Films fragen, ob es historisch richtig sein kann, dass eine Frau im 7. Jahrhundert Männer anführt? Zumal arabische Männer. Oder waren sie damals so fortschrittlich, dass Männer wirklich einer Frau gefolgt sind? Dann: Super. Ansonsten: Unglaubwürdig und eine billige "Wir brauchen eine starke Frau"-Masche.
Wer anhand des Filmtitels und des Filmplakats dachte, Captain Americas Kumpel Falcon würde hier in einer weiteren heldenhaften Rolle auftreten — der irrt. Anthony Mackie spielt eine sehr kleine Rolle. Er sagt kaum etwas und bringt die Geschichte nicht wirklich voran. Aisha Hart ist die Wüstenkriegerin. Im englischen Original geht das aus dem Titel nicht hervor. Eigentlich sollte die Heldin eines Films charismatisch sein. Aisha Harts Figur ist anfangs ein Zicke. Sie nimmt den Raum der Königin zwar gut ein, bleibt aber leider ohne Bezug. Man baut zu ihr keine Beziehung auf, einfach weil sie nicht charismatisch ist. Ruhm alleine sollte nicht für eine Besetzung sorgen.
Dann haben wir natürlich noch Sir Ben Kingsley. Der Gandhi-Darsteller hat ein ähnliches Repertoire wie Nicholas Cage: eine Menge Filme, mal gut, mal schlecht. Kingsley hat in Desert Warrior nur eine sehr kleine Rolle. Er hat kaum Leinwandzeit. Das, was er abliefert, ist ordentlich, aber nicht unbedingt die nächste Oscar-Leistung — keineswegs.
Von dem aufgezwungenen Emanzipationsthema abgesehen, hat der Streifen nicht viel zu bieten. Was einen Moviejunkies-Punkt verdient, das ist die wunderbare Naturkulisse Saudia-Arabiens und das Auge von Kameramann Guillermo Garza. Der Mexikaner hat sehr schöne Bilder eingefangen. Das muss man anerkennen. Der Schnitt von Kelley Dixon und Richard Mettler erinnerte mich an die Schnittfolgen aus den 1970ern. Man sieht etwas, es wird schnell und kurz ein anderes Bild eingespielt, es geht im vorherigen Schnitt weiter. Das ist so ein "Wir deuten an, da passiert woanders auch etwas. Etwas, das ggf. für die Handlung demnächst wichtig wird."
Neben den schönen Bildern hat mich gefreut, dass ich endlich wieder einen Streifen vor mir hatte, der mit vielen Statisten aufwarten konnte. Sowas macht jeden Film authentischer. Wo ganz deutlich CGI ins Spiel kam, das war, als die Sassaniden mit Kampf-Elefanten ankamen. Als ich das sah, dachte ich gleich an Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs. Bei der Schlacht auf dem Pelennor kamen solche "Elefanten" ebenfalls zum Einsatz. Wenn diese auch weitaus größer waren.
Desert Warrior war jetzt nicht der beste Film, den ich im Kino sah. Er plätschert dahin und hat einige umfangreiche Schlachtszenen. Während des Films habe ich sieben Leute gezählt, die nach und nach den Kinosaal verlassen haben. So schlecht war Desert Warrior dann auch wieder nicht – ich wäre und bin nicht gegangen.